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Ist „Nur-Hausfrau“ zu sein erfüllend – oder ein Lebensmodell für Doofe?

Es herrscht Aufbruchstimmung im Festsaal des idyllischen Dörfchens Bergen im bayerischen Chiemgau. Über hundert aufgedrehte Hausfrauen feiern ein Fest – und natürlich auch sich selbst. Der freudige Anlass: das dritte Sommertreffen des Vereins „Hausfrauenrevolution“.


Ist „Nur-Hausfrau“ zu sein erfüllend – oder ein Lebensmodell für Doofe?
© Susanne Stemmer

Die kampflustigen Ladys zwischen 16 und 66 Jahren haben sich mit Haut und Haaren dem Aufstand verschrieben. Sie haben ihre Energien gebündelt und fordern lauthals prompte Anerkennung für ihre unbedankte und unbezahlte Arbeit. Von der Gesellschaft, von den Männern, von den Kindern. Und natürlich auch von ihren Geschlechtsgenossinnen. Die aufgepeitschten Kämpferinnen benehmen sich so, wie es sich für beinahe echte Revoluzzerinnen gehört: Formiert in Gruppen, johlen sie kichernd und kudernd ihre bissig-bösen Schlachtrufe.

Umdenken erforderlich.
„Wobei“, wie Oberrevoluzzerin Marie Theres Kroetz-Relin, 39, um nur ja keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sofort klarstellt, „das Wort Revolution immer wieder falsch interpretiert wird. Revolution heißt nämlich Umwälzung.“ Streng meint die Tochter des kürzlich verstorbenen Weltstars Maria Schell, Ehefrau des Dramatikers Franz Xaver Kroetz und Mutter dreier Kinder: „Umwälzung bedeutet, dass die Veränderung vom Volk kommt und nicht von den Regierenden. Und genau daran arbeite ich.“ Denn die meisten Hausfrauen leben in „Sprachlosigkeit, Abhängigkeit und Stillstand. Also genau im Gegenteil von Revolution.“ Kroetz-Relin selbst hat sich, wie Millionen andere Frauen auch, jahrelang ausschließlich um Kinder und Haushalt gekümmert und ist dabei verkümmert. „Mir wurde jedoch klar, dass die Grundlage für die Existenz in unserer Gesellschaft die Arbeit der Frauen ist, aber diese qualitativ als auch quantita-tiv unterbewertet wird.“ Vor drei Jahren hat Kroetz-Relin, ohne viel darüber nachzudenken, eine Internetplattform ins Leben gerufen (www.hausfrauenrevolution.com) und ist seither davon überzeugt, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

Der Erfolg gibt der unermüdlichen Kämpferin Recht. Mehr als fünf Millionen Frauen und Männer klickten die Seite schon an. Hausfrauen beschweren sich über mangelnde Anerkennung in Familie und Gesellschaft. Es geht um Einsamkeit am Herd, Stress mit den Kindern, Probleme in der Partnerschaft – und auch um Gewalt in der Familie. Kroetz-Relin: „Das Forum ist eine Oase der Freundschaft und der Stärke. Wir helfen einander, selbstbewusster mit dem Beruf Hausfrau umzugehen. Denn“, so fährt die mittlerweile viel beschäftigte Oberhausfrau erklärend fort, „bevor es gelingt, in der Gesellschaft etwas zu bewegen, muss man sich selbst grundlegend verändern.“
Mangelnde Frauensolidarität. Eingeladen mitzumachen sind jedoch nicht nur Hausfrauen, die keiner bezahlten Arbeit nachgehen, sondern alle Frauen, die ihre Meinung äußern wollen. Und natürlich auch die Männer. „Wir sind ja keine männerfeindliche Truppe. Wir leiden in Wirklichkeit mehr unter der mangelnden Solidarität der Frauen untereinander. Wenn wir Frauen zusammenhalten würden“, seufzt Kroetz-Relin, „gäbe es weniger Probleme. Aber die Frauen sind ungeschickt und machen sich gegenseitig das Leben schwer. Sie haben das Heimtückische in sich, sagen nicht gerade heraus, was sie sich denken. Alles geht hintenrum“, klagt sie und schlussfolgert: „Wenn die Frauen sich untereinander nicht so rassistisch benehmen würden, wären wir schon wesentlich weiter.“

Zusammenhalt stärken. Davon ist auch Yvonne Fraebel, 40, überzeugt. „Stutenbissigkeit unter Frauen ist weiter verbreitet, als man denkt. Statt ihren Frust an der richtigen Stelle abzuladen, bekämpfen sie einander. Arbeitende Frauen beneiden Hausfrauen um ihre Freiheiten, und Hausfrauen missgönnen den arbeitenden Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit. Dabei bleibt doch sowieso alles an den Frauen hängen, ob sie arbeiten oder nicht. Am schlimmsten jedoch ist es für die Hausfrauen. Alles, was eine Hausfrau tut, steht und fällt mit ihrem Mann. Und das ist kein gutes Gefühl.“ Dennoch ist Fraebel froh, „einen Mann zu haben, der finanziell für die Familie sorgt. Aber die Rollenverteilung stinkt mir gewaltig.“ Bevor das älteste Kind vor 16 Jahren zur Welt kam, hat die dreifache Mutter als Verlagskauffrau gearbeitet. „Ich wollte die Kinder keiner Tagesmutter übergeben, meine Eltern waren berufstätig, und mein Mann ist viel unterwegs. Ich musste mich um die Kinder, von denen zwei noch dazu jahrelang chronisch krank waren, kümmern.“ Und der Ehemann? „Der freut sich auch, umsorgt zu werden. Es ist ihm schon auch wichtig, dass es mir gut geht. Aber er sagt halt immer: Bring du mal
so viel Geld heim wie ich.“ Mit einem Grundeinkommen für Hausfrauen wäre das Problem, ist Fraebel überzeugt, gelöst.

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