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Frontfrau: „Männer sollen Platz machen“

Beneidenswert ist sie, diese Aussicht aus dem Parlamentsbüro der SP-Frauensprecherin Barbara Prammer. Wenn alles so kommt, wie sich’s die
50-Jährige erträumt, dann kann sich Parteikollege Josef Broukal bald an dem Zimmer mit Aussicht erfreuen.


Frontfrau: „Männer sollen Platz machen“
© Beck

Die Frauenvorsitzende der SPÖ wird voraussichtlich am 16. Juni anstelle des neuen Bundespräsidenten Heinz Fischer zur Zweiten Nationalratspräsidentin gewählt. Ihre Aufgabe im Parlament: Streit schlichten, Ordnungsrufe erteilen und Sitzungsabläufe koordinieren. Ihr neues Monatsgehalt: 12.942 Euro brutto.

Die Oberösterreicherin zeigte sich schon früh in der SP-Frauenorganisation aktiv. Nachdem sie am Gemeindeamt von Ottnang am Hausruck nicht ihrer Ausbildung gemäß gerecht bezahlt wurde – weil sie „nur“ eine Frau war –, begann sie ein Soziologiestudium. Vor neun Jahren war sie die erste Frau in der oberösterreichischen Landesregierung, 1997 lockte sie der damalige Kanzler Viktor Klima als Frauenministerin nach Wien. Vor ihrem jetzigen Karriereschritt gab Prammer WOMAN ein offenes Interview über Machos im Parlament, Mutter-Tochter-Beziehungen und Rollenklischees.

Woman: Wer beweist mehr Kinderstube im Parlament – Frauen oder Männer?
Prammer: Also, auf jeden Fall die weiblichen Abgeordneten. Keine Frage!
Woman: Und wie werden Sie als Zweite Nationalratspräsidentin reagieren, wenn Ihnen sexistisches oder rüpelhaftes Verhalten auffällt?
Prammer: Darauf werde ich ein Auge haben, ohne mich künstlich aufzuspielen. Wenn die weiblichen Abgeordneten schon eine Frau als Präsidentin bekommen, sollen sie auch Anforderungen an mich stellen können. Gerade im Parlament müssen wir Gleichstellung leben, denn wie sollen wir das sonst im gesellschaftlichen Miteinander von anderen fordern?
Woman: Können Sie Frauenanliegen jetzt besser vertreten?
Prammer: Eine einzelne Frau kann nie etwas bewegen, das wäre überheblich. Das zentrale Thema ist deshalb, mehr Frauen ins Parlament zu bringen. Da sind in Zukunft alle Parteien und die Wählerinnen gefordert.
Woman: Was sind denn die Schwierigkeiten dabei, Frauen in die Politik zu bringen?
Prammer: Männer müssen Platz machen. Und es gehört ein klarer Wille der Parteispitze dazu. Aber die Probleme liegen zum Beispiel in den kleineren Gemeinden, wo Frauen unter der Doppel- und Dreifachbelastung immens leiden und es schwer ist, sie für politisches Engagement zu gewinnen. Ohne diese breite Basis aber lässt sich auch schwer eine bunte Breite nach oben entwickeln.
Woman: Wie sieht es denn mit der Frauenrepräsentanz in Ihrem neuen Büro aus?
Prammer: Es werden viele Frauen sein, aber es wird auch Männer geben.
Woman: Arbeiten Sie lieber mit Männern oder mit Frauen?
Prammer: Ich kann mit beiden gut, das habe ich gelernt.
Woman: Finden Frauen im Parlament genug Gehör, oder sollten sie etwas lauter sein?
Prammer: Frauen ringen darum, gehört zu werden, und das ist ihr gutes Recht. Es liegt auch ein Stück an den Frauen selber, sich nicht alles gefallen zu lassen. Aber ich glaube, das muss jede Fraktion für sich selber regeln.

Das komplette Interview lesen Sie im neuen WOMAN