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Streitfrage: Duell um den Kaiserschnitt

Immer mehr Frauen gebären heute ihre Kinder per Kaiserschnitt – ohne medizinische Indikation. In WOMAN diskutieren die Experten Peter Husslein und Werner Grünberger über alle Vor- und Nachteile.


Streitfrage: Duell um den Kaiserschnitt
© Bokmeier

Bei kaum einem anderen Thema gibt es derart unterschiedliche Meinungen und fest zementierte Standpunkte wie bei der Geburt nach Plan. Während die Gegner des Wunschkaiserschnittes meinen, seit jeher hätten die Frauen vaginal entbunden und es sei nicht normal, ein Kind aus dem Bauch rauszuschneiden, kontern die Befürworter damit, dass die Sectio heute die sicherste und für alle Beteiligten risikoärmste Art der Entbindung sei. Ein Trend, der sich auch in den aktuellen österreichischen Statistiken niederschlägt: 2004 kam bereits jedes fünfte der insgesamt 78.968 Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren wurden gerade einmal 12 Prozent der Kinder operativ entbunden.

Über die Streitfrage, welche Entbindung nun wirklich die beste für Mutter und Kind ist, diskutierten in WOMAN zwei der renommiertesten Gynäkologen und Geburtshelfer Österreichs: der Befürworter des Wunschkaiserschnittes Peter Husslein, 53, Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Wiener AKH, und der Verfechter der vaginalen Geburt Werner Grünberger, 59, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Krankenanstalt Rudolfstiftung und an der Semmelweis Frauenklinik in Wien.

WOMAN: Wie sind Ihre Kinder auf die Welt gekommen?
Husslein: Ein Kind spontan, das andere mit Kaiserschnitt. Meine Tochter hatte große Lungenprobleme und lag nach der Geburt neun Wochen auf der Kinderintensivstation. Es war kein Wunschkaiserschnitt, sondern es gab eine klare medizinische Indikation.
Grünberger: Ich habe 2.000 Babys auf die Welt gebracht, habe aber selbst keine Kinder.
WOMAN: Warum sollte eine Frau ohne medizinische Indikation ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringen?
Husslein: Ich nehme die Patientenautonomie sehr ernst, propagiere aber nicht den geplanten Kaiserschnitt. Der Kaiserschnitt ist eine medizinische Behandlungsalternative. Es gibt sowohl Risiken beim geplanten Kaiserschnitt nach Abschluss der 38. Woche als auch bei einer normalen Geburt.
Grünberger: Ich bin ein Gegner des Wunschkaiserschnittes. Und mir gefällt das Wort Behandlungsalternative nicht. Frauen gebären ihre Kinder seit 1,75 Millionen Jahren spontan. Es ist richtig, dass früher mehr Frauen bei der Geburt gestorben sind. Aber jetzt gibt es Geburtshelfer und Hebammen, um dieses Risiko möglichst gering zu halten.

Die ganze Diskussion lesen Sie im neuen WOMAN