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12 Ideen für ein besseres Leben

Die Welt stellt uns täglich vor neue Fragen, philosophische und praktische. Gibt es die perfekte Fitnessübung? Wie lege ich mein Geld ethisch an? Wie überlebe ich Weihnachten? Wir haben Menschen, die es wissen müssen, um Antworten gebeten.

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12 Ideen für ein besseres Leben
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Wie erreiche ich ein selbst gesetztes Ziel?

Sie haben einen Plan, vielleicht sogar ein Herzensprojekt, das einfach scheint, und trotzdem klappt es mit der Umsetzung nicht? "Mit Faulheit hat das nichts zu tun! Die gibt es nicht. Doch beinahe jeder hat einen inneren Schweinehund, der sich uns in den Weg stellt", erklärt Psychologe Stefan Bienenstein. Drei Punkte helfen:

  • Mein Projekt. Folgende Fragen müssen geklärt sein: Ist es wirklich mein Projekt oder mache ich es auf äußeren Druck hin? Passen die Rahmenbedingungen? Was könnten Hürden sein?
  • Freude am Tun. Das, sollte man meinen, ist eine Grundvoraussetzung. Doch alte Glaubenssätze, die wir von Eltern und Lehrern gehört haben wie "Zieh endlich mal was durch!" oder "Du bist einfach zu faul" können Gift sein für ein Ziel.
  • Verhinderer ausschalten. So trickst du die Wirkung der Glaubenssätze aus: Erinnere dich an deinen größten Erfolg. Hole dir das dazugehörige Gefühl, und spüre es. Das vermittelt die Gewissheit: Du kannst alles schaffen!

Stefan Bienenstein ist Psychotherapeut und Autor. In seinem Buch "Der innere Schweinehund bleibt zu Hause" (Kneipp, € 17,99) erklärt er, wie man sich besser motivieren kann.

Wie schaffe ich es, zu akzeptieren, dass wir alle sterblich sind?

Wenn ein Mensch das erste Mal mit dem Tod in Berührung kommt, etwa weil ein Elternteil oder enger Freund stirbt, ist das ein riesiger Schock. Denn so ein Ereignis macht uns, neben all dem Schmerz, nur allzu klar, dass wir alle sterblich sind. Der Tod ist in unserer immer fitteren Gesellschaft ja für viele sehr weit weg. Um das Faktum der Vergänglichkeit besser akzeptieren zu können, sollte daher jeder für sich definieren, was eigentlich ein gutes Leben bedeutet – und zwar nicht nur, wenn man noch relativ jung ist. Sondern auch am Schluss, wenn man möglicherweise krank und gebrechlich wird. Rede doch auch mal mit Freunden darüber: "Was ist dir das Wichtigste im Leben? Wie sieht für dich ein guter Tag aus?" Dann werden auch die eigenen Vorstellungen oft klarer, und das kann helfen, die Sterblichkeit leichter anzunehmen.

Atul Gawanda ist Philosoph, Ethiker und Facharzt für Chirurgie in Boston. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge im "New Yorker" und hat mehrere Bücher über Medizin und Gesellschaft geschrieben, unter anderem "Sterblich sein", Fischer Verlag, € 20,60

Wie gehe ich mit Stress besser um?

Klar, Stress haben wir alle, dem kann man sich nicht entziehen. Oft treibt er uns sogar zu Höchstleistungen an. Doch gibt es keine Pausen, schadet das auf Dauer der Gesundheit. "Stressfaktoren zu ändern, kann schwer sein. Achtsamkeit und gezielte Übungen helfen aber, besser damit umzugehen", betont Apotheker Gerd Sielker.

  • Morgenritual. Springe in der Früh nicht gleich aus dem Bett. Bleibe ein paar Minuten mit offenen Augen liegen, spüre Körper & Atmung. Versuche, diese Achtsamkeit den Tag über beizubehalten.
  • Zeit für sich. Eine halbe Stunde am Tag gehört nur dir, ohne schlechtes Gewissen. Auch wenn du dir diese Zeit abknapsen musst, du wirst dadurch viel entspannter. Das bringt auf Dauer mehr, als ständig präsent, dafür aber gereizt zu sein.
  • Bewusst hören. Musik macht fröhlich. Und manche Stilrichtungen reduzieren Stress besonders gut. Klassik beeinflusst das Immunsystem positiv, Meditationsmusik wirkt beruhigend, lateinamerikanische Rhythmen verströmen gute Laune.
  • Mindful Walking. Aufrecht hinstellen, zur Ruhe kommen. Einen Fuß heben, nach vor setzen und beginnen, das Gewicht darauf zu verlagern. Bewusst abrollen, den hinteren Fuß anheben. Konzentriere dich einige Minuten nur auf diese Bewegung.

Gerd Sielker ist Apotheker und beschäftigt sich bei Weleda mit speziellen Anti-Stress-Medikamenten.

