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Schlimmer als vorher

Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Schönheits-OP. Manche bereuen … und schildern ihr Leid.


Schlimmer als vorher

Schauen Sie sich das an! Dafür habe ich mich dreimal operieren lassen!“ Die hübsche 32-jährige Nicole Höfner kämpft mit den Tränen, als sie ihr T-Shirt hinaufschiebt. Die beiden Brüste darunter sind in der Tat kein schöner Anblick. „Mein rechter Busen ist weich und hängt, der linke ist verkapselt“, erklärt die Kärntnerin bitter „und schaun Sie!“ Wenn sie den Brustmuskel anspannt, kann sie ihre rechte Brust nach links verschieben – ein „Kunststück“, auf das sie verzichten könnte. Der Busen, mit dem die Natur die Stylistin einst ausgestattet hatte, war klein, aber wohlgeformt. „Ich träumte immer von einer größeren Oberweite, weil ich das sexy finde. Ich war es leid, sogar BHs mit Cup A auch noch ausstopfen zu müssen.“ Doch heute ist die 32-jährige Mutter eines Sohnes nicht mehr so sicher, ob ihre Entscheidung, chirurgisch einzugreifen, die richtige war. „Ich hab mir das halt einfach vorgestellt“, gibt Nicole zu, „wenn man über Brustvergrößerungen hört oder liest, klingt das immer so wie zur Kosmetikerin gehen.“ Ihre Nageldesignerin war es auch, die Nicole einen Arzt empfahl. Zu diesem ging sie, ohne sich weiter zu erkundigen. Es war ein Fehler.

Operation misslungen. Für den plastischen Chirurgen Helmut Hoflehner ein typischer Fall: „Immer mehr Eingriffe verlaufen nicht so, wie es sich der Patient vorstellt.“ Nicht umsonst wurde die Österreichische Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, deren Vorstandsmitglied Hoflehner ist, als Anlaufstelle für Unzufriedene, aber auch für die richtige Arzt-Wahl gegründet (Hotline: 0820/820 600.)
„Was einem da manchmal unterkommt, ist erschütternd“, erzählt Hoflehner. Abgesehen davon, dass die Zahl der misslungenen Eingriffe mit Zunahme der Schönheitsoperationen proportional steigt. Die Gründe dafür kennt Hoflehner auch: Oft würde der Patient weder über die Grenzen des Machbaren noch über mögliche Komplikationen aufgeklärt. „Dadurch entstehen falsche Erwartungshaltungen.“ Viele Frauen gehen auch Billigangeboten auf den Leim. Da sich immer mehr Ärzte ans lukrative Geschäft der Schönheits-OPs wagen, ist die Konkurrenz entsprechend groß. Sich als Schönheitschirurg zu bezeichnen, schließt noch lang keine entsprechende Ausbildung mit ein. Klartext: So mancher Arzt kann gar nicht wirklich das, was er anbietet …
Hoflehner warnt: „Es entspricht sicher nicht den heute geforderten Qualitätsansprüchen, wenn etwa von Dermatologen Brustvergrößerungen oder von praktischen Ärzten Fettabsaugungen durchgeführt werden.“ Die Erwartungen bei solchen Operationen sind ja besonders hoch einzustufen, da es sich um gesunde Menschen handelt, so der Experte. Endet der Eingriff mit einer Verschlechterung, bedeutet das meist eine Katastrophe. „Ich weiß, durch welche Hölle verpfuschte Patienten gehen.“ Bei vielen Eingriffen, wie etwa Bauchdeckenplastik, Gesichtslifting oder Busenkorrekturen, handelt es sich keineswegs um harmlose Eingriffe, sondern um große Operationen mit Vollnarkose.

Brüste wie Tennisbälle. Nicole Höfner ist nur eine von vielen, die am eigenen Leib erfahren musste, was eine misslungene Operation bedeutet. „Nach der ersten OP sahen meine Brüste aus wie zwei Tennisbälle, wobei zwischen den beiden gerade noch ein dritter Platz gehabt hätte“, schildert die junge Frau. Zudem hatte sich die linke Brust verkapselt, was besonders schmerzhaft war. Zwei weitere Korrekturen misslangen ebenso. „Ich konnte wochenlang nicht aufrecht gehen, litt unter Atemnot, und die Verkapselung war noch immer da!“, schildert Nicole die Zeit nach dem „Pfusch“. Ihr Martyrium ist hoffentlich bald ausgestanden. Die erfahrene plastische Chirurgin Dagmar Millesi hat sich Nicoles Busen angenommen.

Enttäuschte Hoffnungen. Der Wunsch nach einem schöneren Busen führte auch bei Sonja Pöllinger zum Alptraum. Die 28-jährige Mutter einer Tochter aus Kärnten litt nach der Schwangerschaft unter einem schlaffen Busen. Sie wurde im selben Krankenhaus wie ihre Landsmännin Nicole operiert. Der zugezogene Gutachter Johann Umschaden sollte später notieren: „Runde Implantate wurden vor statt hinter Sonjas Brustmuskel platziert, sodass sie sich unter der dünnen, schlaffen Haut abzeichnen. Die Narben in der Brustfalte sind viel zu hoch gesetzt, dick und rot.“ Sonja ist verzweifelt: „Ich kann nicht mehr im Bikini gehen.“ Schlimm, aber es gibt leider noch Schlimmeres.

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