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So geht's mir nach 6 Monaten Shopping-Verbot

Was passiert, wenn monatelang nicht shoppen geht? So einiges! Diese Wienerin hat das Verbot für ein halbes Jahr durchgezogen und war erstaunt über die Erkenntnisse!

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Kommentare: 2

Sarah Kirschner - We are Vienna

Sarah wünscht sich mehr Bewusstsein für die Dinge, die wir kaufen.

© Cecilia Leitinger - "We Are Vienna"

Stell dir mal vor, du darfst monatelang NICHTS, rein GAR NICHTS, einkaufen. Also abgesehen von Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten. Die 24-jährige Wienerin Sarah wollte wissen, was passiert, wenn man Fashion-Shops und Schuhläden den Rücken kehrt, um eine Pause einzulegen. Ganze 6 Monate hat sie weder Hosen, Jacken, Shirts, Unterwäsche, Ketten, Mützen, Socken, Schals, Taschen oder Sonnenbrillen gekauft. Ja, selbst Lippenstift oder Nagellack waren für sie ein Tabu. Die meisten hätten wohl spätestens beim nächsten Saisonwechsel aufgeben oder hier und da geschummelt... Sarah hat aber durchgehalten. Sie hat 6 Monate lang "Nein" gesagt und darf sich nun freuen. Nicht nur über das ersparte Geld, sondern auch über viele neue Erkenntnisse. Wir haben mit ihr über das Experiment "Shopping-Pause" gesprochen.

»Ich hatte sie wahrscheinlich aus Zeitmangel oder reiner Faulheit irgendwo in den Kasten gepfeffert...«

WOMAN: Deine Shopping-Pause ist seit Dezember 2015 offiziell vorbei. Ganze 6 Monate hast du durchgehalten. Bist du seither in einem Shoppingrausch - zum Ausgleich sozusagen?
Sarah (lacht): Meine Experiment ist zwar vorbei, das heißt aber nicht, dass ich jetzt im Kaufrausch versinke.

WOMAN: Wann war zum ersten Mal der Moment, wo du dachtest: "Mist, das darf ich nicht kaufen." Und weißt du noch was das war?
Sarah: Saisonwechsel heißt Garderobenwechsel, und somit hieß es auch für mich den „alten“ Wintermantel aus der Schublade zu holen. Ich kaufe mir natürlich nicht jeden Winter einen neuen, aber mein aktueller wäre ohne weiteres schon renovierungsbedürftig gewesen. Gerne wäre ich in ein Geschäft reinspaziert und hätte mir einen neuen gekauft.

WOMAN: Gibt es auch beim Shopping-Stop so eine Art Entzugserscheinung? Kann bestimmt frustrierend sein, oder?
Sarah: Natürlich merkt man erst nach Wochen etwas vom Shopping-Stop, und seltsamerweise war der Anfang am schwersten für mich. Von warm auf kalt bedeutet nicht nur den Kleiderschrank neu zu sortieren, sondern auch SALE so weit das Auge reicht, und sich dann zurückzuhalten obwohl man Lust zum Einkaufen hätte, ist nicht immer leicht.

WOMAN: Warst du vor dem Experiment oft shoppen?
Sarah: Ich glaube es ist schwer diese Frage pauschal zu beantworten, aber ich kann durchaus sagen, dass ich gerne einkaufen gegangen bin. Egal ob auf Flohmärkten, online, oder auf einer der Einkaufsstraßen Wiens. Da ich momentan noch Studentin bin, ist mein monatliches Budget überschaubar, aber ich schätze, dass ich im Monat trotzdem etwa 3-5 neue Kleidungsstücke ergattert habe.

6 Monate Shoppingstop

WOMAN: Heißt "nicht shoppen" automatisch "nicht stylisch" sein?
Sarah: Ach Blödsinn! Solange man etwas Geduld hat, und etwas kreativ veranlagt ist, muss man keine großen Abstriche machen. Mich hat es dazu gebracht, mir endlich Zeit zu nehmen für Sachen, die einen kleinen Fehler hatten, etwa Knöpfe endlich annähen oder Kleidungsstücke zu reparieren. Ich hatte sie wahrscheinlich aus Zeitmangel oder reiner Faulheit irgendwo in den Kasten gepfeffert, dabei stecken hinter kleinen Reparaturarbeiten meist nur ein paar Minuten, die man sich allemal für ein Kleidungsstück nehmen kann.
Andere Stücke, die schon lange kein Tageslicht mehr erblickt haben, weil ich nie wusste wie man sie kombinieren könnte, habe ich auch wieder aus dem Schrank gekramt und mir mit Hilfe von Google ein neues Outfit gezaubert. Soll heißen: Ich habe z.B. „Outfit weißer Denimrock“ in die Google-Suchleiste eingetippt und habe mich von den Bildern inspirieren lassen, und voilá - der Rock gehört nun zu meinen liebsten Stücken.

