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Kind & Karriere: "Wer sagt, es ist einfach, lügt."

Manche Frauen haben offenbar einfach mehr Power als andere. Sie sind beruflich erfolgreich und haben trotzdem Kinder bekommen. Eine davon ist Katha. Wir wollten von ihr wissen: Wie schafft man es Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen?

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Kind und Karriere - Katha Schinkinger

Katha (37) ist Mama von vier Kindern und leitet eine Kommunikationsagentur.

© Katha Schinkinger

Man hat studiert oder die Ausbildung abgeschlossen, einen tollen Job gefunden und macht endlich Karriere. Ende Zwanzig kommt dann aber die Frage auf: Will ich einmal Kinder? Die meisten Frauen wollen. Doch schafft man das überhaupt? Oder bedeutet ein Kind automatisch das Karriere-Aus? Schaut man sich Frauen wie Katha Schinkinger an, wächst die Hoffnung. Sie hat beides: Kind und Karriere. Oder besser gesagt VIER Kinder (Sohn 14, Zwillinge 10, Tochter 1) und Karriere. Obendrein hat die 37-Jährige eine Bombenfigur und engagiert sich nebenher für das Flüchtlings-Sozialprojekt "Refugees Welcome to Austria". Die Frau ist perfekt! So erscheint es einem zumindest auf Facebook. Wie ist das möglich? Warum bekommt Katha alles unter einen Hut? Und warum sind andere schon bei nur einem Kind überfordert? Wir haben die Wienerin um ein Gespräch gebeten, um ihr Erfolgsgeheimnis zu lüften.

»"Mein Leben ist alles andere als perfekt!"«

WOMAN: Katha, du hast vier Kinder und leitest erfolgreich eine Kommunikationsagentur. Wie schaffst du das?
Katha: Erfolg ist eine Definitionssache. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Ich hatte immer Hilfe. Als ich meinen ersten Sohn mit 23 Jahren bekam, habe ich berufsbegleitend studiert. Mein damaliger Mann und ich haben uns 50:50 bei der Betreuung des Kindes aufgeteilt. Dann kamen die Zwillinge. Drei kleine Kinder ohne Unterstützung zu betreuen, wäre für mich unmöglich gewesen. Also holten wir ein Aupair-Mädchen, die 25 Stunden pro Woche bei uns geholfen hat. Und so ist es auch jetzt: Ich kann nur deswegen arbeiten gehen, weil ich eine Babysitterin habe, die uns mit unserer 1-jährigen Tochter hilft. Es ist wichtig, dass dies die Leute verstehen: Ich kann arbeiten gehen, weil wir uns Betreuung leisten können.

Katha Schinkinger im Talk: Kind und Karriere
Katha und "die Chefin", wie sie ihre 1-jährige Tochter nennt

WOMAN: Wie lange warst du in Karenz?
Katha: Nach den Zwillingen war ich 1,5 Jahre daheim. Der älteste Sohn war da gerade vier Jahre alt. Das waren drei kleine Kinder, die betreut werden mussten. Bei der Kleinsten, die letztes Jahr auf die Welt gekommen ist, bin ich wegen Personalmangel sofort zurück ins Büro, habe dann aber nach ein paar Wochen aufgegeben. Die Babysitterin hat mir die Kleine eine Zeit lang ins Office gebracht, ich habe sie gestillt und dann weiter gearbeitet. Irgendwie hat uns das aber alle überfordert, also bin ich wieder zurück nach Hause. Das war die beste Entscheidung für die ganze Familie. Nun ist meine einjährige Karenz vorbei und ich arbeite wieder Teilzeit.

