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Ich, du - und der kleine Schreihals

Ein Baby ist fantastisch, jetzt sind wir Eltern. Ein Baby ist aber auch eine Belastungsprobe für die Beziehung, wie Mamabloggerin Sybille weiß.

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Ich, du - und der kleine Schreihals

Auf einmal zu dritt, auf einmal etwas schwieriger

© iStockphoto

Eine raschelnde Plastiktüte, eine Klospülung, ein simples Niesen kann in dem Moment, in dem man ein Kind endlich, endlich zum Einschlafen gebracht hat, der Sargnagel für eine gefestigte, liebevolle Beziehungen sein, um nicht zu sagen ein Scheidungsgrund. Das klingt übertrieben? Ich kenne Paare, die tagelang nicht miteinander gesprochen haben, weil er sich just in dem Moment, als das kleine Schreihälschen sich nach einem wahrlich harten Tag endlich in den Schlaf geheult hatte, tatsächlich traute, zur Haustür hereinzukommen und der kleine Dauerbrüller davon wieder wach wurde.

Überhaupt sind Väter bzw. arbeitende Partner, die nach einem harten Arbeitstag nach Hause kommen, wahrlich nicht zu beneiden, wenn sie dort ihre bessere Hälfte unisono mit dem Kind gemeinsam heulend vorfinden. Statt endlich die Latschen von den Hufen zu streifen und sich gemütlich auf dem Sofa auszustrecken, müssen sie dann erst mal den Partner wieder auf Vordermann bringen, nur um danach den kleinen Schreihals mit Dauerfliegergriff durch die Wohnung zu hieven, und das bis Mitternacht oder gern auch mal länger.

Diese Reihenfolge ist übrigens penibel genau einzuhalten, denn sollte man sich erdreisten, zuerst das nicht zu beruhigende Kind tatsächlich zu beruhigen (etwas, das der heulenden Hälfte den ganzen Tag über nicht gelungen ist), fühlt sich Letztere nämlich wie ein Vollversager und wird bis zum Morgengrauen im Tal der Tränen einchecken. Dasselbe Spiel geht dann am nächsten Tag wieder von vorne los: noch so ein schöner Tag, und noch einer – bis die Kleinen zwischendurch dann auch mal krank werden und nachts nicht mehr als ein paar Minuten am Stück schlafen. Dann wird es noch lustiger.

»...und dann reihert der Kleine das Gitterbett voll«

Eine liebe Freundin hatte so die schlimmste Nacht ihres Lebens einem profanen Magen-Darm-Virus zu verdanken. Zuerst reiherte ihre Dreijährige das gesamte Gitterbettchen voll. Inklusive Matratze natürlich, damit es so richtig weh tut und der teuflische Geruch auch nach Behandlung mit Chemie-Keule oder Weihwasser nicht mehr weg geht. Von diesem Unterfangen wurde der liebevoll Kind und Bett putzenden Mama dann so schlecht, dass sie ohne Umschweife selbst ins Wohnzimmer spie, den 5 Monate alten Sohn dabei gekonnt nebenbei im Arm schaukelnd. An sich schon eine eher unangenehme Geschichte, wurde ebendiese noch viel lustiger, als der rücksichtsvolle Papa in der Nacht von einem Gewitter im Darm geweckt wurde.

Als er seinen die Speiseröhre schnellstens rückwärts verlassen wollenden Mageninhalt herannahen spürte, war er netterweise darauf bedacht, nicht auch noch das eheliche Bett – quasi die letzte geruchsfreie Zufluchtsstätte der gesamten Familie – einzusauen und öffnete deshalb kurzerhand das Fenster, um sich lautstark dort hinaus zu übergeben. Das Ganze wäre vielleicht weniger tragisch gewesen, hätte es sich dabei nicht just um „das Fenster zum Hof“ gehandelt. Die Anspielung auf Gruselmeister Hitchcock ist hier nämlich durchaus angebracht, denn die junge, von Koliken gebeutelte Mutter sah sich daraufhin bemüßigt, den für alle Bewohner der schicken Wohnanlage zugänglichen Hof noch vor Morgengrauen mit Eimer, Schwamm und Still-BH bewaffnet vom Corpus Delicti zu befreien. Natürlich nicht, ohne sich dabei auch noch eine handfeste Erkältung einzufangen – aber das passierte Gott sei Dank ja dann erst in den darauf folgenden Tagen...

Ja, wenn die Jungfamilie krank ist – einer ist da selten allein – kann es also zu so manch grenzrealer Situation kommen. Mit Schrecken erinnere ich mich zum Beispiel noch an einen Tag im Dezember, an dem die Grippe beinhart ihre Tentakel nach uns dreien ausgestreckt hatte. Während ich mit 39,8°C Fieber verzweifelt versuchte, meiner ebenfalls fiebernden Tochter ein Zäpfchen in die richtige Öffnung zu schießen, bettelte mein Mann am Boden liegend seinerseits um den Gnadenschuss.

Beim Versuch mich zu entlasten – er hatte schließlich nur 38,6°C am Buckel – war er nämlich im Wick Medinight-Delirium ins Kinderzimmer gewankt, wo unsere Tochter vor Unwohlsein nur so wimmerte, und dabei über das strategisch ungünstig platzierte Schaukelpferd gestolpert. Hurra, genau das braucht man! Gut, es war nur Nasenbluten, aber ausgesehen hat es viel, viel schlimmer. Beim Zurückdenken ist es eigentlich fast schon wieder witzig. Aber nur fast.

Über die Autorin: Sybille Maier-Ginther ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Susanne Holzer schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf Facebook.com/HandaufsHerzBlog

Themen: Eltern, Kinder

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