WOMAN: Shoppen verboten - aber Kleider tauschen war erlaubt, oder?
Sarah: Ganz richtig. Da ich so und so der Meinung bin, dass es so ziemlich ALLES schon im Überfluss gibt, war tauschen eine gute Alternative bzw. eine gute „Notlösung“ wenn ich mal wirklich etwas gebraucht habe.
Sehr gerne hab ich die Plattform "Kleiderkreisel" genutzt, um Sachen loszuwerden und - als Gegenzug - ein schönes neues Teil in meinem Kleiderschrank willkommen zu heißen.

6 Monate Shoppingstop

WOMAN: Was, wenn du ganz dringend diese eine Tasche oder dieses eine Kleid für einen bestimmten Anlass brauchst?
Sarah: Dann sehe ich auf "Kleiderkreisel" oder anderen Plattformen nach, aber meist wusste ich, dass es unglaublicher Zufall sein musste, genau das zu finden, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, also lieber von Anfang an umdenken oder(!) gute Freunde fragen, ob du mal ihren Fundus durchstöbern darfst.

WOMAN: Hast du auch mal geschummelt?
Sarah: Einmal! Anstatt, so wie es sich gehört, ein Kleidungsstück gegen ein anderes zu tauschen, habe ich eines von mir verkauft, und mir von dem „Guthaben“ auf Kleiderkreisel etwas von einer andere Person gekauft. Was soll man denn machen, wenn der Winter kommt, die Temperaturen sinken – und dann stößt man auf einen super warmen Kaschmirpulli, den jemand tauschen will?

6 Monate Shoppingstop
»Ich vermisse das Shoppen nicht - auch weil der Gedanke unnötig Zeug anzuhäufen inzwischen bei mir Bauchweh auslöst.«

WOMAN: Vermisst man das Shoppen überhaupt so sehr?
Sarah: Ich habe mir vorgenommen 6 Monate nicht zu shoppen, und je näher es dem Ende zuging, desto eher hat es mich gar nicht mehr gestört. Im Gegenteil, ich fand es sehr befreiend und habe dann angefangen mich von vielen Dingen zu trennen. Einiges habe ich zu Flüchtlingsunterkünften gebracht - anderes verschenkt.
Ich habe in der Vorweihnachtszeit zusätzlich eine Art von Bestätigung erfahren, da ich so glücklich war nicht zu den gestressten Leuten zu gehören, die mit hochroten Köpfen die Mariahilferstraße auf und ab gelaufen sind, um irgendetwas unter den Christbaum legen zu können.
Man tut auch nicht nur der Geldbörse und dem Gewissen einen Gefallen, durch gezieltes und bedachtes einkaufen, kann man der Umwelt etwas Gutes tun, die lokale Wirtschaft unterstützen, und ein Zeichen setzen gegen Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass ich als einzelne Person nur ein Tropfen auf den heißen Stein bin, aber vielleicht überlegen ein paar Leute bei dem nächsten Gang zu einer der großen Modeketten, ob sie wirklich noch ein Shirt aus Polyester, um 4,90€ brauchen. Also Nein, ich vermisse das Shoppen nicht, auch weil der Gedanke unnötig Zeug anzuhäufen, inzwischen bei mir Bauchweh auslöst.

WOMAN: Würdest du die Pause auch anderen empfehlen?
Sarah: Es muss nicht gleich eine Pause bzw. ein Shopping-Stop sein, ich denke es würde schon reichen, wenn man mit mehr Bewusstsein einkaufen geht. Dazu ist es sehr hilfreich, sich zu informieren: Was bedeutet ein Shirt, das 10 Euro kostet für die Leute, die es herstellen? Welche Reise macht so ein Shirt bis es bei uns im Laden hängt?
Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, sich auf "Kleiderkreisel", "Kleiderkorb", oder anderen Kauf- und Tauschbörsen umzusehen. Wem das zu mühsam ist, kann sich auch bei Tausch-Events, die es in Städten inzwischen wie Sand am Meer gibt, sich auf die Suche nach neuen Sachen begeben.

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Verrate uns: Hast du auch schon einmal eine Shopping-Pause gemacht? Und wie ging's dir dabei? Hast du Tipps für andere, wie man es leichter durchsteht? Teile deine Erfahrung und poste einen Kommentar unter dem Artikel.

Kommentare

Autor

6 Monate? HÄ? Ich recycle die Sachen normalerweise aus der Vorsaison, also nähe sie um oder mach was völlig neues daraus. Deswegen kommt es schon mal vor, dass ich ein halbes Jahr nichts gekauft, aber dafür viel genäht habe. Nähen braucht bei mir weniger Zeit als das Suchen nach passender Kleidung. Für die normale Konfektion bin ich sowieso viel zu lang!

Rebekka De

Ich teste gerade das Prinzip der capsule wardrobe und bin im Moment sehr zufrieden damit. http://theeverygirl.com/how-to-create-a-capsule-wardrobe

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