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Naturmedizin: Die Kraft der Bienen

Bienenprodukte wie Honig, Propolis oder Gelée Royale haben stark heilende Wirkung. Wissenschaftlich wird dazu intensiv geforscht. Was der klebrig-gelbe, dickflüssige Saft alles kann.

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Naturmedizin: Die Kraft der Bienen
© nicholashan/iStock/Thinkstock

Sucht man die deutsche Heilpraktikerin Rosemarie Bort für eine Honigmassage auf, erlebt man tiefenwirksame Entschlackung und Entgiftung. Mit einer speziellen Saug-Pumptechnik und hochwertigstem Honig saugt sie quasi die Giftstoffe aus dem Körper. Deutlich sichtbar ist das an der klebrigen Masse, die zurückbleibt. Der Ursprung dieser Honigmassage liegt in Russland, sie wirkt bei Schmerzen im Bewegungsapparat sowie bei Verspannungen, erklärt die Bienen-Fachfrau, die sich der Apitherapie (das Wissen um die medizinische Verwendung der Bienenprodukte) verschrieben hat (mediapis.net). In Österreich bieten einige Wellnesshotels solche Honigmassagen an, wie das Tiroler Biohotel Leutascherhof (leutascherhof.at), der Ötztaler Aquadome (aqua-dome.at) oder auch der Linzer Masseur Dietmar Kalcher (der-masseur.at).

Altes Wissen neu entdeckt. Derzeit gibt es hierzulande nur einige wenige Ärzte, die mit den Methoden der Apitherapie vertraut sind. (Dr. Edmund Blab in Wien, kidsana.at, Dr. Andreas Dabsch in Klosterneuburg, dabsch.at). In anderen Ländern hingegen ist diese jahrtausendealte Heilweise weit verbreitet. Überliefert sind Anwendungen aus der Römerzeit, dem alten China und von Indianervölkern. In der Antike galt Honig als Medizin, zum Süßen war er zu kostbar. In Europa ist die Bienenheilkunde vor allem in östlichen Ländern wie Polen, Rumänien und Russland lebendig, wo es eigene Apitherapiezentren gibt.

Honig heilt. Das Außergewöhnliche am Honig: Er ist ein wahres Allround-Genie. Besonders beeindruckend ist seine Wundheilungskraft, wie Expertin Bort erklärt: "Tiefe Wunden, die nicht heilen wollen, sprechen sehr gut auf Honigbehandlungen an." Wie man den goldenen Saft genau einsetzt, lehrt die Bienen-Fachfrau in Workshops auch in Österreich. (Info: apis-z.at).
Von der Kraft des Honigs überzeugt ist auch die Dermatologin Dr. Barbara Binder. Sie leitet die Dermatologische Gefäßambulanz an der Grazer Universitätsklinik. Dort erzielt man bei chronischen, schlecht oder nicht heilenden Wunden gute Heilerfolge mit dem Bienen-Produkt. Bei diabetischen Wunden, postoperativen Wundheilungsstörungen, nach Verbrennungen und bei Beinulzera, offenen Wunden, die nicht heilen wollen, kommt medizinischer Honig aus der Tube zum Einsatz. "Die Methode ist bei uns mittlerweile etabliert und wird von den Patienten sehr positiv aufgenommen. Der große Vorteil ist, dass es derzeit keine Resistenzen bei der Behandlung mit Honig gibt und er in allen Heilungsphasen verwendet werden kann. Trotzdem gibt es natürlich auch hier keine Erfolgsgarantie", so die Dermatologin. Geduld und Ausdauer ist vor allem bei chronischen Wunden nötig.
Schlussendlich ist das Bienengold auch noch ein hochwertiges Kosmetikum, z.B. bei Hautunreinheiten, für Masken und Cremes.

Vielfältige Anwendungen. Doch Honig ist längst nicht das einzige Wohltuende aus dem Reich der fleißigen Bestäuber. Von Propolis über Drohnenlarvenextrakt, Gelée Royale bis zu Wachs, Bienenluft aus dem Stock und Bienengift - alles wirkt.

