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Anziehungskraft, was ist das?

Ein cooler Typ. Wer will das nicht sein? Aber was braucht man dazu, um bei anderen anzukommen? Schönheit hilft, keine Frage, aber es gehört noch viel mehr dazu. Was, das fragten wir eine Coachin, eine Expertin auf dem Partnermarkt & eine Wissenschafterin.

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Anziehungskraft, was ist das?
© istockphoto.com

Schöne Menschen haben's im Leben nachweislich leichter. Genauer gesagt: Sie bekommen mehr Gelegenheiten, es leicht zu haben. Sei's bei der Partnerwahl, im Beruf oder im gesellschaftlichen Leben. Ob sie die Chancen aber auch nützen können? Wichtiger als äußere Vorzüge sind nämlich andere Attraktivitätsfaktoren wie Selbstbewusstsein oder Authentizität. Was einen Menschen wirklich anziehend macht, ist immer das ganze Package. Und was da alles hinein müsste, diskutierten wir mit drei Expertinnen: Partnervermittlerin Eva Kinauer-Bechter (kinauer-bechter.com), die Partnersuchende im Topsegment zusammenführt, Dr. Elisabeth Oberzaucher (oberzaucher.eu), Verhaltensbiologin an der Uni Wien (und Neuzugang bei den "Science Busters"), sowie Selbstwert-Coach Vivienne Posch (MitSelbstwertZumErfolg.at).

WOMAN: Wir beurteilen einen anderen doch alle erst mal nach dem Aussehen, oder?

Oberzaucher: Ja, denn wir müssen uns in kürzester Zeit ein Urteil über unsere Mitmenschen bilden, um sie einordnen zu können. Die ersten Infos bekommen wir durch: Wie schaut der aus? Dann kommen die Stimmqualität, die Körperproportionen und der Geruch dazu.

WOMAN: Und als attraktiv empfunden wird, das hat man ja schon oft gelesen, zum Beispiel Symmetrie.

Oberzaucher: Weil die ein Hinweis auf ein gesundes Immunsystem ist, wichtig bei der Paarbindung. Die hat aus biologischer Sicht die Funktion, gemeinsamen Nachwuchs zu zeugen und zu versorgen. Auch vorstehende Wangenknochen gelten bei Frauen als attraktiv. Bei Männern ein breiter Unterkiefer, ein langes Kinn und ausgeprägte Augenbrauen.

WOMAN: Frau Kinauer, Sie bringen Paare zusammen. Wie wichtig ist das Äußere?

Kinauer: Eine gute Optik ist für Frauen die Eintrittskarte. Das ist einfach so. Schönheit ist aber nur eine Hülle. Zu Attraktivität gehört weit mehr. Ausstrahlung, Intelligenz, ein freundliches Wesen, Humor, Emotionalität, Natürlichkeit.

WOMAN: Und müssen die Herren der Schöpfung wenigstens auch gut aussehen?

Kinauer: Nicht ganz. Meine Frauen wünschen sich von einem Mann Sicherheit, sozialen Status und eine starke Schulter zum Anlehnen. Auch oder gerade, wenn sie selbst beruflich top sind. Sie möchten auch jemanden, der ein Commitment abgibt, einen Familienmenschen. Er soll mit seinem Leben zufrieden sein. Die Optik ist manchen wichtig, aber der Mehrheit der Frauen nicht so wichtig. Den Männern jedoch sehr wohl. Sie wünschen sich aber auch Partnerinnen, die im Leben etwas weitergebracht haben und Frau geblieben sind.

WOMAN: Da hat sich in den letzten Jahrzehnten offensichtlich nichts geändert!

Oberzaucher: Es gibt aber auch internationale Studien, nach denen sich Männer und Frauen bei den Top-3-Partnerwahl-Kriterien einig sind: Nettigkeit, soziale Verträglichkeit, Gesundheit. Die entscheidende Frage ist: Wie kann man den Alltag miteinander aushalten?

