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Der Schatten als Ministerin?

Nachfolge. Ursula Plassnik war lange die Frau hinter dem Kanzler. Jetzt soll die Diplomatin Außenministerin werden.


Der Schatten als Ministerin?

Die Causa ist Chefsache und wird deshalb diskret behandelt. Seit Bundeskanzler Schüssel vor sieben Jahren die heute 48-jährige Juristin Ursula Plassnik ins Kabinett holte, zeichnet Verschwiegenheit das Verhältnis der beiden zueinander aus. Stets war die 1,90 Meter große Blondine an seiner Seite, um ihm alles zu besorgen, was er brauchte. Vor allem aber, um den Kanzler vor dem abzuschirmen, was er nicht brauchen konnte. Und: Er hörte auf sie, er vertraut ihr.

Diplomatin mit Aussicht. Im Jänner schickte Schüssel seinen „Schatten“ auf den Botschafterposten in die Schweiz. Da vermuteten Insider bereits eine Vorbereitung für höhere Weihen. Nach der Nominierung von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner als EU-Kommissarin ist ihr Posten frei – und damit auch der Weg von Plassnik retour nach Wien. Dass sie die Wunschkandidatin des Bundeskanzlers ist, bezweifelt niemand. Ob Plassnik schon zugesagt hat, darüber schweigt er – und die Schweizer Botschafterin erst recht.

Plassnik hat in ihrer Karriere kein einziges Interview gegeben. Ihre Freundin Madeleine Petrovic, grüne Vize- und NÖ-Landeschefin , führt das nicht auf Misstrauen gegenüber Journalisten zurück. Sie meint, Medienkontakte seien bislang nicht Plassniks Aufgabe gewesen. „Mit einer neuen Funktion wird sich das problemlos ändern.“

Kanzler-Intima. Plassnik habe den Kanzler wirklich geschätzt, erklärt Petrovic, nur aus Taktik hätte sie sich für ihn nicht so aufopfern können. „Schüssel ist ja auch ein interessanter, intelligenter Mann mit vielen Facetten.“ Ihre ehemalige Studienkollegin Plassnik – beide haben das Jusstudium in der Mindeststudienzeit von vier Jahren beendet – beschreibt Petrovic als starke Persönlichkeit, die sich hochgearbeitet hat, ohne über Leichen zu gehen. „Uschi ist humorvoll und sensibel, geht sehr auf die Menschen ihrer Umgebung ein. Der Beruf steht bei ihr stark im Mittelpunkt, aber sie hat gewusst, worauf sie sich einlässt.“ Die ehrgeizige Plassnik galt als eine der mächtigsten Frauen in der ÖVP. Petrovic: „Als politischer Mensch muss sie nach Macht streben.“

Ein anderer Freund, der Plassnik schon seit Studienzeiten begleitet, ist Josef Schmidinger, heute Generaldirektor der s Bausparkassen. „Ich kenne Uschi seit der ersten Vorlesung auf der Uni. Sie war schon damals eine Augenweide, strahlte Herzlichkeit und Wärme aus. Im Gespräch ist sie entwaffnend offen und direkt, bemüht sich fast mütterlich um andere. “ Plassnik, so Schmidinger weiter, habe ein großes Bedürfnis, andere zu schützen, wie sie es auch bei Schüssel getan
habe. Plassnik, Petrovic und Schmidinger waren 1976 bis 1978 Assistenten an der Uni, danach wechselte Plassnik zur CA, von dort trat sie in den diplomatischen Dienst. Nach mehreren Auslandsaufenthalten war sie im Außenamt für die Vorbereitungen von Österreichs EU-Präsidentschaft 1998 beschäftigt.

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