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Warum wir uns auf Fotos immer hässlich finden

"Waaaahh! Bitte lösch' das!" - Findest du dich auf Fotos auch immer hässlich und brauchst 10 Anläufe für ein gutes Selfie? Die Ursache wurde nun erforscht.

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Warum wir uns auf Fotos immer hässlich finden

Auf Fotos gefällst du dir einfach nicht...

© Instagram/Werciek

Um Gottes Willen. Dieses Kinn - wie ein Hammerhai. Diese Knollnase. Kann mir bitte jemand die Nummer eines Schönheitschirurgen geben? Generalüberholung, #justsayin.

Nein. Ich mag mich. Wirklich. Prinzipiell habe ich nicht mehr und nicht weniger an mir auszusetzen, als jede andere Frau auch. Wenn ich in den Spiegel schaue. Da sehe ich eigentlich ein recht passables Etwas. Aber auf Fotos? Schrecklich. Es gibt kaum ein Foto, auf dem ich mir gefalle. Und die, die es durch meine Zensur schaffen, zeigen eigentlich nur mein Profil oder ein durch Haare halb verdecktes Antlitz. Selbst für Selfies benötige ich zehn Anläufe minimum und etwa vier verschiedene Filter.

Warum ist das so? Warum finden sich die meisten Menschen auf Fotos hässlicher, als sie in Wahrheit sind?

"Mere Exposure": Warum wir uns auf Fotos selbst nicht gefallen

Tatsächlich hat das nichts mit übertriebener Selbstkritik zu tun, sondern mit einem psychologischen Effekt, der im Fachsprech "Mere Exposure" genannt wird. Zusammengefasst bedeutet dies: wir nehmen Sachen, die wir häufig sehen, positiver wahr. Also etwa unser Spiegelbild. Sehen wir täglich oder sogar mehrmals täglich – und finden es deswegen auch mehr oder weniger erfreulich. Denn der Anblick all unserer Asymmetrien (der leicht schiefe Mund, das Muttermal, die etwas tiefere linke Nasobialfalte...) ist liebe Gewohnheit.

Jetzt kommt's aber: im Spiegel sehen wir uns - nona – spiegelverkehrt. Auf Fotos hingehen ist unser Gesicht "richtig" ausgerichtet. Die gewohnten Asymmetrien erscheinen uns auf einmal sonderbar, weil ungewohnt...

Während du also raunzt und deinen Freund bittest, das hässliche Foto unbedingt zu löschen, wird er dich nicht verstehen. "Aber auf dem Foto siehst du doch super aus - wie immer!" - Klaro. Denn auch für ihn gilt der "Mere Exposure"-Effekt: er sieht dich ja tatsächlich immer aus dieser Perspektive.

Übrigens: der "Mere Exposure"-Effekt betrifft nicht nur unsere Selbst-Wahrnehmung. Auch Werbe-Jingles im Radio, die uns anfangs kaum auffallen, klingen nach mehrmaligem Hören in unseren Ohren besser. Gerüche, Nahrungsmittel – all dies wird nach mehrmaligem Reiz positiver empfunden.

Was das für mich bedeutet? Ich mutiere jetzt zur Selfie-Queen. Nach 100 Fotos hab ich mich ja dann hoffentlich mal an meine "richtigen" Asymmetrien gewöhnt... (und hier noch ein paar Tipps, wie man fotogener wird).

Thema: Psychologie

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