Kinauer: Das kann ich bestätigen: Gleich und gleich gesellt sich gern. Je mehr Unterschiede zum Tragen kommen, desto mehr Kompromisse muss ich machen, desto anstrengender wird mein Leben.

WOMAN: Frau Posch, was sind Ihre Erfahrungen als Selbstwert-Coach? Was macht Menschen für andere anziehend?

Posch: Ich glaube schon, dass es attraktive Menschen leichter haben. Aber so wichtig das äußere Erscheinungsbild auch sein mag, die Ausstrahlung ist das Entscheidendere. Das Wort sagt ja schon, dass wir das nach außen strahlen, was wir in uns tragen. Und das ist unser Selbstbild. Dieses innere Bild wirkt in allem, was wir tun. Wie wir mit anderen kommunizieren, wie wir interpretieren, was andere zu uns sagen, wie wir wahrgenommen werden.

WOMAN: Sie meinen, wenn ich ein gutes inneres Bild von mir habe, wird das entsprechend anziehender rüberkommen.

Posch: So ist es. Wenn ein Kind mit sehr viel Lob und Anerkennung aufgewachsen ist, wird es auch später viel Selbstvertrauen haben, seinen eigenen Weg gehen, Ziele verfolgen und letztlich diese positive Ausstrahlung haben. Wurde ein Kind hingegen mit viel Kritik konfrontiert, wird es ein unsicherer Erwachsener werden, der sich ständig infrage stellt. Auch wenn dieser Mensch dann versucht, sich nach außen selbstbewusst zu geben, spürt man, ob sich jemand wohl fühlt in seiner Haut oder nicht.

WOMAN: Zu solchen Menschen fühlt man sich nicht unbedingt hingezogen. Aber so ein Muster kann man doch ändern!?

Posch: Ja, das ist die positive Nachricht. Durch Coaching oder indem man entsprechende Lebenshilfe-Bücher liest. Aber erst muss es einem bewusst sein.

WOMAN: Ein falsches Selbstbild kann ja sogar so weit gehen, dass sich ein objektiv schöner Mensch selbst potthässlich findet.

Posch: So eine eingebildete Unattraktivität ist nicht unüblich. Ich erinnere mich an einen besonders tragischen Fall in den Medien, als ein Model durch Schönheits-OPs immer noch perfekter werden wollte und schließlich nach einem Eingriff starb. Man weiß ja, dass Beauty-OPs in einigen Fällen eine innere Unzufriedenheit wettmachen sollen, was natürlich nicht möglich ist.

WOMAN: Frau Kinauer, wie sehen die Männer, die zu Ihnen kommen, Frauen, die beim Beauty-Doc nachgeholfen haben?

Kinauer: Wenn es unnatürlich ausschaut, wollen sie das gar nicht.

Oberzaucher: Botox zum Beispiel muss Ihnen, Frau Posch, ja furchtbar aufstoßen. Weil es dem Strahlen von innen diametral entgegengesetzt ist. Weil es ja ein Nervengift ist, das die Mimik totmacht. Wenn sich aber viel tut im Gesicht, ist das auch ein Attraktivitätsfaktor, und den nimmt man sich dann. Expressivität, das zeigen Studien, macht ganz viel aus. Sie ist das Fenster in die Psyche des anderen. Menschen, die keine Emotionalität erkennen lassen, sind unattraktiv, wir mögen sie nicht. Wissenschaftlich gesehen kann man nur von Botox abraten.

WOMAN: Bei manchen hat man aber auch den Eindruck, das äußere Erscheinungsbild geht ihnen über alles.

Posch: Das kann aus einer inneren Unzufriedenheit resultieren, die kompensiert werden soll. Man kennt ja auch Leute, die sich nicht auf ein Gespräch konzentrieren können, sondern nur damit beschäftigt sind, wie sie gerade ausschauen. Ein selbstsicherer Mensch geht auf andere selbstverständlich zu, weil er sich sicher fühlt. Es geht ja in der Kommunikation auch darum, dass man sich ehrlich für eine andere Person interessiert.

