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Frauenleben wie gestern?

Zurück zum Herd. Neue Studien beweisen: Österreichs Frauen werden wieder konservativer. Ein Rückschritt in alte Zeiten?


 Frauenleben wie gestern?
© Kolp

Um sieben Uhr morgens wird der Beamte Thomas Lintner gewöhnlich von zartem Kaffeeduft aus der Küche geweckt. Zu diesem Zeitpunkt hat seine Frau Martina in ihrem Reihenhaus bereits das Frühstück vorbereitet. Daneben stillt sie das vier Monate alte Baby und versorgt die beiden älteren Kinder. Eine halbe Stunde später verlässt Thomas Lintner seine Familie und kommt erst abends wieder. Martina Lintner ist froh, „dass ich mich den ganzen Tag meinen Kindern widmen kann. Ich würde meine Kleinen nie außer Haus zur Betreuung geben.“ Die Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau ist bei der St. Pöltner Familie traditionell wie in den fünfziger Jahren.

Und Martina Lintner ist glücklich damit. „Wir haben von Gott verschiedene Rollen zugeteilt bekommen. Ich bedaure alle Kinder, die unter der Berufstätigkeit ihrer Mütter leiden“, meint die ehemalige Krankenschwester. „Mein Mann hat den äußeren Part übernommen, er gibt uns Sicherheit. Die Ehe ist für mich etwas Heiliges, ein Sakrament, bei dem auch Jesus Christus mit dabei ist.“ Die Kinder werden zu Höflichkeit, Gläubigkeit und Rücksichtnahme erzogen. Lintner: „Der Beitrag der Mütter ist wertvoll für die Gesellschaft, ihre Dienste sollten viel mehr anerkannt werden.“

„Dass eine Frau ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht, dass die Mutterrolle sie prägt und ihr Handeln, Denken und Fühlen bestimmt, ist eine alte Idee“, erklärt Barbara Serloth, Politologin, spezialisiert auf Frauenrollen. Im dritten Jahrtausend scheint dieses Frauen- und Gesellschaftsbild trotz Emanzipation und Kampf um Frauenrechte immer noch nicht verblasst zu sein.

Alte Rollen sind aktuell. Fast 60 Prozent der österreichischen Frauen meinen heute, dass Männer von der Emanzipation profitiert hätten (siehe Grafik rechts). Jede dritte Frau ist der Ansicht, die traditionelle Aufgabenteilung – Mann arbeitet, Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder – sei die beste Lebensform für eine Gesellschaft. Erna Appelt, Politologin, die zu Geschlechterfragen forscht: „Dabei übersieht man leicht, dass es heute keine Frage der Ideologie ist, ob eine Mutter arbeiten geht, sondern häufig finanziell notwendig.“

Anzeichen für Rückschritte. In Zeiten höherer Arbeitslosigkeit hebeln Gegenstrategien dort an, wo es am wenigsten Widerstand gibt: bei den Frauen.

  • Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zielen auf die Situation der Männer. Der Arbeitsmarkt für Frauen hingegen wird vernachlässigt. Anzeichen dafür: Neue Gesetze unterstützen Teilzeitarbeit, die zum Großteil von Frauen erledigt wird. Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern klafft immer weiter auseinander. Es gibt kaum Unterstützung für Wiedereinsteigerinnen.
  • Frauen, die sich zuhause um ihre Kinder kümmern, werden durch Kinderbetreuungsgeld belohnt. Aber so angenehm das vielen Frauen im ersten Moment erscheint, die längerfristige Folge sind massive Nachteile bei Pensionszeiten und Kündigungsschutz. Und wie wichtig ein eigenes Einkommen ist, erkennen Frauen spätestens dann, wenn sie nach einer Scheidung plötzlich alleine dastehen und finanziell nicht mehr über die Runden kommen.
  • Die Pensionsreform tut das Übrige, um Frauen eine eigenständige Existenzsicherung zu erschweren. Die 45 erforderlichen Berufsjahre, um auf die volle Pensionshöhe zu kommen, kann kaum eine Frau erreichen. Wenig hilfreich ist da der Hinweis von Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, Frauen gut verdienender Männer könnten freiwillig mehr in die Pensionskassa einzahlen.
  • Fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen sind eine Hürde für die Berufstätigkeit. Besonders in ländlichen Bereichen ergibt sich daraus ein Teufelskreis: Eine Betreuung können sich viele Familien nicht leisten, ohne Betreuungsplatz werden Frauen keine Jobs vermittelt.
  • Immer mehr Frauenprojekte werden von der Regierung nicht mehr subventioniert. Stattdessen werden Aufgaben vonseiten des Staates in die Hände der Frauen verlagert: ehrenamtliche Sozialdienste, Kinder-, Alten-, und Krankenbetreuung. „Politik soll sich nicht in das Leben der Frauen einmischen“, liefert die Frauenministerin als Erklärung.

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