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Petra Morzé: Die Seele ist ein weites Land ...

Es gibt nur wenige Rollen, in die gute Schauspielerinnen einmal im Leben unbedingt schlüpfen wollen. Eine davon ist „Genia“ in Arthur Schnitzlers „Das weite Land“. Petra Morzé spielt die zerbrechliche und doch entscheidungsstarke Frau, die ihrer verlogenen Ehe letztlich ein Ende setzt, ab 9. 7. in Reichenau. Mit WOMAN spricht die zweifache, allein erziehende Mutter über Freiheit, Ehrlichkeit und das Älterwerden.


Petra Morzé: Die Seele ist ein weites Land ...
© Beck

Woman: Ist das Bild der heilen Ehe heute noch ein Thema?
Morzé: Die Einstellung der Frauen zu Beziehungen hat sich in den letzten hundert Jahren vielleicht geändert. Wenig geändert hat sich aber daran, was Partner einander antun. Und daran, wie wir mitspielen, wenn es darum geht, Positionen zu halten.
Woman: Was heißt mitspielen?
Morzé: Für die Fassade lügen. Wie Klestil, dessen Ehe schon lange hinüber war, der aber den Schein wahrte, um den Wahlkampf über die Bühne zu bringen.
Woman: Männer legen sich Affären zu, um nicht zu altern. Welche
Lösung gibt es für Frauen?
Morzé: Frauen und Altern, das ist heutzutage ein Riesenthema: angstbesetzt und zerfressen lassen sich alle zurechtschneiden! Ein Ausdruck von Barbarei. Operationen sind Konsum geworden. Ich habe eine Studie gelesen, dass 90 Prozent der Frauen, egal welchen Alters, mit ihrem Aussehen unzufrieden sind. Da haken alle ein: die Modeindustrie, Kosmetik, alle. Alle operieren mit dieser Unzufriedenheit.
Woman: Frauen haben also kein Selbstbewusstsein?
Morzé: Auch Männer sind verunsichert. Zu sich zu stehen, sich anzunehmen, ist ein Weg mit vielen Hürden. Es funktioniert bei mir selber ja auch
nicht, dieses Mich-ansehen-und-Sagen: Ich bin schön.
Woman: Was funktioniert dann?
Morzé: Man muss erst einmal herausfinden, wer man eigentlich ist. Das ist oft schmerzhaft. Man muss Bilder aufgeben, die man von sich selbst hat – auch unter dem Druck der Medien, die retuschierte Menschen zeigen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Die Aufbereitung der Frau durch Werbung, Mode und Film ist oft entmutigend.
Woman: Die Frauen stellen heute ja auch selbst höhere Ansprüche …
Morzé: Frauen haben die Möglichkeit, höhere Ansprüche zu stellen. Etwa Kinder und Karriere zu vereinbaren. Niemand schreibt, wie es den Frauen dabei geht. Wie sie sich „zersprageln“. Sich selbst ausbeuten. Alles ist schaffbar, packbar, mit Timemanagement organisierbar. Mir wäre lieber die Diskussion darüber, was eine vaterlose Gesellschaft auslöst! Allein erziehend, was heißt das für die Kinder? Dass sie nur Frauen um sich haben? Die meisten Lehrer sind ja auch Frauen.
Woman: Leben Sie alleine?
Morzé: Ja, seit einem Jahr. Ich habe mich bewusst entschieden, um mir über mich selbst klar zu werden. Auch um begegnungsfähiger zu werden. Es geht mir nicht immer gut damit. Es kommen Einsamkeitsattacken dazu. Aber es ist gut, sie zuzulassen.

Das komplette Interview lesen Sie im neuen WOMAN