»Wer postet schon Bilder von sich mit Augenringen, ungewaschenen Haaren oder den Saustall zu Hause? «

WOMAN: Für viele junge Frauen bist du wohl so eine Art Vorbild. Die Frau, die das perfekte Leben hat mit Traumjob, Traummann und Traumkinder. Sag uns bitte, dass dein Leben nicht perfekt ist.
Katha (lacht): Mein Leben ist nicht perfekt. Nein, im ernst! Mein Leben ist überhaupt nicht perfekt. Alles, was man von mir auf Facebook sieht, wirkt vielleicht perfekt, aber das ist eben diese unechte Social-Media-Blase. Wer postet schon Bilder von sich mit Augenringen, ungewaschenen Haaren oder den Saustall zu Hause? Und glaub mir, ich habe seit Monaten keinen Sport mehr gemacht... ich bin froh, dass es Make-up gibt, das ich mir ins Gesicht klatschen kann, damit ich wie ein Mensch aussehe (lacht).

WOMAN: Aber gut organisiert bist du schon, oder?
Katha: Klar, wir haben uns gut eingerichtet ABER es ist nicht wahr, dass man allein durch Organisation Haushalt, Kinder und Job auf die Reihe bekommen kann. Die Wahrheit ist vielschichtiger. Mein Partner und ich sind privilegiert, weil wir uns eine Nanny leisten können. Die kommt momentan 20 Stunden pro Woche oder auch mehr. Mein Mann arbeitet mehr als 50 Stunden die Woche und wir haben kaum Zeit für uns. Alles andere als perfekt also!

Katha Schinkinger im Talk: Kind und Karriere
Voll bepackt mit tausend Sachen - so sieht auch ihr Terminkalender aus!

WOMAN: Gab es Momente, in denen du es bereut hast Kinder bekommen zu haben?
Dass ich Kinder bekommen habe, habe ich nie bereut. In schwachen Momenten bereue ich vielleicht auch unser Rollenmodell. Aber mir war immer klar, dass ich Kinder haben will.

WOMAN: Was genau bereust du an eurem gewählten Rollenmodell?
Katha: Naja, ursprünglich wollte auch mein Partner in Karenz gehen, aber das ging sich nicht aus. Also bin ich die gesamte Karenzzeit zuhause geblieben. In dieser Phase ist jede Frau, die in Karenz ist, auch finanziell vom Partner, der arbeiten geht, abhängig. Das ist nicht immer leicht, da man zwei total unterschiedliche Leben führt. Er war draußen und hatte die große finanzielle Verantwortung für seine Familie, während ich daheim die hauptsächliche Erziehung der Kinder und Haushalt übernahm. Deswegen habe ich auch versucht eine Zeit lang, trotz Säugling, zu arbeiten.

WOMAN: Was hältst du von Frauen, die 14 Tage nach der Geburt wieder ins Büro zurückkehren?
Katha: Ich verstehe und respektiere sie. Wir sollten damit aufhören untereinander ein "Shaming" zu betreiben. Die Gegebenheiten sind bei jeder Person anders und es steht uns nicht zu jemanden einfach zu verurteilen. Wenn man ein gutes Netzwerk hat und sich körperlich genesen fühlt, darf man auch nach zwei Wochen wieder arbeiten gehen. Ich persönlich habe das mit vier Kindern nie geschafft und auch nicht gewollt.

Katha, seit 3 Tagen wach. "Es war der Horror", sagt sie.

WOMAN: Glaubst du das hat Auswirkungen auf das Kind?
Katha: Zumindest glaube ich nicht, dass das Kind darunter leidet. Fragen wie „Warum bekommt sie überhaupt ein Kind, wenn sie gleich wieder arbeiten geht“ sind eine Frechheit. Ich habe außerdem noch nie erlebt, dass man einem Mann diese Frage stellt. Meistens stellt man diese Frage nur Frauen. Dieses "Mother-Shaming" hat wahrscheinlich mit unserer typischen Rollenverteilung zu tun. Schaut man sich in skandinavischen Ländern um, sieht das ganz anders aus. Dort ist es durchaus normal, dass Mütter sehr früh wieder arbeiten gehen. Und man darf nicht vergessen, dass es in manchen Positionen ganz einfach unmöglich ist monatelang dem Job fern zu bleiben.

