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Abnehmen mit der Uhr-Diät

Kann es wirklich so einfach sein? Ja, sagt ein neues Buch. Wer im Rythmus mit dem Körper isst, verwertet die Nahrung besser. Das lässt Kilos purzeln und startet ein natürliches Anti-Aging-Programm. Hier gibt's alle Infos.

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Abnehmen mit der Uhr-Diät
© istockphoto.com

Kalorien zählen, Low Carb, Low Fat, Trennkost, basische Ernährung – es gibt viele Wege zur Wunschfigur. Und jeder hat seine Berechtigung. Ein Aspekt wird aber bei allen Diäten vernachlässigt: unsere innere Uhr. Die tickt in einem bestimmten Rhythmus und wird von unserem Lebensstil beeinflusst. Zu wenig Tageslicht, Schlafmangel, unregelmäßige Mahlzeiten bringen sie aus dem Takt. Die Folge: Wir nehmen zu. Leben wir aber mit der Uhr im Einklang, gelingt es relativ einfach, schlank zu bleiben, ohne großes Kasteien. Ein neues Buch (Elisabeth Lange, Die Uhr-Diät, ZS Verlag, 19,50 Euro) erklärt, wie das funktioniert. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.

Leben im richtigen Takt

Der menschliche Stoffwechsel ist ein extrem komplexes System, das nicht nur unsere Verdauung reguliert, sondern das gesamte Leben bestimmt: den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormonproduktion, das Immunsystem und auch unser Hungergefühl. Er funktioniert nach einem uralten Prinzip, das zurückreicht in die Evolution der Menschheit und sich bis vor gut 150 Jahren nicht verändert hat. Die Menschen standen mit der Sonne auf und gingen mit ihr ins Bett. Das bedeutete: kein Essen in der Nacht. Sie arbeiteten im Freien und kamen dadurch ständig mit Sonnenlicht in Berührung. Künstliches Licht gab es (fast) nicht. Die körperliche Tätigkeit sorgte automatisch für viel Bewegung. Nahrung war tendenziell eher knapp, es kam öfter zu unfreiwilligen Fastenzeiten. Süßes war Mangelware, Lebensmittel gab es nur in ihrem Urzustand, nicht verarbeitet. Das alles hat sich in der modernen Welt massiv geändert. Wir schlafen zu wenig und wann es uns passt. Wir haben ständig künstliche Lichtquellen um uns, und vor allem essen wir immer und zu jeder Zeit. Die Evolution ist aber nicht so schnell wie die technische Entwicklung – unser Stoffwechsel funktioniert deshalb noch so wie in der Steinzeit.

Timing

Bis heute hat die Wissenschaft bei Weitem nicht unser gesamtes inneres System verstanden, doch ein paar Abläufe sind mittlerweile unumstritten: Der Hell-Dunkel-Rhythmus steuert das Hormonsystem. Dieses wiederum kontrolliert unser Hungergefühl, unsere Stimmung und die Lust auf Bewegung. Gehen die inneren Zeitgeber richtig, versorgen sie Muskeln und Gehirn pünktlich mit Energie. Leben wir aber gegen den natürlichen Rhythmus, kommen wir aus dem Takt. Manche Menschen reagieren darauf besonders empfindlich, können anfälliger für diverse Zivilisationskrankheiten werden. Halten wir uns aber bewusst an das richtige Timing, profitiert unsere Gesundheit. Plus: Wir werden schlank auf natürliche Weise.

