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Kindesmissbrauch: Die Männer tragen Kutte und Kreuz

Eva N., 43, ist eine kämpferische und resolute Frau. Doch damals, als die Augen ihres Buben aufhörten zu leuchten und sein Mund das Lächeln verlernte, haben ihr diese Fähigkeiten wenig genützt. „Mein Sohn Manuel wurde in einer Klosterschule (Ort der Redaktion bekannt) von einem Erzieher und Ordensleuten vergewaltigt. Und dabei fotografiert. Obwohl ich für die Glaubwürdigkeit meines Kindes wie eine Löwin kämpfte, kamen die Täter ungeschoren davon.“


Kindesmissbrauch: Die Männer tragen Kutte und Kreuz
© Rauch

Das alles ist viele Jahre her. Was blieb, sind Wunden, die nie verheilt sind: „Manuel ist heute erwachsen und ein vom Leben zerstörter Mensch“, sagt seine Mutter.

Hölle auf Erden. Jetzt, da Mutter und Sohn fast tagtäglich in den Medien über den Sexskandal im Priesterseminar St. Pölten lesen müssen und in diesem Zusammenhang auch immer wieder der „Fall Groër“ erwähnt wird, werden die beiden mit ihren eigenen traurigen Erinnerungen konfrontiert. Denn dort, wo Manuel getreu den göttlichen Geboten auf das Leben hätte vorbereitet werden sollen, hat er die Hölle auf Erden erlebt. Gottlose Drohungen und sexuellen Missbrauch in vielen Fällen. Was Manuel über seine Internatszeit hinter Klostermauern erzählte, offenbarte ein erschütterndes Sittenbild. Dazu seine Mutter: „Jetzt kommt alles wieder in uns hoch. Es tut so weh, vor allem weil uns nicht geglaubt oder, einfacher gesagt, nicht geglaubt werden wollte …“

Obwohl zwei Kinderpsychiater dem damals Elfjährigen die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen attestierten, schmetterte die Staatsanwaltschaft die Anklage nieder. „Wir standen einer mächtigen Gegnerschaft von Vertuschern und Seilschaften gegenüber“, sagt Eva N. Die entrüstete Mutter: „Von der damaligen Schulleitung wurde mir sogar Geld angeboten, ich habe abgelehnt, weil ich Gerechtigkeit wollte.“ Doch dort, wo die christliche Nächstenliebe gelebt werden sollte, fand sie diese Gerechtigkeit nie. Auch nicht in der Justiz. Die Staatsanwälte waren in diesem Fall so zauderhaft, als müssten sie ihre eigenen Väter unter Anklage stellen. „Warum wohl wurden die Verdächtigen erst ein halbes Jahr nach der Anzeige vom Gericht verhört?“, versteht das die Frau bis heute nicht. Und immer wieder stellt sie sich die Frage, warum eine von der Kriminalpolizei dringend empfohlene Hausdurchsuchung – „Verdunkelungsgefahr!“ – im Kloster erst vier Jahre später stattfand. „Natürlich wurde da kein belastendes Fotomaterial mehr gefunden“, kommt es bitter über ihre Lippen. Der Frau fällt es sichtlich schwer, noch einmal von jener Zeit zu reden, als sie merkte, dass sich ihr Sohn immer mehr in sich zurückzog, immer stiller wurde, sie ihn eines Tages im Badezimmer erwischte, als er gerade Tabletten schlucken wollte, um zu sterben …

Manuels Leidensweg. Es war der Tag im Juni 1993, als sich Manuels Augen mit Tränen füllten und er seiner entsetzten Mutter gestand, dass „in unserer Schule furchtbare Dinge passieren“. Und endlich erzählte er, was er die letzten Monate durchmachen musste. Dass er zehn Monate zuvor zum ersten Mal in das Zimmer eines Erziehers befohlen wurde und dass er sich dort unter Drohungen nackt ausziehen musste. Auch der Erzieher sei nackt gewesen. Eva N.: „Was ich da zu hören bekam, konnte ich anfangs gar nicht fassen. Der Manuel erzählte, wie ihn dieser Mensch zuerst zwang, ‚nur‘ sein Glied zu reiben. Kurz darauf wusste ich, dass mein Kind auch von ihm vergewaltigt wurde, dass in den Wochen darauf immer mehr Männer im bewussten Zimmer zusammenkamen.“ Eva N. wird wütend, wenn sie daran denkt, wie sehr sie und ihr Kind gedemütigt wurden.

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