WOMAN: Wann ist der perfekte Zeitpunkt, um Kinder zu kriegen?
Katha: Eine wahnsinnig schwierige Frage für Frauen heutzutage. Ich würde aber antworten: Den gibt es nicht. Ich bin froh, dass es bei mir immer gepasst hat, ohne viel nachzudenken. Einmal war ich 23 und Studentin, einmal war ich 37, bereits dreifache Mutter und voll im Berufsleben und ich kenne die Antwort trotzdem nicht...

WOMAN: Hattest du jemals Angst, dass die Kinder dich an deinem beruflichen Fortkommen hindern könnten?
Katha: Anfang 20 habe ich mir diese Frage tatsächlich nie gestellt. Mittlerweile ist das anders. Mit der Kleinen, die letztes Jahr geboren wurde, habe ich mir schon überlegt, ob ich das Baby mit Job und Karriere vereinbaren kann. Aber hier sind mein Mann und ich eben sehr flexibel, da wir unsere Arbeitszeiten einteilen können. Normale Angestellte brauchen natürlich viel Verständnis vom Arbeitgeber, das gilt für Vater und Mutter. Wenn das Kind krank ist, wenn es einen Notfall gibt, muss man einfach spontan ein Kind abholen können. Bei uns im Unternehmen ist das kein Problem, das ist der Vorteil.

»Überfordert ist JEDE Mutter. Ob sie nun ein Kind hat oder vier.«

WOMAN: Würdest du rückblickend etwas anders machen?
Katha: Das ist eine gute Frage... Vielleicht würde ich diesmal früher Hilfe suchen und annehmen. Immer sagen „Das schaffe ich schon selber“ und kämpfen muss nicht sein. Ob das nun die Freundin ist, die kurz vorbeikommt und du dich bei ihr ausheulst oder wenn man nur kurz telefoniert, das ist oft schon Hilfe genug für eine Mutter. Es ist wichtig ein Netzwerk zu bilden. Sich mit anderen Müttern absprechen, wer die Kinder abholt oder wer aufpasst. Und eines kann man mir glauben: Überfordert ist JEDE Mutter. Ob sie nun ein Kind hat oder vier.

WOMAN: Welche Unterstützung würdest du dir von Seiten des Staates wünschen?
Katha: Nach der Karenzzeit geht das Thema Betreuung des Kindes los. Ich weiß von uns und anderen Familien, dass dieses Thema immer wieder Druck und Probleme macht. Warum? Weil die Öffnungszeiten der Betreuungsstätten lächerlich sind. Ein Hort, der um 17.30 Uhr (und das ist das allerspätestens) sperrt, der kommt für Eltern, die länger arbeiten müssen, schon einmal nicht in Frage. Außerdem ist es wirklich schwierig Betreuungsstätten für Kinder unter 3 Jahre zu finden. Sobald man schwanger ist, kann man schon anfangen zu suchen und muss sich anmelden, damit man überhaupt einen Platz bekommt. Das ist in Wien aber noch einfacher, als am Land. Grundsätzlich bin ich Befürworterin der Ganztagsbetreuung- und auch Schule, denn so bleibt mehr "Quality Time" zuhause. Dann muss ich mit meinen Kinder abends nicht lernen, sondern kann Dinge machen, die uns Spaß machen. Das wäre wünschenswert!

WOMAN: Zusammengefasst: Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit man Kind und Karriere vereinbaren kann?
Katha: In erster Linie sind es finanzielle Rahmenbedingungen, die es mir ermöglichen, dass jemand mein Kind betreut. Sei es ein Kindergarten, der länger auf hat oder eine Nanny, die mich unterstützt. Das Netzwerk aus Freunden und anderen Eltern ist auch wesentlich. Wichtig ist, dass man sich niemals mit anderen Müttern vergleicht und sich unter Druck setzen lässt. Niemand ist perfekt. Wer sagt, es ist einfach, der lügt!

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