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Machen wir unsere Kinder unglücklich? WOMAN bat zum großen Mütter-Talk.

Wenn Mariechen Bauchweh hat, Klein Martin dem noch kleineren Heinrich eine über die Rübe zieht oder Michael die Schule schwänzt – schuld daran ist immer die Mutter. Sie hat das Kind zu sehr oder zu wenig verwöhnt, sie hat ihm zu viel oder kaum Freiheiten gelassen, es zu sehr bemuttert oder zu wenig. Kurzum: Egal, was eine Mutter tut – es ist immer das Falsche.


Machen wir unsere Kinder unglücklich? WOMAN bat zum großen Mütter-Talk.

So sieht das auch der Psychologe Louis Schützenhöfer, der eben unter dem provokanten Titel „In aller Liebe – wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen“ ein Buch veröffentlicht hat. Laut einer Untersuchung Schützenhöfers leiden 40 Prozent aller Kinder – egal wie alt sie sind – unter einer belastenden Mutterbeziehung. „In aller Liebe“, so der Autor, „ist aber kein Buch gegen Mütter, sondern eines für Töchter und Söhne. Damit sie den Mechanismus der eigenen problematischen Mutterbeziehung begreifen – und sich davon lösen können.“
WOMAN hat für Sie die vier Muttertypen aus dem Buch zusammengefasst. Anhand dieser Typisierung können Sie erkennen, welches Problem Sie als Tochter mit Ihrer Mutter haben, aber auch, wie Sie es lösen können. Und: Welcher Typ Mutter Sie selbst sind!

Die Machtmutter
Sie haben das Bedürfnis, Macht und Kontrolle auszuüben, oft unter dem Vorwand, „nur das Beste“ für Ihr Kind zu wollen. Allerdings bestimmen Sie allein, was das Beste ist. Sie setzen stets Ihren Willen durch, nehmen Ihrem Kind alle Entscheidungen ab und sind sparsam mit Lob für gelungene Handlungen. Intimsphäre des Kindes lassen Sie kaum zu.
Die Folgen für Ihr Kind: Mangelndes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sowie fehlende Fähigkeiten zur Durchsetzung und Selbstbehauptung.
Die Lösung: Helfen Sie Ihrem Kind wieder zu lernen, das zu sagen, was es wirklich möchte. Versuchen Sie Ihr Kind mit all seinen Bedürfnissen wahrzunehmen, und lassen Sie ihm mehr Raum für eigenständige Entscheidungen. Und: Es muss nicht immer alles wie am Schnürchen laufen. Perfektion ist nicht Bedingung für Liebe zwischen Mutter und Kind – auf keiner Seite.

Die Opfermutter
Sie produzieren ständig Schuldgefühle, ausgelöst durch bestimmte Verhaltensweisen: Krankheit oder Leiden, Androhen des Verlassens, Aufopferung für die Kinder. Diese Verhaltensweisen deuten oft auf Defizite in der eigenen Kindheit hin
Die Folgen für Ihr Kind: Verlorene Kindheit, nur schwer regulierbares Naheverhältnis zwischen Mutter und Kind und Verlassensängste in der späteren Partnerschaft.
Die Lösung: Reden Sie mit Ihrem Kind – sofern dies sein Alter schon zulässt –, wie die gemeinsame Lösung Ihres Problems aussehen könnte.
Vereinbaren Sie bestimmte Regeln, legen Sie den für beide akzeptablen Freiraum fest. Damit würde das Verhalten Ihres Kindes nicht mehr mit Ihrem gekoppelt sein. Die Voraussetzung dafür: Sie dürfen ab sofort keine Opfersignale mehr aussenden. So wird auch Ihr Kind nicht mehr nur handeln, um sein schlechtes Gewissen zu besänftigen. Holen Sie sich unbedingt therapeutischen Rat!

Narzisstische Mutter
Sie haben ein inneres Bild von Ihrem Kind, das durch gezielte Forderungen realisiert werden soll – gleichgültig, ob es dem Wesen Ihres Kindes entspricht oder nicht: Das Kind soll so sein, wie Sie es sich ausmalen. Sie erleben Ihr Kind nicht als eigenständige Persönlichkeit, sondern als Teil Ihrer Person. Diese Verhaltensweise deutet darauf hin, dass Sie selbst als Kind nicht angenommen wurden, wie Sie waren.
Die Folgen für Ihr Kind: Ausbruchsversuche, Rückzug nach innen, spätere Beziehungsprobleme, Suche nach dem Selbst.
Die Lösung: Helfen Sie Ihrem Kind, sein „eigenes Ich“ zu entwickeln, und nehmen Sie es liebevoll an. Zeigen Sie Verständnis, wenn Ihr Kind Ihre Ansprüche in aller Liebe und Entschiedenheit zurückweist. Familienaufstellungen können da helfen. Und: Belohnen Sie sich selbst für jede Handlung, die Sie im Sinne des „Neuen Ich“ Ihres Kindes akzeptiert haben.

Die lieblose Mutter
Es fällt Ihnen unendlich schwer, Liebe in Worten, Gesten und Handlungen auszudrücken. Sie sind eine perfekte Mutter, was all die alltäglichen Bedürfnisse Ihrer Kinder anbelangt: Ernährung, Ausbildung, Gesundheit. Aber wenn es um Halten und Gehaltenwerden geht, um Zeichen der Zuneigung, verschließen Sie sich.
Die Folgen für Ihr Kind: Gestörte Beziehung zu anderen Kindern, kein Vertrauen in Gefühle, ausgeprägte Gefallsucht.
Die Lösung: Der schwierigste Fall, denn Ihr Kind muss akzeptieren, dass Sie Gefühle schlecht zeigen können. Auch Sie sollten unbedingt therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Gestalttherapie und Hypnotherapie können helfen. Lehren Sie Ihr Kind, sich selbst zu lieben und zu erkennen, dass es liebenswert ist. Und lassen Sie langsam selbst mehr Gefühle zu. Denn: Jedes Kind hat ein Recht auf Mutterliebe.

Die ganze Story und das Ergebnis unseres "Round Tables" lesen Sie in der neuen WOMAN