Propolis. Das Kittharz, das für den Wabenbau verwendet wird, ist mit seinen mehr als 300 verschiedenen Bestandteilen besonders wertvoll. Die Bienen gewinnen es aus unterschiedlichen Pflanzen. Durch all diese hochwertigen Inhaltsstoffe ist es unter anderem ein natürliches Antibiotikum. Rosemarie Bort wendet Propolis bei den verschiedensten Beschwerden an. "Ich habe sehr gute Erfahrungen bei Candida-Pilzerkrankungen gemacht, bei Mundsoor, der häufig als Folge einer Chemotherapie auftritt, bei Lungenentzündung, Hämorrhoiden oder Nasen-Nebenhöhlenbeschwerden. Auch flache Wunden, wie Hautaufschürfungen bei Kindern, sprechen gut drauf an." Verfügbar ist das Kittharz in verschiedenen Formen: als alkoholische Tinktur, Glyzerin-Lösung, Creme oder Globuli.

Darüber hinaus wird derzeit weltweit intensiv am Potential von Propolis für die biologische Krebstherapie geforscht. Experten aus Lateinamerika, den USA, aber auch Deutschland untersuchen seine Wirksamkeit bei Prostatakrebs, Brustkrebs sowie Leukämie. Einer von ihnen ist der Lebensmittelchemiker Andreas Daugsch, der von einer auffallenden Tatsache berichtet: "Durchschnittlich erkrankt jeder dritte bis vierte Mensch an Krebs. Bei den Imkern ist es interessanterweise nur einer von 3000." Diese Erkenntnis birgt extrem viel Potenzial in sich, ist er überzeugt.

Gelée Royale. Auch die Nahrung der Bienenkönigin ist ein wichtiger Stoff in der Apitherapie. Dieses Gelee wird in speziellen Drüsen junger Bienen produziert, die Königinnenlarven werden damit gefüttert. Sie erreichen so innerhalb von sechs Tagen das Vieltausendfache ihres Ursprungsgewichtes. Gelée Royale enthält 16 Aminosäuren, 12 Vitamine sowie Kalium, Phosphor, Eisen, Calcium, Kupfer und Silizium. Es wirkt auf den ganzen Körper. Herausragend sind seine antiviralen und zellregenerierenden Eigenschaften. Heute wird es als Stärkungsmittel eingenommen und als Verjüngungskur genutzt. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde Gelée Royale von Therapeuten injiziert. Sie erzielten damit gute Ergebnisse bei Durchblutungsstörungen und nachlassender Gedächtnisleistung. Heute denkt man darüber nach, diese Anwendungsform wieder aufzugreifen, weil es nach wie vor keine befriedigende Behandlung der Demenz gibt.

Drohnenlarven-Extrakt. In seiner Zusammensetzung ähnlich wie Gelée Royale ist der Drohnenlarvenextrakt. Der rumänische Imker Nicolae Iliesu kam vor rund 30 Jahren auf die Idee, dieses Potenzial für den Menschen zu nutzen, nachdem er an Entenküken, die diesen Extrakt fraßen, eine extrem schnelle und gute Entwicklung beobachten konnte. Er gilt als potenzstärkend und soll bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Multipler Sklerose sowie nach Chemotherapie helfen.

Qualität. Egal welche Bienenprodukte Sie einsetzen, die Qualität ist dabei entscheidend. "Je naturbelassener, desto wirksamer", erklärt der Demeter-Imker Roland Berger aus Klosterneuburg (apis-z.at). Die Biene sollte in möglichst pestizidarmer Natur ihre Ernte einfliegen. Der Imker sollte hygienisch einwandfrei arbeiten und die Bienenprodukte ausschließlich in Glas- oder Edelstahlgefäßen lagern. Der Honig sollte nicht erhitzt werden und dem Tageslicht möglichst wenig ausgesetzt sein. "Ich empfehle zumindest Bioqualität, am besten ist es, den Imker persönlich zu kennen und nachzufragen, wie er arbeitet", rät Berger. Er zählt zu den umtriebigsten Förderern der Apitherapie und bietet in Zusammenarbeit mit Ärzten auch therapeutische Bienenluftbehandlungen an. Mittlerweile stellt er auch in Österreich ein reges Interesse an der Heilkraft der Bienen fest. Die österreichische Gesellschaft für Apitherapie (apitherapie.at) organisiert sogar einen jährlichen Kongress mit Experten aus aller Welt. Das trägt enorm dazu bei, dieses Wissen in Österreich zu verbreiten.

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bin imker und pflegehelfer und von honig als medizin überzeugt. habe extreme wunden (diabetes) gesehen die auf med-honig extrem gut angesprochen haben. bin selber auch kaum krank seit ich täglich biohonig esse. suche kooperation um med-honig, der exklusiv aus neuseeland kommt, bei uns herzustellen.