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Du machst mehr? So sorgst du für Gleichstand!

Hausarbeit, Kinder: ihr teilt die Aufgaben in eurer Beziehung gerecht? Oder hast du das Gefühl, immer mehr zu machen? So sorgst du für Gleichstand.


Du machst mehr? So sorgst du für Gleichstand!

Happy wife, happy life - man kann es nicht oft genug sagen

© iStockphoto

Wir schreiben das Jahr 2016. Und damit hoffentlich das Jahr, in dem ihr auf die Frage, ob euer Partner im Haushalt und bei der Kinderbetreuung mithilft, ohne langes Zögern mit einem glatten "JA" beantworten könnt. Schließlich befinden wir uns nicht mehr in den 50er Jahren, wo Kind und Küche in die Hauptverantwortung der Frau fielen.

Doch obwohl der beste Kerl von allen regelmäßig den Müll runterträgt, den Einkauf erledigt oder abends noch eine Runde "Vier gewinnt" mit dem Sprössling spielt: irgendwie hast du trotzdem das Gefühl, immer ein wenig mehr zu machen als er.

Und damit bist du nicht alleine.

Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte Melinda Gates, Philanthropin und als Leiterin der "Bill & Melinda Gates Foundation" Chefin der mit Abstand größten Privat-Stiftung der Welt, einen Brief über die Last der "unbezahlten Arbeit" – die überproportional von Frauen erledigt wird. Darin bezieht sich Gates nicht nur auf die ungleichmäßige Aufteilung der Hausarbeit (vor allem in Entwicklungsländern, wo noch alte Geschlechtsstereotype herrschen), sondern prägt auch den Begriff der "emotionalen Arbeitsleistung".

Wie viele "emotionale" Aufgaben leistest du ab?

Du kannst dir unter "emotionaler Arbeitsleistung" noch nicht wahnsinnig viel vorstellen? Nun, du wirst es gleich nachempfinden: die Planung der Feiertage, das Erinnern an Geburtstage, das Besorgen der Weihnachtskarten, die Überlegungen über den Speiseplan, das Erinnern daran, welcher der Freunde deines Sohnes eine Laktoseintoleranz hat und wann die Schulaufführung ist...

Wenn ihr noch keine Kinder habt, dann sind es Dinge wie die Organisation von Konzertkarten, das Reservieren des Restaurant-Tisches, die Einladung der Freunde zum Abendessen - oder auch, den Partner zehnmal daran zu erinnern, dass er seinen Reisepass vor eurem baldigen Thailand-Trip erneuern muss.

So. Jetzt werden manche von euch den Kopf schütteln (und ein paar Männer sogar empört stöhnen). Ist es wirklich schon Arbeit, wenn man seinen Partner an To-Do's erinnert? Kann man die Reservierung eines Tisches mit dem täglichen Ein- und Ausräumen des Geschirrspülers gleichsetzen? Soll jetzt zwecks gleicher Arbeitsteilung wirklich alles einberechnet werden, vom Schreiben der Einkaufsliste bis zum Versand der Einladungskarten für die Geburtstagsparty? Wie bewertet man diese ... äh ... psychische (?) Belastung?

Das wäre wirklich etwas übertrieben. Es ist jedoch tatsächlich überwiegend so, dass all diese vergleichsweise winzigen und alltäglichen Aufgaben in der Beziehung von der Frau geleistet werden.

Grund dafür ist eine andere Konditionierung der Geschlechter, wie ein 2005 veröffentlichter Wissenschaftsartikel nachweist: trotz Gleichberechtigung und Frauenbewegung ist es immer noch eine geschlechtsspezifische Erwartungshaltung, dass die Frau hauptverantwortlich für emotionale Aufgaben in Zusammenhang mit Freunden, Familie und Gesellschaft ist.

Warum Frauen besser einkaufen (kein Scherz)

Von klein auf wird also erwartet und konditioniert, dass die Frau die Planung und Organisation dieser Dinge in die Hand nimmt. In langfristigen Beziehungen wird das dann leicht zum Boomerang. Einerseits hat SIE das Gefühl, ohnedies ein besseres Hotel für den Urlaub zu finden als der Partner - gleichzeitig zipft es SIE an, dass ER sich nie die Mühe macht und derlei an ihr hängen bleibt. Er wieder überlässt die Aufgabe gerne ihr. Schließlich ist das Ergebnis zufriedenstellend – "und wenn SIE sich unbedingt darum reißt, dann bitte..." .

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam übrigens auch eine aktuelle Studie aus Australien - die kurioserweise ursprünglich gar keine Aussage über die Ungleichheit der Geschlechter treffen wollte. Die Wissenschaftler beobachteten in einem Supermarkt die Rollenverteilung einkaufender Paare. Diese sollten möglichst schnell den Wochenend-Einkauf erledigen.

Es zeigte sich: am effizientesten wurde der Einkauf über die Bühne gebracht, wenn die Frauen die Waren zusammenstellten und im Supermarkt dann auch suchten - während die Männer mit dem Einkaufswagen hinter ihnen hertrotteten (fühlst du dich kurz an deine Beziehung erinnert, hm?). Waren die Männer im Lead, dann dauerte der gesamte Prozess im Supermarkt um genau 15 Minuten länger.

Das Fazit der Forscher: "Auch wenn das Paar gemeinsam einkaufen geht - also die Arbeit zwischen den Geschlechtern eigentlich gerecht geteilt wird – übernimmt die Frau in den meisten Fällen die Hauptaufgabe." Frei nach dem Motto: Wenn SIE es besser kann, warum sollte man dann daran etwas ändern?

Vielleicht stört dich das nicht. Dann wird es kein Thema und ihr lebt im besten Fall glücklich bis ans Ende eurer Tage.

Was aber, wenn es dich immer mehr stört, du ständig das Gefühl hast, wesentlich mehr als dein Partner zu machen und dich um ALLES zu kümmern (obwohl er doch auch im Haushalt mithilft!)? Die simple Antwort: lass' es sein.

Kauf' nicht mehr das Geburtstagsgeschenk für seine Mama, erinnere ihn nicht mehr daran, den Strafzettel zu zahlen, übertrag' ihm die Aufgabe, den Einkaufszettel zu schreiben. Stell' dich darauf ein, dass die Sachen vielleicht nicht erledigt werden (oder nicht rechtzeitig) oder dass er sie anders in Angriff nimmt, als du das tun würdest.

Aber wenn du willst, dass er sich auch um Sachen kümmert, die sonst immer du abnimmst, dann ist die einzige Lösung: LASS IHN MACHEN. AUF SEINE WEISE.