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26 Jahre um die Welt - eine Geschichte von der großen Liebe

Gunther Holtorf reiste gemeinsam mit seiner Frau Christine und seinem Auto Otto für 26 Jahre um die Welt. Eine unglaubliche Geschichte von Abenteuern, Liebe und Freiheit.

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Weltreise mit Otto - Gunther Holtorf

Christine und Gunther Holtorf in New York.

© Daimler AG

Gunther Holtorf hat erlebt, wovon andere träumen: Er hat mit 51 Jahren seinen Job als Manager gekündigt, sich ein Auto gekauft und ist damit durch die ganze Welt gefahren. Und wenn wir sagen ganze, dann meinen wir auch ganze. Insgesamt hat er mit seinem Mercedes-Geländewagen 215 Länder durchquert. 26 Jahre war er unterwegs. Mit dabei: Seine Frau Christine, die er über eine Kontaktanzeige kennenlernte, als er nach einer passenden Reisebegleitung suchte. 1989 brechen die beiden gemeinsam mit ihrem Auto Otto nach Afrika auf und wissen noch nicht, dass ihnen das größte Abenteuer ihres Lebens bevorsteht.

Die Vorgeschichte

Im Dezember 1988 brach Gunther Holtorf mit seiner dritten Frau nach Afrika auf. Sie hatten gerade erst geheiratet und waren nun Tag und Nacht zusammen. Diese ständige Nähe wurde bald zum Problem, deswegen kehrten die beiden nach einigen Monaten nach Deutschland zurück, wo sie sich dann auch scheiden ließen.

Weltreise mit Otto - Gunther Holtorf
Weltreise mit Otto - Gunther Holtorf

Reisepartnerin gesucht

Doch Gunther wollte wieder zurück nach Afrika. Er wollte wieder dieses Gefühl von Freiheit spüren, gemeinsam mit einer Frau, die ihn begleiten sollte. Deswegen schaltete er eine Annonce und fand schließlich Christine. Die beiden machten Otto reisetauglich, packten eine passende Matratze hinein, befüllten ihn mit allem, was sie brauchten: Kleidung, Lebensmittel, Werkzeug. Die Reise startete im Herbst 1990 und diesmal hielt auch die Beziehung.

Geplant war eine Afrikadurchquerung von Deutschland bis Kaptstadt, die ca. zwei Jahre andauern sollte. Gunther Holtorf sagt: "Es war eine Zeit, als Afrika noch afrikanischer als heute war und echtes Abenteuer bedeutete." Aus den zwei geplanten Jahren, wurden dann fünf und schließlich beschlossen sie von Südafrika nach Südamerika weiterzureisen. Sie packten den Wagen also in einen Container und schickten ihn über den Ozean. Gunther und Christine bereisten danach Nordamerika, Asien, Australien und Europa.

»Die Karte ist wichtiger als mein Reisepass oder das Visum.«

Landkarte als Ticket zur Welt

Das wichtigste Gut an Board war dabei immer die Weltkarte. "Die Karte ist wichtiger als mein Reisepass oder das Visum", sagt er. Damit konnte Gunther weißrussische Zöllner, genauso wie den korrupten Polizeichef in Liberia "bestechen". Anstatt Banknoten, drückte er den Leuten die Karte in die Hand und machte die somit zum Teil seines Projekts. Wenn er mit dem Finger die Linien auf der Karte abfuhr, um zu zeigen, wo er schon überall war, mussten selbst die nervösen Soldaten der Präsidentengarde in Kamerun lachen oder nahmen ihn in den Arm.

Weltkarte von Gunther Holtorf

Wer sich nun fragt, wie die beiden diese jahrelange Weltreise finanzieren konnten: Sie lebten von den Ersparnissen und vom Verkauf des Stadtplan von Djakarta, den Gunther Holtorf seit 1977 im Eigenverlag herausgibt. Um die Daten zu aktualisieren, flogen sie immer wieder mal für ein paar Wochen nach Indonesien. Gunther betont aber: "Wir haben sparsam gelebt. Wir waren nie in Hotels oder Restaurants." Außerdem haben die beiden technische Arbeiten am Wagen selbst vorgenommen. Sie hatten 400 verschiedene Ersatzteilpositionen und eine komplette Werkstattausrüstung an Board.

