Ressort
Du befindest dich hier:

Stoßwellen gegen Schmerzen

Operieren? Nein, danke! Stoßwellen werden immer häufiger das Mittel der Wahl, wenn es um bestimmte schmerzhafte Krankheitsbilder geht. Vom Nacken bis zu den Füßen "schießen" hochenergetische Impulse gegen die Beschwerden.

von

Stoßwellen gegen Schmerzen
© istockphoto.com

Für manche gehören sie ganz selbstverständlich zum Alltag: ewige Schmerzen. Ob die Schulter rebelliert, ein Tennisarm Aufmerksamkeit erzwingt oder das Knie zerrt und sticht: Man lebt mit ständiger mobiler Beeinträchtigung. Mit Einschmieren und Schmerzmitteln retten sich viele über den Tag, bis dann häufig eine OP unvermeidlich scheint, "… deren Erfolg allerdings oft fraglich ist", so Dr. Stella Prosquill (arthrowaves.at). Die Wiener Unfallchirurgin schwört bei bestimmten Krankheitsbildern auf eine andere Methode, die sich in den letzten Jahren "zu einer neuen, wegweisenden Therapieform" entwickelt hat: Spark Waves oder Stoßwellen, eine Behandlungsart, die in ausgewählten Spitälern und Arztpraxen auch hierzulande erfolgreich angewendet wird. Mithilfe hochenergetischer Schallwellen können Patienten geheilt werden. "Das besonders Tolle daran: Es ist eine nicht invasive Methode, und es gibt so gut wie keine Kontraindikationen und Nebenwirkungen", so Prosquill.

Man unterscheidet dabei unterschiedliche Systeme: "Aus der Sicht der medizinischen Wirksamkeit sind aber Stoßwellen auf der Basis von elektrohydraulischer Wirkung die beste Technologie am Markt", so die Ärztin. "Es sind in der Regel nur mehr zwei Sitzungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen nötig. Und nicht mehr bis zu zehn Behandlungen. Denn die Wellen gehen mehr in die Tiefe.“ Nach einer Sitzung (10-15 Minuten) sollen die Beschwerden oft schon bis zu 80 Prozent reduziert sein. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Krankheitsbildern wie Kalkschulter, Tennis- und Golferarm, Schleimbeutelentzündungen der Hüfte, Runners Knie, Fersensporn, Achillessehnen-Problemen, Pseudoarthrose, Knochenmarksödemen. "Mit Stoßwellen können auch Wundheilungsstörungen gut behandelt werden“, ergänzt Kollegin Dr. Sabine Streubel (arthrowaves.at), ebenfalls Unfallchirurgin und Teamärztin des ÖFB-Damen. "Ebenso sprechen Narben effektiv auf die 500 bis 2000 Impulse an, die pro Treatment gegen den Schmerz "schießen". Und auch beim Cervicalsyndrom sowie bei Hexenschuss können wir häufig gut helfen!" Die Kosten variieren, in der Praxis der beiden Ärztinnen kommt eine Behandlung auf 250 bis 270 Euro, "kleine" Kassen erstatten einen Großteil davon zurück. Das Geheimnis hinter dem Behandlungserfolg ist, "dass im therapierten Gebiet neue Blutgefäße einsprossen", erklärt die Ärztin, "sowie durch bestimmte Wachstumsfaktoren Stammzellen angelockt werden.“ Ein mechanischer Reiz löst sozusagen eine biologische Antwort aus. Die es möglich macht, dass entzündliches Gewebe und Kalkdepots abtransportiert werden und die Heilung eingeleitet wird. Die neu gebildeten Gefäße sorgen für eine Verjüngung des betroffenen Gewebes. "Degenerativ veränderte Sehnen etwa werden wieder wie neu."

Stoßwellen stammen übrigens aus der Urologie und wurden vor 30 Jahren zur Zertrümmerung von Nierensteinen entwickelt. "Heute ist die Stoßwellentherapie auch für viele andere Fächer höchst interessant", weiß Prosquill. So würde unter anderem in der Herzchirurgie intensiv geforscht. In Versuchen konnte man nach Herzinfarkt abgestorbenes Gewebe wieder neu durchbluten. Und auch in Sachen Haarwuchs auf Kahlköpfen sind die Zukunftsaussichten durchaus rosig. Vor allem hat aber die Plastische Chirurgie schon längst ein Auge auf die wundersamen Impulse geworfen. "Auf Kongressen werden Erfolge bei Faltenbehandlungen bereits dokumentiert." Seit Längerem erwiesen ist hingegen die gute Wirkung der Spark Waves bei Cellulite. "Da haben sich vier Behandlungen (à 300,–) in wöchentlichem Abstand bewährt", erfährt man von den Expertinnen. Nicht zuletzt durch den angeregten Abtransport von Flüssigkeitseinlagerungen soll sich das Hautbild sichtbar glätten. Nicht verschweigen wollen die Ärztinnen auch einen ganz besonderen Benefit – für Männer mit Erektionsproblemen. "Hier kann man in vielen Fällen helfen." Mit neu gebildeten Blutgefäßen eben.

Ganz schmerzarm ist die Behandlung generell nicht, "aber gut auszuhalten". Und man könne die Intensität der Stoßwellen ja nach und nach steigern. "Aber im Verhältnis zu den Schmerzen, die unsere PatienInnen oft schon lange ertragen mussten, ist das wirklich nichts." Vor allem, wenn die einst Geplagten sich danach wieder einer neuen Mobilität erfreuen dürfen. "Arbeitet der Patient auch mit, macht mehr Bewegung und Übungen, die wir empfehlen, ist der Erfolg umso größer."

Weitere Adressen in Österreich

stosswellenzentrum-oberoesterreich.at
stosswellenzentrum-wien.at
dr-markus-braun.at
drbrennessel.at
dr-garber.at