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Karin Miklautsch: „Kanzlerin? Warum nicht!“

Der Anfang war knallhart. Überall Kameras und Mikrofone. Jeder wollte die unbekannte Kärntner Landesbeamtin (Abteilungsleiterin für Wasserrecht), die im Juni überraschend an die Spitze des Justizressorts gehievt wurde. Und viele hätten sie am liebsten gleich tief im nächsten Fettnäpfchen gesehen. Jörg Haider nannte sie – es war ganz lieb gemeint – „mein Boxenluder“. Und der alte ÖVP-Grande Michael Graff ließ ihr öffentlich ausrichten: „Ob das eine so vollkommen neue, junge Frau derhebt, ist sehr fraglich.“


Karin Miklautsch: „Kanzlerin? Warum nicht!“
© Stemmer

Sie selbst, sagt sie heute, hat gewusst, dass sie das kann: „Sonst hätte ich’s nicht gemacht.“ Mittlerweile gilt die 40-jährige Juristin als weibliche Politüberraschung des Jahres. Die gebürtige Grazerin lebt mit einem steirischen Controller, ist kinderlos – und eine echte Workaholic. Ihren Kleidungsstil hat sie der neuen Position angepasst, die alten Cowboystiefel trägt sie immer noch – auch im Ministerium.

Woman: Frau Minister, als Sie vor etwa 150 Tagen angelobt wurden, hat man Sie belächelt. Jetzt lobt Sie sogar die Opposition. Hat die Steirerin Karin Miklautsch …
Miklautsch: Bitte, ich bin zwar in Graz geboren, aber ich fühle mich als Kärntnerin …
Woman: … hat die Kärntnerin Karin Miklautsch es jetzt allen gezeigt?
Miklautsch: Ich habe von vornherein gewusst, dass ich einiges kann. Aber ich habe auch verstanden, dass man mir mit einem Misstrauensvorsprung begegnet.
Woman: Warum? Erwartet nicht alle Neo-Politiker erst einmal eine Schonfrist?
Miklautsch: Mich hat doch niemand gekannt. Und vielleicht ist das auch so, wenn man in Wien Kärntnerisch spricht, dass man gleich einmal als unterqualifiziert eingestuft wird.
Woman: Haben Sie eine dicke Haut?
Miklautsch: Ja, schon. Mit sachlichen Angriffen kann ich gut umgehen. Aber am Anfang ging’s um meine Person, meine Haare, meine Sprache …
Woman: In Ihrem Ministerium gibt es ausschließlich männliche Sektionschefs. Wie ist das atmosphärisch?
Miklautsch: Sehr angenehm. Das sind lauter Gentlemen. Ich komme mit allen sehr gut aus.
Woman: Arbeiten Sie lieber mit Männern oder Frauen?
Miklautsch: Das ist mir ganz egal.
Woman: Sie haben unlängst mit der weiblichen Besetzung von zwei Top-Positionen überrascht. Nun müssen Sie ja an sich bis zur Quotenerfüllung von 40 Prozent Frauen bei gleicher Qualifikation vorziehen.
Miklautsch: In diesen beiden Fällen war es eine ganz klare Entscheidung. Das sind keine Quotenfrauen, sie passen je-weils perfekt für den Posten. Mir geht es ausschließlich um die Qualität der Arbeit.
Woman: Was hat sich hier im Ministerium geändert, seit es mit weiblicher Hand geführt wird?
Miklautsch: Mein Eindruck ist, dass mehr gelacht wird. Jedenfalls reden wir Frauen viel mehr. Ich bin sowieso ein kommunikativer Typ. Ich sitze nicht auf Informationen, nur damit ich mir mächtiger vorkomme.

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