Was mache ich, wenn jemand permanent schlechte Stimmung verbreitet?

"Jammert jemand ständig oder regt sich über alles auf, kostet uns das wahnsinnig viel Energie", weiß Psychotherapeutin Laudina Pongracz. "Aber nicht jede Freundschaft will man deswegen gleich beenden, vor allem, wenn einen viel verbindet." So kannst du besser damit umgehen:

  • Schaue, was dahintersteckt. Ist das nur eine Phase? Vielleicht macht das Gegenüber gerade Schweres durch und muss sich den Frust von der Seele reden. Dann geht es oft nur darum, einfach zuzuhören. Oder handelt es sich um einen pauschalen Raunzer? Dann spreche die Person darauf an. Nicht allen ist bewusst, dass sie schlechte Stimmung verbreiten.
  • Wenn sich das Gejammer immer im Kreis dreht, biete deine Hilfe an. Was braucht die Person? Was muss sich in ihrem Leben verändern?
  • Grenze dich bewusst ab. Sage, wenn dir die negative Belastung zu viel ist. Stelle klare Regeln auf, unter welchen Bedingungen ein Treffen funktionieren kann. Hilft gar nichts, ist es auch legitim, einen Schlussstrich zu ziehen.

Laudina Pongracz ist Psychotherapeutin in Wien. Zu ihren Schwerpunkten zählen die Themen Beziehung, Trennung, Verlust.

Sind meine persönlichen Probleme im Vergleich zu Terrorangst & Flüchtlingsdramen überhaupt relevant?

Hat man heute eine Lebenskrise, bekommt man manchmal zu hören: "Was willst du? Du lebst in einem reichen Land. Du hast einen Job und ein Einkommen." Und selbst wenn wir gerade keinen Job haben, dann haben wir, so erinnert man uns, zumindest ein Dach über dem Kopf. Andere Menschen laufen vor dem Krieg davon und schlafen auf der Straße.

Nützlich sind solche Ratschläge nicht wirklich. Im Gegenteil, sie können den persönlichen Frust sogar noch erhöhen. Schließlich sind wir alle, egal ob gut situiert oder in einer Notsituation, Menschen, die sich vor denselben Dingen fürchten: Konflikt, Krankheit, Einsamkeit. Das wiederum verbindet uns mit anderen in ähnlichen Situationen, auch wenn unsere Lebensumstände ganz unterschiedlich sind, und lässt Solidarität entstehen. Solidarität bedeutet nämlich nicht, schwächeren Menschen aus Mitleid zu helfen. Sie bedeutet, die Dinge, die wir mit anderen gemeinsam haben – egal ob es ihnen viel schlechter oder viel besser geht als uns selbst –, zu sehen und bei Bedarf zu handeln. Ich kann mich dann mit der dicken Frau in der Straßenbahn, die sich anscheinend nicht beherrschen kann, solidarisieren, weil ich mich auch mit einer Diät quäle. Sie ist mir ähnlich, weil sie sich schämt, wenn sich die Schülergruppe hinter ihr über sie lustig macht. Die Angst vor solchen Situationen ist kaum jemandem gänzlich unbekannt.

Viele kennen Solidarität als politischen Begriff, vor allem in der Flüchtlingsthematik. Aber auch auf der persönlichen Ebene macht diese Geisteshaltung einen Unterschied. Eine Lebenskrise ist dann plötzlich nicht mehr ein Luxusproblem, das mir eigentlich peinlich sein sollte, sondern eine Möglichkeit, meine Ängste und Sorgen auch in anderen zu erkennen. Dadurch können wir Handlungen setzen, die sowohl das Leben dieser anderen ein kleines Stück besser machen als auch unser eigenes.

Barbara Prainsack ist Professorin für Politikwissenschaft am King's College in London. Die gebürtige Kärntnerin forscht an der Schnittstelle von Biomedizin und Gesellschaft. Aktuelles Buch: „Das Solidaritätsprinzip“ (mit Alena Buyx, campus Verlag, € 29,95).

Wie führe ich ein ethisch gutes Leben, ohne Öko-Freak zu werden?

