Ressort
Du befindest dich hier:

Runder Tisch: Frauenpower stärkt Europa

Wie Politikerinnen bei den EU-Wahlen punkten wollen und warum wir in Brüssel starke weibliche Stimmen brauchen.


Runder Tisch: Frauenpower stärkt Europa
© Jantzen

Für viele Frauen ist Brüssel weit entfernt. Doch für Österreichs Frauen steht dort viel auf dem Spiel. Viele Gesetze, die Frauenrechte betreffen, werden längst in Brüssel statt in Österreich beschlossen. Die EU kann Druck machen, wo die einzelnen Länder in der Frauenpolitik versagen.

Der Frauenanteil betrug im ersten direkten gewählten EU-Parlament 1979 16 Prozent, bei den vergangenen EU-Wahlen stieg er auf 31 Prozent, nach der Erweiterung sind nur mehr 27 Prozent der 786 EU-Abgeordneten weiblich (im österreichischen Parlament: 33 Prozent). Höchste Zeit, dass der Frauenvertretung im Europaparlament wieder der Rücken gestärkt wird, meinen die Kandidatinnen zur EU-Wahl. 46 Prozent der österreichischen Frauen wollen denn auch am 13. Juni zur Wahl gehen, um über die 18 Mandate zu entscheiden, die Österreich zustehen.

Forderungskatalog. Frauen sind auch in anderen EU-Gremien wie Rat und Kommission und in den höheren Verwaltungsposten unterrepräsentiert. Trotzdem ist es den weiblichen Abgeordneten gelungen, einiges zum Vorteil der Frauen umzusetzen.

Die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit – im Gründungsvertrag der EG von 1957 festgeschrieben – bleibt eines der wichtigsten Anliegen. Frauen verdienen in der EU noch immer rund ein Sechstel weniger als Männer. Sozialpartner sollen stärker eingebunden werden, wenn es um das geschlechtsspezifische Lohngefälle geht.

Die Frauenbeschäftigungsquote von derzeit 55,6 Prozent bis 2010 auf 60 Prozent zu heben ist ein zweites ehrgeiziges Ziel. Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Arbeitslosen- und Beschäftigungsquote konnten bereits reduziert werden. Hauptursache für Nichtbeschäftigung der Frauen sind häusliche und familiäre Verpflichtungen (für fast die Hälfte der Frauen zwischen 25 und 54 Jahren). Deshalb ist beschlossen, dass bis 2010 für mindestens 90 Prozent der Kinder von drei Jahren bis zum Schulalter und für 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze vorhanden sein sollen.

In der EU werden Frauenanliegen in allen Politikbereichen und bei allen Maßnahmen berücksichtigt (Gender Mainstreaming), z. B. bei der Budgeterstellung oder in den Strukturfonds, die finanzielle Hilfe für schwächere Gebiete bereitstellen.
Eine fortschrittliche EU-Richtlinie gegen Diskriminierungen von Frauen am Arbeitsplatz enthält einheitliche Definitionen von sexueller Belästigung, Beweislastumkehr und Frauenförderpläne. Die nächste Richtlinie gegen Diskriminierungen außerhalb des Berufs liegt bereits auf dem Tisch.

Erfolge für Frauen. Ein Gesetz schreibt Versicherungen künftig dieselben Prämien für Frauen und Männer vor. Regelmäßig startet die EU Kampagnen gegen Gewalt, Frauenhandel und Genitalverstümmelung. Und die neue Verfassung, die im Juni beschlossen werden soll, wird Frauenrechte hoffentlich weiter stärken.
WOMAN bat Kandidatinnen zur EU-Wahl zum Runden Tisch in die Redaktion, um die Rolle der Frauen im EU-Parlament zu diskutieren. Die Teilnehmerinnen: Ursula Stenzel, VP-Spitzenkandidatin, Christa Prets (SP), Heike Trammer (FP) und Eva Lichtenberger (Grüne).

Die ganze Story lesen Sie im neuen WOMAN
PLUS: Karin Resetarits: "Ich bin eine männerliebende Emanze!"