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Damenwahl des Kanzlers

Frauenflüsterer: Wolfgang Schüssel bittet immer wieder Frauen in Spitzenjobs. Dahinter steckt weniger Feminismus als Kalkül.


© Jantzen/Stemmer

Ein Gentleman genießt und schweigt. Der Kanzler hingegen schweigt und protegiert: Frauen pflastern seinen Weg – noch nie waren so viele Frauen in einer österreichischen Regierung vertreten. Zeit seines Lebens hat Wolfgang Schüssel, 59, Frauen in Position gebracht – wie zu Jahresende Liese Prokop ins Innenressort. Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer ist seit langem eine Wegbegleiterin, Ursula Plassnik, seine frühere Bürochefin, lenkt seit Oktober 2004 das Außenministerium, Benita Ferrero-Waldner hat der Bundeskanzler als erste Außenministerin eingesetzt, die heutige VP-Abgeordnete Ulri-ke Baumgartner-Gabitzer war seine erste Kabinettschefin. Maria Rauch-Kallat, seine Generalsekretärin, hat er später mit dem Gesundheitsministerium belohnt. Und Schüssel hat zwei Frauen als Pressesprecherinnen.

Königinnenmacher. Schüssel als großer Frauenfreund? Schüssel, der lobenswerte Frauenförderer? Ja – wenn’s ihm ins Konzept passt. An oberster Stelle steht beim „steely chancellor“ stets gnadenloses politisches Kalkül. Wenn die Kandidatin seinem eigentlichen Ziel dient, zögert er keine Sekunde.

Eines trifft zu: Wolfgang Schüssel hat kein Problem mit Frauen. Auch nicht mit den stärksten. Maria Schaumayer, seinerzeit erste Frau an der Spitze der Nationalbank: „Das ist eine häufige Eigenschaft bei selbstbewussten Männern. Früher war das anders, da wollte er mit seinem Schädel durch harte Wände, aber er hat dazugelernt. Heute verstehen wir uns ausgezeichnet.“ Man könne ihm widersprechen, Ja-Sagen sei keine Eigenschaft, mit der es Frauen bei Schüssel weit brächten, erzählt Schaumayer. „Er ist Frauen gegenüber ausgesucht höflich, küsst mir immer die Hand. Aber so herzlich unser Verhältnis ist, so hart prallen wir bei Meinungsverschiedenheiten aufeinander.“

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