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Ladyboss im Möbelhaus

Top. Sie ist Mutter eines zehnjährigen Sohnes und schon bald neue Chefin von IKEA Österreich: Helen Duphorns ungewöhnliche Erfolgsstory.


Ladyboss im Möbelhaus
© Susanne Stemmer

In ihrem neuen Haus in Klosterneuburg stapeln sich Kisten und Kartons. Neben allerlei internationalem Mobiliar aus Indien und Frankreich müssen jetzt erst einmal „Billy“ und „Pax“ in Position geschoben werden. Dann wird Helen Duphorn, 43, designierte Chefin von IKEA Österreich und zuletzt Vizelandesmanagerin des schwedischen Möbelhauses in Frankreich, vorerst nur in ihrem privaten Domizil heimelig sein.
Im Jänner 2006 wird die gebürtige Schwedin dann das Chefbüro von Noch-IKEA-Boss Urs Meier in Vösendorf bei Wien beziehen. Der wird sich als neuer Vize-manager von IKEA UK Richtung England verabschieden und im Königreich eine Turbo-Expansion vorantreiben. Ihre 2.100 Mitarbeiter wird Duphorn in englischer Sprache führen. Abgesehen vom Führungswechsel an der Spitze läuft derzeit auch eine Personaloffensive: Personalberatungen wurden beauftragt, 25 Führungskräfte zu rekrutieren – gern Frauen, hört man.
Der Noch-IKEA-Chef ist schwer begeistert von seiner Nachfolgerin: „Helen ist nicht nur im Umgang mit Menschen grandios, sondern hat auch den nötigen Biss, um Dinge durchzusetzen. Zudem hat sie hervorragende Kompetenzen im Einzelhandel.“ Außerdem genießt die herzliche Schwedin, die sich selbst als offen, fröhlich, bestimmt und fordernd beschreibt, sozusagen einen „Heimvorteil“ innerhalb des Konzerns: Ihre schwedischen Wurzeln werden ihr zugute kommen.

Von der Politik ins Business. Nach Duphorns ursprünglichen Karriereambitionen aber hätte alles anders kommen sollen: Schon im Kindesalter wollte die Tochter südschwedischer Eltern den Anwaltsberuf ergreifen. Doch nach kurzer Zeit in den Hörsälen der Stockholmer Uni merkte sie, „dass ich viel lieber mit Menschen arbeiten wollte“. Der Uni blieb sie vorerst treu und stieg ins Berufsleben als Studentenvertreterin ein, bis sie sich in der „Moderate Party“ für Gleichberechtigungsfragen engagierte. Ihr Ziel: „Mehr Frauen in die Politik zu bringen.“

Training on the Job. Nachdem sie in der Politik Erfahrungen über wichtige Entscheidungsprozesse gesammelt hatte, stieg sie 1989 beim zweitgrößten schwedischen Textilhersteller KappAhl als Trainings- und Development-Manager in der Personalentwicklung ein, „wo ich mein Interesse für den Einzelhandel entdeckte“. In den folgenden drei Jahren konnte sie viele Bereiche des Unternehmens kennen lernen, ging voll auf in ihrem Job und qualifizierte sich, stets umsichtig und zielstrebig, sukzessive für ihren nächsten Karriereschritt: Sie wurde zur Regionalmanagerin von KappAhl für Finnland bestellt. Damit begann ihr „Nomadenleben“, das sie so liebte. „Ich wollte schon immer die Welt erkunden“, strahlt sie überzeugt.

Jobnomadin & Mutter. Dann ging alles schnell. Und die Karrieremaschine war bald nicht mehr zu stoppen. Schon 1995 sollte Helen für KappAhl ein Einkaufsbüro in Indien eröffnen – ausgerechnet, als sie von ihrem Ehemann Björn, einem Regionalpolitiker, schwanger war. Doch der stand voll hinter seiner Frau. „Er hatte schon viele Berufsjahre hinter sich und war bereit für neue Aufgaben.“ Also ließ er sich im Alter von 54 Jahren frühpensionieren und nahm einen neuen Job als „Familien- und Haushaltsmanager“ an, dem er bis heute freudig nachgeht. Helen indes arbeitete satte 14 Stunden am Tag. „Zum Glück“, resümiert sie, „befand sich unsere Wohnung im selben Haus wie das Büro. So konnte ich zwischendurch nach der Familie sehen.“ Rollenkonflikte gab es im Hause Duphorn nie. Denn, so Helen: „Ein Kind braucht Eltern, aber nicht zwangsläufig die Mutter.“ Die nordischen Völker zeigen’s wieder einmal vor.

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