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Erika Pluhar: „Sex ist kein Leistungssport“

Dass Sex in unserer Gesellschaft immer mehr zum Leistungssport verkommt, macht Probleme. Vor allem, ausnahmsweise einmal, den Männern. Erika Pluhar hat sich zwischen ihren Konzertabenden, Lesungen und der Vorbereitung auf ihr Bühnencomeback im Herbst literarische Gedanken über Liebe, Lust und Libido gemacht. Und spricht damit vielen Frauen aus der Seele. Und nicht nur denen. Geben Sie doch folgende Zeilen auch Ihrem Mann zum Lesen …


Erika Pluhar: „Sex ist kein Leistungssport“
© Inge Prader

Ich habe nie eine als „normal“ zu bezeichnende Ehe geführt, nie mehr an Familienleben genossen als die Liebe und alleinige Sorge für meine Tochter und meinen Enkelsohn, und ich habe mit Männern sehr wenig Alltagsleben geteilt. Aber andererseits habe ich Männer, und nicht nur einen Mann, facettenreich und mit großer Zuneigung erlebt und erfahren. Schlicht gesagt liebte und liebe ich stets das Männliche im Mann. In unserer gottlob frei und sogar betont auf Homosexualität und Androgynität ausgerichteten Gesellschaft war, bin und bleibe ich ein hoffnungslos
einseitiger,ja leidenschaftlicher Hetero. Und das, obwohl ich gegen Männer ankämpfen musste, um meine Eigen- und Selbständigkeit zu erlangen, und der Begriff „Emanze“ ab etwa meinem vierzigsten Jahr als Daueretikett auf mir klebte und sich bis heute noch nicht gänzlich entfernen ließ. Dabei pauschaliere ich so ungern. Ich sage so ungern „die Männer“, „diese Männer“ oder „die Frauen“, „wir Frauen“ … In diesen Ausführungen werde ich jedoch um ein paar Pauschalfeststellungen nicht herumkommen.

Nummer eins: Männer leben mit ihrem Körper, Frauen in ihrem Körper. Das drückt sich in der Sexualität als Parabel aus. Selten erfühlt er den Zustand seiner Physis, er beobachtet ihn irritiert, als wäre sein Körper ein fremdes Objekt, das eigentlich zu funktionieren hätte. Sobald sein Körper jedoch etwas Grundlegendes ausspricht – und ich bin der festen Meinung, dass Aussprache oder Aufschrei, die wir unserer Seele nicht gewähren, sich körperlich zu Wort melden –, will der Mann es nicht gern hören. Wir alle wissen, und auch alle Männer wissen dies, dass es kaum gelingt, mit ihnen Gespräche zu führen, die über das rational Alltägliche hinausgehen. Diese Verhaltenheit des Austauschs haben sie auch mit ihrem Körper.

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Thema: Sex & Erotik