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Dysmorphophobie: „Ich bin so hässlich“

Wie schlimm ich meine Haut am Morgen finde, bestimmt, ob der Tag erträglich oder furchtbar wird!“, versucht sich die 21-jährige Sonja verständlich zu machen.
Sonjas Tage sind in der Regel furchtbar. Sie muss dann unentwegt über ihre Haut nachdenken, sie entweder ständig im Spiegel überprüfen oder diesem aus dem Weg gehen, um sich ihren eigenen Anblick zu ersparen.


Dysmorphophobie: „Ich bin so hässlich“
© Rauch

Wirklich schlimm ist aber, was dann noch passiert: „Ich misshandle die Haut in meinem Gesicht, kratze sie auf und füge ihr Schnitte zu.“ Die blutenden Resultate haben stets hysterische Ausbrüche als Konsequenz und führen dazu, dass sich Sonja tagelang in ihrer Wohnung versteckt. „Wenn’s mich einmal ganz schlimm erwischt, dauert mein Rückzug von der Außenwelt etwa acht Tage“, erzählt sie, der alle Welt immer wieder beteuert, dass sie nicht hässlich ist. Sondern, im Gegenteil, ausnehmend hübsch. Mit ihren langen blonden Haaren, ihrer Topfigur – und der eben makellosen Haut – könnte sie ein Model sein. Diese Komplimente verhallen jedoch stets unerhört, führen bei dem jungen Mädchen nur zu weiterem autoaggressivem Zwangsverhalten.

Schönheitswahn. Die bekannte Psychotherapeutin Rotraud A. Perner weiß aus ihrer langjährigen Praxis: „Zuweilen wächst sich die übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Erscheinungsbild zu einer Krankheit aus.“

Diesen nicht mehr kontrollierbaren Drang nach dem Modelgesicht und der Idealfigur nennen Psychiater „Dysmorphophobie“ oder „BDD“ nach der englischen Bezeichnung „Body Dysmorphic Disorder“. Wahrscheinlich, so der derzeitige Stand der Forschung, liegen dieser Störung eine krankhafte Angst vor Zurückweisung, mangelndes Selbstwertgefühl und oftmals nicht erkannte Depressionen zugrunde. Körperdismorphe Störungen werden ebenso den Zwangskrankheiten zugeordnet wie etwa auch der Händewasch- oder Putzzwang. Während sich in den USA und in Großbritannien Forscher seit mehr als zehn Jahren mit den Erscheinungsformen der Dysmorphophobie und deren Therapie befassen, ist dieses Phänomen in Österreich noch weitgehend unbekannt.

Hochs und Tiefs. „Ich kann in besonders schlimmen Phasen nicht arbeiten, liege nur im Bett, habe keinen Appetit und wälze schwere Gedanken“, schildert Sonja diese qualvollen Stunden: „Die Zeit wird dein größter Feind, der Tag scheint kein Ende zu nehmen. Jedes Lachen von der Straße macht dich wütend, neidisch und zugleich tieftraurig!“ Ganz offen schildert sie weiter: „Außer Haus kreisen meine Gedanken ständig darum: Wie sehe ich bloß aus? Was denken die anderen über mich? “ Sonja hat dabei stets das Gefühl, dass jeder aufgrund ihres Aussehens weiß, was mit ihr los ist, was in ihr vorgeht. „Man fühlt sich so durchschaubar und ständig angegriffen!“ Dass BDD-Opfer sukzessive in eine Lebensunfähigkeit kippen, kann Sonja, deren Alltag ein einziger Hürdenlauf ist, bestätigen. „Es wird zum unlösbaren Problem, Terminen, ob privater oder geschäftlicher Natur, nachzukommen!“

Was zur Folge hat, dass ein fixes Angestelltenverhältnis oder ein regelmäßiges Studium für sie unerreichbar sind. „Ich wurde aus der Bahn geworfen, als sich meine Krankheit mit den Pflichten des Alltags nicht mehr vereinbaren ließ.“

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