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WOMAN-TV: Selbstverteidigung lernen

Könntest du dich wehren, wenn du bedroht oder gar angegriffen wirst? WOMAN-TV zeigt gemeinsam mit einem Wing-Tsun-Experten die Basics der Selbstverteidigung.

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Matthias Gold zeigt uns die Basics der Selbstverteidigung.

© Video: woman.at

Nach den sexuellen Übergriffen in Köln fragen sich immer mehr Frauen, wie sie sich vor Belästigungen dieser Art schützen können. WOMAN-TV hat den Leiter der EWTO-Trainerakademie Wien, Matthias Gold, für ein Interview getroffen und sich gleich die Basics der Selbstverteidigung zeigen lassen. Die EWTO (Europäische Wing-Tsun-Organisation) lehrt den Stil der Kampfkunst Wing Chun, die nicht gegen die Kraft des Gegners arbeitet, sondern die Kraft des Gegners gegen ihn selbst einsetzt.

WOMAN: Kann sich eine Frau gegen einen Mann überhaupt wehren?
Matthias Gold: Selbstverständlich kann sich eine Frau wehren. Mit der nötigen Technologie und Übung ist das machbar. Dafür ist es wichtig, dass das System nicht auf Körperkraft beruht. Im WingTsun wird die Kraft des Angreifers „geborgt“ und gegen ihn verwendet. Hierbei hilft uns der Tastsinn, der sicherste Sinn des Menschen. Er ist schnell und lässt sich kaum täuschen. Wir verwenden die Arme ähnlich wie ein Insekt die Fühler. Zwischen uns und dem Angreifer positionieren wir unser Arme. Ist der Weg frei, stoßen wir vor, ist der Weg nicht frei, können wir auf einen Impuls bzw. Druck des Gegners reagieren. Attackiert werden Schwachstellen. Das sind Stellen beim Gegner, die nicht durch Muskeln oder Fett geschützt sein können. Trifft man das Ziel setzt man in Kettentechniken nach. Denn man kann nicht davon ausgehen, dass eine 50 KG Frau einen 100 KG mit einem Schlag zur Aufgabe zwingt.

»Wenn man nichts macht, passiert immer das, was der Angreifer vor hat.«

WOMAN: Wie lange muss ich trainieren, bis ich mich selbst verteidigen kann?
Matthias Gold: Die Techniken sind in kurzer Zeit erlernbar - der Gegner kann nur 4 Positionen einnehmen: links vorne, rechts vorne, parallel breit und parallel eng. Zum Einlernen verwenden wir das Prinzip der „Mustererkennung“, welches unserem Gehirn rasches Lernen ermöglicht. Da man WingTsun, als einzige Kampfkunst an 2 Universitäten (England und Bulgarien) mittlerweile studieren kann, beschäftigen wir uns auch ständig mit Lernpsychologie. Es geht darum, Inhalte so zu vermitteln, dass der Körper auch in Stresssituationen das Richtige tut. Durch regelmäßiges Training steigt auch das Selbstbewusstsein für Konfliktsituationen und man kann Gefahrensituationen durch Achtsamkeit vermeiden. Technisch kann man sich nach 2-3 Monaten verteidigen, die Verhaltensveränderung dauert oft ein wenig länger. Frau muss lernen, das „sich wehren“ die einzige Möglichkeit ist, aus solchen Situationen raus zu kommen. Wenn man nichts, macht passiert immer das, was der Angreifer vor hat.

Selbstverteidigung lernen

WOMAN: Findest du Pfeffersprays sinnvoll?
Matthias Gold: Pfefferspray ist eine Hilfe, nur kommt es, wie bei jeder Waffe, darauf an, wer ihn verwendet. Abgesehen davon, dass der Pfefferspray erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Wichtig dabei ist, ob die Person, die ihn einsetzten möchte, ihn auch zur Hand hat (Thema volle Handtasche) und im Umgang damit geübt ist. Sonst besteht die Gefahr, dass der Gegner den Spray an sich reißt und gegen einen selbst verwendet.

»Absätze sind kein Problem, die kann man gut verwenden. «

WOMAN: Was, wenn ich hohe Absätze trage?
Matthias Gold: Absätze sind kein Problem, die kann man gut verwenden. Wenn man z.B. von hinten umklammert wird, dann kann man dem Angreifer sehr gut mit den Absatz auf den Fuß steigen. Klar, zur Flucht sind sie weniger geeignet - da sollte man sie rasch ausziehen. Aber in überfallsähnlichen Szenarien absolut zu verwenden. In den Kursen lernt man wie man alles mögliche aus der Handtasche gegen den Gegner einsetzen kann.

Selbstverteidigung lernen

WOMAN: Wie geht man vor, wenn man angegriffen wird?
Matthias Gold:
1) Achtsamkeit
2) auf sich aufmerksam machen
3) Wenn es zur körperlichen Auseinandersetzung kommt, auf jeden Fall körperlich wehren!

WOMAN: Gibt es etwas Bestimmtes, das man rufen soll, damit einem geholfen wird?
Matthias Gold: Die Bedrohung konkret formulieren - Leute in der Umgebung direkt ansprechen, Bsp.: „Sie in dem blauen Anzug, ich werde von diesen beiden Männern bedroht!“ Das fordert die Leute zum Handeln auf, weil sie direkt angesprochen werden. Sonst kann das Phänomen der „sozialen Beglaubigung“ auftreten: „Wenn keiner hilft, dann brauche ich auch nicht zu helfen und habe auch kein schlechtes Gewissen dabei!“ Eine andere Möglichkeit ist natürlich auch cool zu reagieren (muss einem natürlich einfallen): Bsp.: Eine Schülerin von uns war in der U-Bahn unterwegs und ein Typ am Nachbarsitz legt ihr die Hand am Oberschenkel! Sie laut: “Seht mal was ich auf meinem Oberschenkel gefunden habe!“ - und hält seine Hand in die Luft. Alle schauen, er wird rot und flüchtet bei der nächsten Station aus dem Zug.

Selbstverteidigung lernen
Matthias Gold, Wing-Tsun Meister und Leiter der EWTO Austria

Die EWTO hat 5 Schulen in Wien, 40 in Österreich und 2500 Schulen im deutschen Sprachraum. Auf www.ewto.at erfährst du wann kostenfreie Infoveranstaltung und Probetraining stattfindet. Am Montagabend (25.1.) gibt es eine Infoveranstaltung für Interessenten in der Stumpergasse 14/22, 1060 Wien. Monatsbeiträge kostet ab 49,- Euro.

Themen: WOMAN-TV, Videos

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