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Abtreibung: „Es war grauenvoll“

Ungewollt: Die Fristenlösung wird zum Dauerthema. In WOMAN sprechen fünf Frauen über ihre leidvollen Erfahrungen, als Abtreibung noch verboten war.


Abtreibung: „Es war grauenvoll“
© Woman

Die Diskussion um die Fristenlösung nimmt auch Monate nachdem in Salzburg die Praxis eines Abtreibungsarztes geschlossen wurde, kein Ende. Wie WOMAN berichtete, können 30 Jahre nach der Fristenlösung in den Bundesländern Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Kärnten und dem Burgenland keine Abtreibungen in öffentlichen Spitälern durchgeführt werden. Ein untragbarer Zustand, den Salzburgs SP-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, 41, wenigstens in ihrem Bundesland – auch gegen den Willen des Koalitionspartners ÖVP – ändern will. Burgstaller, die für ihr Versprechen auch den Bruch der Koalition hinnehmen würde: „Frauen werden noch in diesem Jahr die Möglichkeit haben, in den Landeskliniken abzutreiben.“ Und zwar: „Mit bester medizinischer und psychologischer Betreuung. Anonym und kostengünstig.“

WOMAN hat fünf prominente Frauen – die vor der Fristenlösung unter schrecklichen Bedingungen abgetrieben haben – gebeten, ihre Geschichte zu erzählen.

Dagmar Koller, 63, Schauspielerin
„Ich war 21, er war mein erster Mann, und ich wurde kurz darauf schwanger. Es war in den USA, und ich war am Beginn meiner Karriere. Ich war ohne Mutter, ohne Vater und ohne Geld. Der Mann wollte mich mit dem Kind in den USA halten. In New York habe ich keinen Arzt gefunden. Dann bin ich nach Kanada und habe erfolglos weitergesucht. Ich flog nach Zürich. Der Arzt hat gesagt, er macht es, aber nur, wenn der Partner einverstanden ist. Ich wusste nicht mehr, wie es weitergehen soll. Es war eine Odyssee, und ich war allein. Erst in Wien fand ich einen Arzt, der mir half. Sogar im Spital mit Narkose. Ich war im dritten Monat, und als ich nach dem Eingriff aufwachte, fühlte ich mich wie befreit. Obwohl es mich sehr belastet hat, weil ich religiös bin.“

Elizabeth T. Spira, 61, Filmemacherin
„Ich war 18, hatte sehr wenig Geld und fing gerade zu studieren an. Meine Eltern hätten mich damals auch nicht unterstützen können. Um die Abtreibung zu finanzieren, habe ich in der Weihnachtszeit beim Wiener Kaufhaus Gerngross gejobbt. Die Schwangerschaft ist zufällig passiert, wie es so war in den Zeiten, bevor es die Pille gab. Ich habe mich umgehört – im Kaffeehaus hat man unter
der Hand Adressen von Abtreibungsärzten bekommen – , aber es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der es dann tatsächlich gemacht hat. Man brauchte eine wasserdichte Empfehlung, und wer keine hatte, wurde weggeschickt. Ich habe dann nach vielen Mühen einen Arzt gefunden, der den Abbruch bei mir daheim am Küchentisch gemacht hat. Man bekam keine Narkose, weil dafür hätte man einen zweiten Arzt gebraucht. Es hat sehr wehgetan, aber ich wusste genau, dass ich nicht schreien darf. Am nächsten Tag habe ich Fieber bekommen und große Schmerzen. Den Arzt, der den Abbruch gemacht hat, durfte ich nicht anrufen. Das wurde einem eingeschärft. Die Angst davor, eingesperrt zu werden, war stärker als die, wirklich schlimm krank zu werden. Ich bin dann aber doch ins Spital gefahren. Es war sehr unangenehm, weil ich nicht sagen durfte, was passiert ist. Die Ärzte haben es natürlich gewusst. Ich war nicht die Einzige, das kam ja ständig vor. Ich lag im Spital in der gynäkologischen Abteilung zusammen mit jungen Müttern und kam mir kläglich vor. Ich habe mich geniert, es war eine grässliche Situation. Ich hatte lange Zeit Alpträume, denn bei einer Abtreibung geht ein Stück Seele von einem mit. Aber es gibt Situationen im Leben, in denen man kein Kind bekommen kann. Wirklich schlimm war es damals für Frauen, die das Geld für die Abtreibung nicht hatten, und das Kind bekommen mussten.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen WOMAN