WOMAN: Und das kann man wahrscheinlich nur schwer vorspielen ...

Posch: Genau. Wie viel Energie wird oft aufgewendet, um nach außen etwas darzustellen, das man nicht ist! Vielen fällt es schwer, zu sich selbst zu stehen, aus Angst, nicht gemocht zu werden. Solche Muster sind meistens in der Kindheit entstanden, wenn ein Kind nur dann Lob bekommen hat, wenn es das gemacht hat, was von ihm erwartet wurde. Tatsache ist aber, dass wir uns zu authentischen Menschen hingezogen fühlen. Wenn man vorgibt, etwas zu sein, das man nicht ist, platzt die Blase bald. Da gibt es auch den schönen Satz: Das, was du bist, ist lauter als das, was du sagst.

WOMAN: Apropos Kindheit: Studienergebnisse sagen, dass schöne Kinder mehr Aufmerksamkeit von Eltern und Lehrern bekommen.

Oberzaucher: Die Studien gibt es. Wir schreiben schönen Menschen eher positive Eigenschaften zu. Attraktive Menschen setzen sich auch bei Bewerbungsgesprächen eher durch und kriegen mehr Gehalt. Es ist echt unfair.

Kinauer: Man braucht ja nur selbst mal zu überlegen: Ein attraktiver, sympathischer Verkäufer oder eine Verkäuferin in einem Geschäft. Bei denen kaufe ich lieber ein, oder?

WOMAN: Ja, aber eben nur, wenn sie oder er auch nett und freundlich dabei sind.

Kinauer: Da sind wir wieder dort: Schönheit allein ist nur eine Hülle. Aber sie verführt unser Urteilsvermögen, wie schon der Philosoph Michel de Montaigne sagte. (lacht) Ich möchte jedoch noch auf einen anderen ganz wichtigen Attraktivitätsfaktor hinweisen: Vitalität. Man kann für das Erscheinungsbild viel machen, auch wenn man keine klassische Schönheit ist. Gesunde Ernährung, Superfood, Detox-Kuren, Fitness, gute Kosmetik – der Luxus der heutigen Zeit ist es, in sich selbst zu investieren. Das verleiht einem viel Strahlkraft.

Oberzaucher: Das muss ich mir aber alles auch erst mal leisten können. Das saisonale Gemüse, Superfood, Personal Coach und das Josephsbrot sind schon zu Statussymbolen geworden.

WOMAN: Aber man kann doch auch etwas tun, ohne viel Geld auszugeben. Laufen gehen, selber kochen und so weiter ...

Posch: Auch hier spielt das Selbstwertgefühl mit rein. Wenn ich mir sage, ich bin mir das gesunde Essen wert, dann schmeiße ich mir nicht nur Burger rein.

WOMAN: Eine Frage noch, Frau Kinauer! Heißt es für die meisten "Ihrer" Männer in puncto Frauen: Je jünger, desto attraktiver?

Kinauer: Nicht unbedingt. Es gibt auch welche, die möchten eine Frau mit Lebenserfahrung, die mit ihnen Visionen realisiert. Aber viele wünschen sich schon eine jüngere Frau.

Oberzaucher: (schmunzelt). Studien sagen, dass es sich gerade bei Männern negativ auf die Gesundheit auswirkt, wenn die Frau um vieles jünger ist.

Kinauer: Da muss der Altersunterschied aber schon sehr erheblich sein ...

Oberzaucher: Ich denke, dass die Erwartungen ans Leben dann doch unterschiedliche sind und es mehr Reibungspunkte gibt. Das kann Stress verursachen. Zwei bis drei Jahre Altersunterschied sind für die Gesundheit am besten. Das sagt zumindest die Wissenschaft. (lacht)

Thema: Psychologie

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