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Der Lustknabe

In WOMAN erzählt der Vorarlberger Callboy von Lust & Frust mit dem Sex-Geschäft.


Der Lustknabe

Ludwig hat braun-grüne Augen, eine markante Nase, sein Gesicht ist lang und schmal. Er trägt ein exakt gestutztes Kinnbärtchen, sein Haar ist kurz geschnitten und dennoch widerspenstig. Ludwig ist ein großer, schlaksiger junger Mann, der nicht so recht weiß, wohin mit seinen Armen. Sie baumeln unbeholfen von den Schultern, ganz so, als würden sie nicht zu ihm dazugehören. Er lächelt vorsichtig und begrüßt uns mit einem weichen Händedruck. Der 22-jährige Vorarlberger hat etwas von einem zu groß geratenen Lausbuben. Für den ersten Moment sieht er mehr aus wie der nette Sohn der Nachbarin als einer, der für seine Liebesdienste Geld nimmt.

Junggesellenbude. Eine knarrende Holztreppe, die mit Linoleum belegt ist, führt in seine Zweizimmerwohnung, die im ersten Stock eines abgewohnten Mehrfamilienhauses in einem Vorort von Innsbruck liegt. Ludwig hat alles, was man so zum Leben benötigt. Und auch das, was man nicht mehr braucht: Dutzende ausgetrunkene 2-Liter-Cola-Flaschen, leere Pizzakartons, Papierfetzen und sonstiger Müll liegen verstreut am Boden herum. „Ich räume nur alle drei Monate auf“, entschuldigt sich Ludwig ganz nebenbei und schiebt, was im Weg liegt, einfach auf die Seite. Wohlwollend betrachtet, hat das Chaos, das sich konsequent durch die ganze Wohnung zieht, etwas jugendlich Charmantes.

Netter Zuverdienst. Und was sagen seine Kundinnen zu diesem wenig erotischen Ambiente? „Ich trenne mein Privatleben ganz strikt von meiner Arbeit“, sagt Ludwig streng. Dazu gehört: kein sexueller Verkehr in seiner Wohnung und absolutes Stillschweigen über den anzüglichen Nebenjob. Seine Kundinnen beglückt er in deren Wohnung – wenn sie verheiratet sind, nicht selten auch im Hotel. Und dann und wann verkehrt man auch im Auto.
Fünfzig Euro verlangt der Lustknabe für seine Dienste. Kein schlechter Lohn für durchschnittlich eine halbe Stunde Arbeit. Noch sind die Anfragen zu bewältigen. Bis zu ein Dutzend Frauen pro Monat nehmen seine Dienste in Anspruch. Mehr wären auch nicht wirklich zu schaffen neben dem Job, dem täglichen Fitnesstraining und der zeitintensiven Körperpflege.
Begonnen hat alles vor einem Jahr, als Ludwig beim Chatten eine Frau kennen lernte. „Wir haben uns auf einen Drink verabredet und hatten Sex miteinander.“ Wie sich das halt so ergibt. „Sie hat mir dann fünfzig Euro in die Hand gedrückt.“ Einfach so. Dass man dermaßen einfach zu Geld kommt, hat ihn überwältigt. Flugs hat der Computerfreak eine Homepage erstellt und Inserate geschaltet. Und am nächsten Tag war er schon im Geschäft.

Wünsche werden wahr. Mit dem Geld erfüllt er sich seine Träume. Seine neueste Errungenschaft, ein Aprilia-Motorrad, steht seit einigen Tagen vor der Tür. Irgendwann einmal möchte er nach Marokko reisen und nach Tunesien, und nächstes Jahr schon plant er einen Trip zum Nordkap. Mit seinem 1.400- E-Bruttogehalt käme der Lagerarbeiter nicht über die Runden. Die Wohnung ist auch nicht billig, knapp 500 Euro muss er monatlich zahlen, der technische Schnickschnack ist vom Feinsten, das Auto schnittig und vonnöten. Und auch das Leben kostet Geld.
Ludwig verkauft leichtherzig seinen Körper, um sich diese Annehmlichkeiten leisten zu können. Verzichten? Wozu? Die Seele ist nicht involviert, und sein Herz gehört sowieso ihm ganz alleine. Da lässt er niemanden hinein. Seit seine Beziehung vor einem halben Jahr zerbrochen ist, macht Ludwig gefühlsmäßig dicht. Das Foto seiner Exfreundin steht noch immer am Regal im Wohnzimmer. Sie wusste nichts von seinem Doppelleben. Man hat sich getrennt nach dreieinhalb Jahren Zweisamkeit. Daran nagt Ludwig noch immer. Und wartet auf eine neue Liebe. Bis dahin jedoch nützt er die Zeit.

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