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Undercover: Abtreibung in Österreich

WOMAN wollte wissen, wie es Frauen ergeht, die in öffentlichen Krankenhäusern legal abtreiben wollen. Und: Was der Eingriff kostet.


Undercover: Abtreibung in Österreich
© Bokmeier

"Grüß Gott, was kann ich für Sie tun?“, fragt die junge Schwester hinter dem Schalter freundlich. „Ich möchte einen Termin für eine Abtreibung“, sage ich. Und bemühe mich, die richtige Mischung zwischen Zerknirschtheit und fester Absicht zu mimen: „Soll der für Sie sein?“ Ich nicke. „Wir machen das nur mit medizinischer Indikation“, antwortet sie, ohne mich anzusehen. „Und woher bekomme ich eine Indikation?“, stelle ich mich unwissend. Sie schiebt Papiere hin und her, wirft einen Hilfe suchenden Blick auf die ältere Kollegin neben ihr, die ungerührt Daten in den Computer eingibt. „Wir machen Abtreibungen hier nicht“, sagt sie leise. „Sie haben von einer Indikation gesprochen“, lasse ich nicht locker.

Die junge Schwester wird von Sekunde zu Sekunde nervöser. Sie fummelt am Pferdeschwanz herum, dreht ihren Kopf hin und her, nimmt Mappen zur Hand und legt sie wieder hin. „Von wem“, frage ich, „bekomme ich denn die Indikation?“ (Anm. d. Red.: Medizinische Indikation liegt dann vor, wenn das Ungeborene schwere Behinderungen aufweist.)

Demütigung in Tirol. Die Spannung ist unerträglich. Die Gespräche im Warteraum sind verstummt. Ich fühle die neugierigen Blicke der wartenden Frauen, die sich in meinen Rücken bohren. In die Stille hinein sagt die ältere Schwester laut und mit gnadenloser Schärfe: „An der Universitätsklinik in Innsbruck werden keine Abtreibungen durchgeführt.“ Mir läuft es heiß über den Rücken: „Warum?“, frage ich zittrig. „Das ist halt so bei uns“, sagt sie lapidar und tippt weiter.

Ich muss wohl ziemlich fahl aussehen, denn die junge Schwester wird plötzlich doch freundlicher und fragt die Ältere, wo denn der Zettel mit der Adresse von Dr. Wolf sei. „An den können Sie sich wenden“, sagt sie zu mir und sucht hektisch den Zettel. Die ältere Schwester nimmt ein Blatt und sagt zu ihrer Kollegin: „Dort soll sie anrufen.“ Die junge gibt mir den Zettel. „Aber das sind doch Familienberatungsstellen“, sage ich verzweifelt. „Rufen Sie dort an!“, zischt die ältere Schwester. „Und sonst fahren Sie halt am Fleischmarkt nach Wien.“

Ich will so schnell wie möglich weg. Die junge Schwester kopiert mir noch hastig den Zettel, ich stecke ihn in meine Handtasche, verberge mein Gesicht hinter den Haaren und schleiche an den anderen, wartenden Frauen vorbei. Erst als ich um die Ecke biege, beginnen die Frauen wieder zu sprechen. Ich verstehe nicht, was sie sagen, aber es klingt mehr nach Entrüstung als nach Mitgefühl.

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