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Gesetz gegen Magermodels: Viel Lärm um nix?

Frankreich führt ein Gesetz gegen Magermodels ein. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will eine ähnliche Regelung in Österreich. Sinnvoll – oder viel Lärm um nix?

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Gesetz gegen Magermodels: Viel Lärm um nix?

Dürre Models wurden von den Laufstegen verbannt – zumindest in Frankreich

© 2008 Getty Images

Spitze Knochen, die durch die Haut stechen, eingefallene Wangenknochen, Oberschenkel, dünn wie Zahnstocher: Magermodels werden bei den Fashion Shows in Paris vom Laufsteg verbannt. Nach Spanien, Italien und Israel beschloss das französische Parlament endgültig ein Gesetz, das gefährliches Untergewicht bei Mannequins verhindern soll.

Um auf französischen Modeschauen oder bei Fotoshootings arbeiten zu können, brauchen Models künftig eine ärztliche Bescheinigung, dass ihr Gesundheitszustand mit dem Beruf vereinbar ist. Zentraler Faktor ist dabei der Body-Mass-Index – die genauen Kriterien müssen noch von einer Fachbehörde festgelegt werden. Der Body-Mass-Index setzt das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße. Wer Models ohne Bescheinigung beschäftigt, muss mit sechs Monaten Gefängnis und bis zu 75.000 Euro Geldbuße rechnen.

Auch Fotos, auf denen die Körper der Models zur Perfektion retuschiert wurden, müssen künftig gekennzeichnet werden. Auf diese Weise soll der Schlankheitswahn beendet und ein gesundes Körperbewusstsein propagiert werden.

Kommt das Magermodel-Gesetz in Österreich?

Wenn es nach Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek geht, dann wäre eine Regelung nach französischem Vorbild in Österreich schon gestern eingeführt worden: "Ich wünsche mir auch für Österreich ein Beschäftigungsverbot für Magermodels unter einem bestimmten BMI durch Modelagenturen. Die Schuld liegt dabei nicht beim Model, sondern bei denen, die sie anstellen."

Laut Heinisch-Hosek sollen nicht gesund schlanke Models von dem Berufsverbot betroffen sein, "sondern Extremfälle verhindert werden."

»Unseren Kunden ist es wichtig, dass die Models gesund aussehen.«

Wie soll man den Model-BMI überprüfen?

Die neue Regelung ist mit Sicherheit der richtige Impuls, wirft aber dennoch einige Fragen auf: Kann man vor jedem Auftrag kontrollieren, ob das Model zu dünn ist? Ab wann ist ein Model krankhaft dünn – und wann handelt es sich um ein Mädchen, das von Natur aus extrem schlank ist? Wie überprüft man, ob das Attest von Ärzten tatsächlich nach bestem Wissen und Gewissen korrekt ausgefüllt wurde? Und: braucht Österreich überhaupt ein solches Gesetz für die hier tätigen Models?

Roberta Manganelli, seit 23 Jahren Geschäftsführerin der renommierten Wiener Modelagentur Stella Models, hält den Vorstoß der Ministerin vor allem für eines: Viel heiße Luft. "Österreich ist für die Haute Couture Welt nicht relevant. Deswegen gibt es hierzulande gar keine Nachfrage nach ultradünnen Models. Ganz im Gegenteil: Unseren Kunden ist es wichtig, dass die Models gesund aussehen. Schlank – aber nicht ausgehungert."

Eine gesetzliche Vorschrift hält Manganelli für wenig zielführend: "Wichtiger wäre es die Aufklärung in den Fokus zu stellen. Ausgewogene Ernährung und Sport müssen in den Schulen mehr Platz finden, um Kinder und Jugendliche für diese Themen zu sensibilisieren und ihnen ein gesundes Körperbewusstsein zu vermitteln."

Fakt ist: Essstörungen lassen sich nicht mit Gesetzen heilen. Dennoch ortet das Frauenministerium eine Chance, die gesellschaftliche Wahrnehmung gezielt zu verändern. Nicht Magermodels wären der Standard, sondern Frauen, deren BMI zumindest in einem gesunden Verhältnis steht.

Magermodels auf der Australian Fashion Week
»Auch die sexualisierte Darstellung von Jugendlichen muss stärker kontrolliert werden.«

Kinder am Catwalk verbieten

Den BMI als Maß zu nehmen, ist jedoch schwierig: Denn es gibt auch Models (vor allem sehr junge Mädchen um die 13 Jahre) die ohne zu hungern unter der 18,5-BMI-Grenze liegen.

Warum also wurde in Frankreich statt einer BMI-Regelung nicht eine Altersbegrenzung eingeführt? In Deutschland und Italien ist modeln erst ab 16 Jahren erlaubt. "Ja, das ist sinnvoll," meint Heinisch-Hosek,"ich finde es höchst dubios, dass Dior bei der Show 2015 ein 14-jähriges Mädchen in einem durchsichtigen Kleid am Laufsteg präsentierte. Auch die sexualisierte Darstellung von Jugendlichen muss im Sinne des Jugendschutzgesetzes stärker kontrolliert werden."

Kindermodel Sofia Mechetner am Dior-Catwalk

Und was, wenn eine Frau von Natur aus einfach schlank ist? "Es geht darum gesundheitsschädliche Hungerkuren zu untersagen, nicht darum, dünne Frauen zu bestrafen" so die Ministerin. "Wir sprechen von Kleidergröße 32, also Size-Zero, für die Mädchen gebucht werden. In Österreich tragen die meisten Frauen aber Größe 40/42."

Wie geht es weiter?

Freilich: Obschon der Vorstoß der Ministerin am Tisch liegt, ist die Umsetzung und Exekutierung noch unausgegoren. So ist noch offen, wie der Gesetzgeber lückenlose Kontrollen gewährleisten will oder wann das Gesetz in Österreich eingeführt werden soll.

Mehr Klarheit herrscht über die Regelung zur Kennzeichnung retuschierter Fotos – zumindest sieht es Heinisch-Hosek so: "Wir sind schon länger dabei, das Bildbearbeitungsgesetz voranzutreiben." Dieses soll dann übrigens auch für Personen des öffentlichen Lebens gelten. Bei Politikern oder Sportlern müsste dann künftig ebenfalls der Hinweis folgen, dass der Körper verschlankt, eventuell sogar Falten weggebügelt und das Doppelkinn geschönt wurden.