»Es gab Brücken, die fast einstürzten, Schlamm- und Geröllpisten oder Hyänen, die einen nachts besuchten, wenn man in der Hängematte lag."«

Geschlafen haben sie fast immer im Auto oder in einer Hängematte, inmitten absoluter Wildnis. Ob es da nicht auch einmal gefährliche Situationen gab? "Natürlich gab es die", sagt Holtorf. "Es gab Brücken, die fast einstürzten, Schlamm- und Geröllpisten oder Hyänen, die einen nachts besuchten, wenn man in der Hängematte lag." Doch die Reise ging immer weiter. Selbst die acht Malaria-Erkrankungen oder die Infektion, die Gunther in Ostafrika fast den Fuß gekostet hätte, konnten ihn nicht von seinem Abenteuer abhalten. Vorsichtig musste man aber trotzdem sein. "Wir blieben immer nur eine Nacht an einem Ort, gaben keine Informationen über unsere Reisepläne weiter und versuchten unauffällig zu sein". Er betont aber auch, dass es in 26 Jahren niemals zu nächtlichen Überfällen oder Straßenraub gekommen sei. Das Ziel des Paares war es, die Welt unabhängig und in absoluter Freiheit jenseits der Zivilisation und des Tourismus zu bekunden, deswegen nahm es auch Risiken in Kauf.

Weltreise mit Otto - Gunther Holtorf

Es geht alleine weiter

Ein richtiger Schicksalsschlag war, als seine Frau 2003 an Krebs erkrankte. Das Paar musste immer wieder für die Therapien nach Deutschland fliegen. Otto blieb dann irgendwo in der Welt stehen. Gunther beschreibt seine Frau Christine als seinen Zwilling, denn die beiden hatten trotz schwieriger Rahmenbedingungen nie zwischenmenschliche Probleme. "Wir hatten die gleichen Reise- und Erlebnisinteressen und fühlten uns in der Natur wohl." Die beiden gaben sich in der Zeit ihrer großen Reise immer als Ehepaar aus, amtlich geheiratet haben sie aber erst 2010, wenige Tage bevor seine Frau starb.

Gunther hatte seiner Frau versprochen, die Reise in ihrem Namen - natürlich gemeinsam mit Otto - zu Ende zu machen. Also fuhr er noch weitere vier Jahre alleine oder mit Martin, Christines Sohn, den er adoptierte, weiter. Er pflückte immer wieder frische Blumen und steckte diese in die Finger der Monchichi-Figur, die am Rückspiegel hängt. "Christine hat jeden Tag dafür gesorgt, dass frische da waren", sagt er.

mit Otto um die Welt
Weltreise mit Otto - Gunther Holtorf

Letztendlich hat Gunther Holtorf sein Versprechen gehalten. Er bereiste mit Otto alle Länder der Welt, bis auf drei in Afrika, die stets zu gefährlich oder abgeriegelt waren: den Tschad, Somalia und den Südsudan. Außerdem ließ er die Inselstaaten aus, die zu wenige Straßen hatten, um sie zu befahren, wie die Malediven oder Nauru.

Weltreise mit Otto - Gunther Holtorf
Gunther Holtorf und sein Otto kehren zurück nach Berlin.

Gunther Holtorf und sein Otto kehrten am 8. Oktober 2014 nach Berlin zurück. Am Brandenburger Tor wurden sie von den Medien empfangen. Der Wagen, der 26 Jahre lang und selbst nach 899.592km nicht schlapp machte, wurde von Mercedes übernommen und wird nun bei zahlreichen Veranstaltungen präsentiert. Ab Anfang 2017 wird Otto dann dauerhaft im Mercedes Museum Stuttgart ausgestellt.

Die lange Reise von Gunter, Christine und Otto kann man nun auch als Bildstrecke nachverfolgen. In der Bibliografie "Otto 899.592 km - 26 Jahre- Eine Reise- Ein Auto" findet man spektakuläre Naturaufnahmen und Schilderungen von der unglaublichen Reise um die Welt. Erhältlich ist das Buch für 30,90 Euro im riva Verlag.

Otto - Weltreise Buch
Themen: Liebe, Reise, Videos

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