So funktioniert die Uhr-Diät

Die innere Uhr fragt nicht, was und wie viel wir essen, sondern wann und wie oft. Besonders wichtig ist also die Essenszeit. Oberstes Gebot ist eine mindestens 12-stündige Nahrungskarenz in der Nacht. Denn genau dann laufen wichtige Stoffwechselprozesse in unserem Körper ab. Die kann er aber nur anstoßen, wenn er nicht mit Verdauen beschäftigt ist. Spätestens um 20 Uhr sollte das Nacht-Fasten beginnen. Dann sinkt der Insulin-Spiegel kontinuierlich ab, die Fettverbrennung und das innere Ausmisten (Entgiften) in der Tiefschlafphase können stattfinden. Wer es schafft, legt den Beginn der Essenspause schon etwas früher an. Das fördert zusätzlich noch die Schlafqualität. Einem herzhaften Frühstück am nächsten Morgen steht dann absolut nichts im Wege. Wer allerdings noch keinen Hunger hat, schiebt die erste Mahlzeit etwas nach hinten. Der Vorteil dabei: Je länger die nahrungsfreie Phase dauert, desto mehr profitieren wir auch optisch davon. Das perfekte Anti-Aging-Programm: Der Körper erneuert Zellen, stoppt Krankheitsprozesse oder kehrt sie sogar um.

Hungern verboten

Die Zeit für Nahrungsaufnahme beträgt also acht bis zwölf Stunden. In dieser Phase gibt es mengenmäßig keine besonderen Auflagen, du darfst dich ich gerne satt essen. Aber Achtung: Satt sein bedeutet nicht völlern. Höre auf, wenn du genug hast! Du solltest möglichst nur Frischgekochtes essen, auf keinen Fall Fertigspeisen oder stark verarbeitete Produkte. Denn diese liefern dem Körper zu wenig Nährstoffe, die fehlende Energie interpretiert er als Hunger. Auch Süßes ist in Maßen erlaubt. Mache aber auch in dieser Zeit längere Pausen zwischen den Mahlzeiten. Das heißt: Kalorienhaltige Getränke oder ein Stückchen Schokolade gleich nach dem Essen ist okay, nicht aber zwei Stunden später. Sonst kann der Körper kein natürliches Hungergefühl entwickeln.

Effektiv

Ein Tipp für besonders Willensstarke: Iss jeden zweiten Tag ganz normal mit einer 12-stündigen Pause in der Nacht. An den restlichen Tagen gibt's nur ein Mal ein Gericht mit jeweils 500 Kalorien. Das lässt unerwünschte Kilos besonders schnell purzeln und kurbelt die Reparaturprozesse in unserem Körper noch intensiver an. Probiere es! Du wirst dich bereits nach kurzer Zeit an die Essensumstellung gewöhnt haben.

Do's

So schaffst du es, dass deine innere Uhr im richtigen Rhythmus tickt:

  • Kalorienfreie Nachtruhe. Isst du früh zu Abend, verzichte auf kalorienhaltige Getränke und Mitternachtssnacks. Dann sinkt der Insulinspiegel, die Fettverbrennung beginnt.
  • Essenspausen. Zwischen jeder Mahlzeit mindestens 3-4 Stunden Pause einlegen, keine Snacks einschieben, nur Wasser und Tee trinken. So kann der Stoffwechsel ungestört arbeiten.
  • Satt essen. Stehe niemals hungrig vom Tisch auf. Iss dich satt, dann beugst du Heißhungerattacken vor. Achtung: Sich satt zu essen bedeutet nicht, sich vollzustopfen!
  • Hell und dunkel. Gehe täglich ins Freie und blicke in den Himmel. Der Lichtreiz regt die innere Uhr an. In der Nacht achte auf völlige Dunkelheit. Künstliches Licht aussperren.

Don'ts

Diese Aktionen bringen die innere Zeitmessung aus dem Takt:

  • Unaufmerksam essen. Am Schreibtisch, vor dem Fernseher, zwischen zwei Terminen ist Essen tabu. Das Gehirn speichert das nicht als Mahlzeit ab, es entsteht kein Sättigungsgefühl.
  • Breiig und flüssig. Ordentlich kauen! Das stimuliert Botenstoffe im Darm und sendet Sättigungssignale ans Gehirn. Smoothies und "Moodfood" sind deshalb eine Ausnahme.
  • Bildschirme. Künstliche Lichtquellen stören unseren Tag-/Nacht-Rhythmus. Zwei Stunden vor dem Schlafen gehen Tablet und Fernseher offline.
  • Zu wenig Schlaf. Ständige Übermüdung bringt den Zuckerstoffwechsel durcheinander, wir haben mehr Hunger.
Themen: Diät, Ernährung