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Mommy Makeover: Nach dem Baby eine Beauty-OP?

Ein Trend aus den USA schwappt nun auch zu uns herüber: das Mommy Makeover. Junge Mütter lassen sich nach der Geburt vom Beauty-Doc helfen. Supermodels machen es vor. Doch wie bedenklich sind solche Eingriffe? Wir haben nachgefragt.

von

Alessandra Ambrosio

Am 7. Mai 2012 bekam Victoria's Secret-Engel Alessandra Ambrosio ihr zweites Kind. Sechs Monate später stand sie wieder auf dem Laufsteg - mit sensationellen Bauchmuskeln.

© Getty Images

Ein makelloser Körper ist das Kapital von Supermodels. Verändert er sich durch eine Schwangerschaft, kann das sogar das Karriere-Aus bedeuten. Kein Wunder also, dass viele Models ganz gezielt wenige Wochen nach der Geburt ihre schon wieder makellose Figur präsentieren. Ganz nach dem Motto: "Hallo, ich bin wieder da! Und ich bin genauso perfekt wie vorher!"

Aktuellstes Beispiel ist Victoria's Secret-Engel Candice Swanepoel. Sie pausiert zwar heuer bei der großen Dessous-Show, aber ihr Körper ist sechs Wochen nach der Geburt schon wieder voll straff. Auch Supermodel Alessandra Ambrosio, George Clooneys Ex Elisabetta Canalis oder das englische Dessous-Model Abbey Clancy führten bereits wenige Wochen nach der Entbindung ihre perfekten Körper vor.

Ganz im Sinne eines Trends, der in den USA schon eine Weile in ist und gerade zu uns herüberschwappt: das "Mommy Makeover". Ein Sammelbegriff für jene ästhetischen Eingriffe, die den Körper wieder so aussehen lassen sollen, wie vor der Schwangerschaft.

Die gängigsten sind: Straffung von Busen, Bauchdecke und Oberschenkel - auch um Schwangerschaftsstreifen loszuwerden - sowie Fettabsaugung. Die Eingriffe können im Zuge der Geburt oder gleich im Anschluss daran durchgeführt werden oder bis zu einem Jahr später. Einzeln oder als Gesamtpaket.

Und obwohl es nachvollziehbar ist, dass junge Mütter nach einer oder mehreren Schwangerschaften mit den Veränderungen ihres Körpers nicht immer glücklich sind, sehen viele die aktuelle Entwicklung kritisch. Auch Ärztinnen und Ärzte selbst. Wir fragten zwei Mediziner, was hinter dem Trend steckt, wo die Gefahren liegen und was sie Müttern, die mit ihren Formen unzufrieden sind, empfehlen.

"In den USA sind Schönheitseingriffe nach der Geburt sehr verbreitet, vielen kann es gar nicht schnell genug gehen. Da steckt auch viel Marketing dahinter, das durch die Stars und ihre makellosen Post-Baby-Bodies befeuert wird", weiß etwa der Plastische Chirurg Dr. Ali Saalabian, Spezialist für Körperformung im Wiener Ärztezentrum für Ästhetische Medizin Kuzbari. "Das geht so weit, dass sich manche im Zuge eines Kaiserschnitts die Bauchdecke straffen lassen. Das ist aber eine Praxis, von der ich dringend abrate, die Risiken sind unnötig hoch.

So ein Eingriff bedeutet zusätzlichen Stress für den Körper in einer Zeit, wo er ohnehin schon durch besondere Umstände und hormonelle Veränderungen belastet ist. Eine Mutter kann dann auch ihr Baby nicht halten, sie muss sich ja mindestens zwei Wochen lang schonen. Ich bin mir auch sicher, dass das Ergebnis viel schöner wird, wenn man die natürliche Rückbildungsphase abwartet."

Und auch der Plastische Chirurg Dr. Jörg Knabl sieht das ähnlich: "Eine Schwangerschaft dauert nun einmal neun Monate, so lange verändert sich der Körper auch. Danach benötigt er Zeit, wieder in seine Normalform zu kommen. Klar, eine Bauchstraffung bei Kaiserschnitt ist möglich, wenn jemand sehr schlank ist und man gut abschätzen kann, wie sich der Körper weiter entwickeln wird. Ich rate aber dringend davon ab. Nach einer Geburt sollten Mutter und Kind im Vordergrund stehen, nicht die Erholung von einem großen operativen Eingriff."

Zeit geben.

Nun ist es aber eine Tatsache, dass Schwangerschaften der Figur nicht unbedingt guttun. Je nach Gewebebeschaffenheit zieht sich die Haut besser oder schlechter wieder zusammen. Die Gewichtsveränderung hinterlässt ihre Spuren. Und nach dem Stillen sind die Brüste oft kleiner und fast immer schlaffer als zuvor.

