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Frage des Alters: „Heute sind wir stark“

In WOMAN diskutiert die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer mit ihrer Mutter und ihrer Tochter über ideale Männer, Hausarbeit und den Vorteil, eine Frau zu sein.


Frage des Alters: „Heute sind wir stark“
© Stemmer

Dass ein Mann diesen drei Frauen je das Wort abschneidet, ist kaum vorstellbar. Noch bevor das Tonbandgerät für das Interview mitläuft, sind alle drei längst mittendrin im Erzählen. Die Zweite Nationalratspräsidentin und Ex-SP-Frauenministerin Barbara Prammer, 51, ihre Mutter Christine Thaller, 70, und ihre Tochter Julia, 24, erklären: „Wir diskutieren eben alle gerne in der Familie.“

In WOMAN äußern sie sich überraschend offen, wie unterschiedlich ihre Leben als Frauen verlaufen sind, was sie von Männern erwarten und warum in ihnen talentierte Handwerkerinnen stecken.

WOMAN: Frau Thaller, waren Sie eigentlich berufstätig?
Christine: Ich habe Herrenschneiderei gelernt. Mein Mann hat heute noch keine Hose, die nicht von mir genäht wurde. Leider wollte er nicht, dass ich auswärts arbeite. Ich hätte jetzt gern eine eigene Pension. Es ist ein Unterschied, ob man eigenes Geld zur Verfügung hat oder alles teilt.
WOMAN: Was hätten Sie gerne gemacht?
Christine: Meine Leidenschaft ist das Handwerken. Ich habe unser Haus in Ottnang komplett hergerichtet. Jetzt habe ich in Barbaras neuer Wohnung mit angepackt: Installationen, Montagen und so weiter. Sie hat mein Talent geerbt.
Barbara: Ich bin lange nicht so gut wie sie. Oft sag ich, erklär’s mir nicht. Bitte, mach es einfach!
Julia: Mir hat die Oma auch viel beigebracht. Zu Weihnachten habe ich mir einen Werkzeugkasten gewünscht.
WOMAN: Ist es ein Vorteil, eine Frau zu sein?
Julia: In den meisten Fällen nicht. Man gilt immer als Schwächere, muss sich stets profilieren und zeigen, was man draufhat.
WOMAN: Was sind dieVorteile?
Julia: Wir können Kinder kriegen. Und ich glaube, wir sind intuitiver.
Christine: Ich habe mir oft gewünscht, ein Mann zu sein. Männer haben es viel bequemer.
Barbara: Ich muss da aufpassen. Mittlerweile bin ich nicht mehr in der Situation, in der ich Benachteiligungen direkt erlebe. Aber ich erinnere mich noch gut daran, dass ich meinen ersten Job am Gemeindeamt aufgeben musste, weil ich eine Frau bin. Trotzdem bin ich’s gerne.