Will eine Mutter das ändern, ist das eine legitime Entscheidung. Aber: "Ich empfehle etwa ein Jahr nach der Geburt abzuwarten, bevor man operative Schritte setzt", betont Saalabian. "Dann kann man realistisch beurteilen, was sich verändert hat und wie man damit zufrieden ist.

Auch der Busen regeneriert sich nach dem Abstillen. Man sollte auch hier dem Gewebe zumindest drei bis sechs Monate Zeit geben." Und er empfiehlt Rückbildungsgymnastik und Sport als unabdinglich auf dem Weg zum schönen Körper.

Knabl rät außerdem, schon während der Schwangerschaft unnötige Extrakilo zu vermeiden und gibt zu bedenken: "Der Kinderwunsch sollte abgeschlossen sein, bevor man einen operativen Eingriff machen lässt. Eine Schwangerschaft ist auch nach einer Bauchdeckenstraffung ungefährlich, aber die Haut bleibt natürlich nicht so. Dann wäre eine zweite Operation nötig."

Was ist machbar?

Doch ist es überhaupt möglich, den Körper wieder so aussehen zu lassen wie vor einem Kind? Das sei individuell ganz verschieden und würde stark vom Gewebe abhängen, meint Chirurg Saalabian: "Manchmal kann man sich nur annähern an die ursprüngliche Form. Doch oft wird es sogar besser aussehen als vorher, wenn man etwa mit Fettabsaugung den Körper gezielt form. Durch die hormonelle Veränderung kann sich an Stellen, die zuvor nicht betroffen waren, Fett einlagern, das auch durch viel Training nicht weggeht. Eine Straffung ergibt hier keinen Sinn. Aber mit besonderen Kanülen kann man da gut absaugen. Die Einstiche hinterlassen keine Narben und fördern sogar die Geweberegeneration."

Viele Frauen haben auch Narbenschmerzen nach Kaiserschnitten. Das kann schon mit einem kleinen Eingriff korrigiert werden. Und Plastiker Knabl weiß: "Die häufigsten Eingriffe sind Straffungen, von Brüsten und Bauch, aber auch den Oberschenkeln. Bei schlechtem Bindegewebe kann die Haut da wirklich hängen, sieht oft großflächig zerrissen aus."

Billig ist das natürlich nicht. Je nach Eingriffsgröße beginnt eine Fettabsaugung bei € 1.800,-, Bauchstraffungen kosten ab € 5.000,-, Brust-OPs ab € 6.000,-. Und natürlich stellt jede Operation eine Belastung dar, vor allem mit einem Kleinkind, das Betreuung braucht.

Alles nur geschummelt?

Im Übrigen dürfte auch bei Supermodels und Schauspielerinnen nicht alles so perfekt sein, wie es scheint. Manche lassen ihre Babys bis zu sechs Wochen vor der Zeit per Kaiserschnitt ans Licht der Welt holen, damit sie die Gewebedehnung durch den letzten großen Wachstumsschub vermeiden. "Too posh to push", "zu schick zum Pressen" wird das genannt.

Alessandra Ambrosio hat das angeblich gemacht, ebenso ihre Kollegin Miranda Kerr sowie die Schauspielerinnen Nicole Kidman und Angelina Jolie. Öffentlich gesprochen wird darüber natürlich nicht, ob es stimmt, bleibt also Spekulation.

Und auch bei Fotos und Laufsteg-Auftritten wird ziemlich viel getrickst: "Die Schummeleien reichen von simplen Fotomontagen und Bildbearbeitung bis hin zu Klebebändern, die am Rücken fixiert sind und so Bauch und Brust straffen", weiß Dr. Saalabian.

Bauchmuskeln für Fotoshootings etwa werden mit Make-up herausgearbeitet. Und Chirurg Knabl gibt zu bedenken: "Diese Personen wissen, dass die gesamte Presse auf ihren Körper schaut. Aber der Aufwand und der Stress, der hinter dem perfekten Aussehen stecken, müssen enorm sein. Ob Modelmütter stillen, ist auch fraglich. Und ich bin überzeugt, dass so manche dem Traumkörper auch mit einer Operation nachhilft." Das Fazit kann jedenfalls nur sein, sich als junge Mami keinen Druck machen zu lassen. Wenn etwas wirklich nachhaltig stört, Vor- und Nachteile in Ruhe abwägen.

Zwei Tage vor der Geburt postete das Supermodel Vandice Swanepoel ein Foto seines riesigen Bauches auf Instagram. Jetzt ist Söhnchen Anaca sechs Wochen alt und der Bauch von Mama Candice schon wieder ganz flach und glatt. Auf dem Laufsteg pausiert sie aber heuer.