Wenn ich eines weiß, dann, dass ein gutes Leben Spaß machen kann und nichts mit Verzicht zu tun hat. Wenn überhaupt, braucht es ein bisschen Organisation. Das Banalste ist, dass ich in den Supermarkt einen Einkaufskorb mitnehme. Plastiksackerl unnötig. Statt Mineralwasser in der Flasche zu besorgen, sprudle ich köstliches Wiener Leitungswasser zu Hause selber. Ist auch noch billiger. Und Obst und Gemüse kaufe ich nur unverpackt. Das führt dazu, dass sich mein Müllberg ganz von selbst verkleinert. Oft braucht mein Mistsack zwei Wochen, bis er voll ist. Bei Kleidung und Mode wird es ein bisschen kniffliger. Das ist mir nämlich sehr wichtig, ich habe eine massive Allergie dagegen, auszusehen wie ein Öko-Freak. Die Lösung sind Kleidertauschpartys. Meine Shoppinglust und das Bedürfnis nach neuen Looks sind befriedigt, und mein ökologisches Gewissen ist auch beruhigt. Und jedes Teil erzählt mir eine Geschichte. Viel spannender als "Ich komme von H&M ...". Es braucht keine revolutionären Lebensstiländerungen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Eher ist es eine Rückbesinnung darauf, was meine Eltern getan haben, als ich ein Kind war: selber kochen, Haupttransportmittel ist das Rad, das Gewand der Kinder wird weitergegeben. Eine einzige Leidenschaft habe ich, die meinem ökologischen Fußabdruck nicht guttut: Fernreisen. Aber diese "Sünde" bedeutet nicht, dass ich im Alltag auch gleich den Hut draufhaue.

Nunu Kaller ist kritische Konsumentin und schreibt den Blog "Ich kauf nix!" Dort berichtet sie über ein Jahr ohne Kleiderkauf und das Leben danach. ichkaufnix.com

Was ist wichtiger? Ausdauersport oder Muskeltraining? Und gibt es die perfekt Fitnessübung?

"Leider, die eine Übung, die alles kann, gibt es nicht. Nur der richtige Mix aus Ausdauer- und Kraftsport macht uns fit", betont Physiotherapeutin Anita Grassel. Besonders wichtig sind die Muskeln, sie halten den Bewegungsapparat in Form. Ausdauertraining stärkt wiederum Herz und Kreislauf. Es lässt sich relativ leicht in den Alltag integrieren: Stiegen steigen, statt den Lift zu nehmen, zu Fuß gehen statt mit Auto oder Öffis zu fahren. "Wichtig ist, dass man schnell geht, nicht schlendert. Dann ist nämlich der Puls erhöht, Herz und Kreislauf bekommen tatsächlich ein leichtes Training. Wer dazu noch täglich 3 x 2 Minuten Seilspringen kombiniert, ist gut unterwegs." Wer trotzdem eine Art Universalübung sucht, macht am besten Burpees. Die bringen mehr Kraft, Ausdauer und bessere Fettverbrennung.

  • So geht der Burpee: Aus der Hocke Strecksprung machen, zurück in die Hocke und in die Liegestützposition springen, ca. 15 Sek halten. 3 x 15 Wh.
  • Zusatzübungen: Wer mehr für sich tun will, kombiniert dazu Kniebeugen und Ausfallschritte. 20-30 Min. aktive Bewegung täglich sind ideal.

Anita Grassel ist die leitende Physiotherapeutin im Medizinzentrum Alserstraße in Wien. mza.at

Im Wochentakt gibt es neue Theorien, wie man sich richtig ernährt. Doch was ist jetzt wirklich die beste Methode?

Es gibt die eine, perfekte Art zu essen – aber die ist individuell ganz unterschiedlich. Vergiss Veganismus, die 5-Faktor-Diät, Trennkost und andere Ernährungsdiktate. Mache dich auf die Suche nach dem, was dein Organismus und Gewissen brauchen. Drei Fragen helfen dabei: Gibt mir mein Essen alles, was ich brauche, um fit und gesund zu sein? Bin ich glücklich mit meiner Ernährung? Welche Auswirkung hat meine Art zu essen auf andere Menschen, Tiere und Umwelt?

Zu Frage eins gibt es jede Menge anerkannte Richtlinien, die gesunde Ernährung ausmachen und die die meisten auch kennen: Mehr Gemüse und Hülsenfrüchte essen, weniger Fleisch. Frisch kochen, auf Fertigprodukte verzichten. Zucker und Weißmehl reduzieren. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Die Regeln sind eigentlich ziemlich simpel. Relevant ist Frage zwei: Bin ich damit auch zufrieden? Wenn ich ständig gegen meinen Gusto esse, werde ich das nicht durchhalten. Gönne dir Auszeiten. Wer ab und zu sündigt, ist insgesamt konsequenter. Und schließlich Frage drei: Dir sind Tiere und Umwelt nicht egal? Dann probiere, ob das vegetarische Leben deinem Geschmack entspricht. Oder setze auf Biofleisch. Saisonale Produkte aus der Region vermeiden lange Transportwege und schonen die Umwelt. Zugegeben, nebenbei geht das alles leider nicht. Doch das sollte einem die Gesundheit doch wert sein.

Monika Masik plädiert für ein Zurück zur Normalität beim Essen. Die Ernährungswissenschafterin hat dafür das Programm "New Feeling" erarbeitet. masik.at

Wie lege ich mein Geld sinnvoll an, ohne den Finanzkapitalismus zu unterstützen?

Man unterstützt nicht automatisch böse Kräfte, wenn man Geld anlegt. Vielen Menschen sind Umwelt und Nachhaltigkeit sehr wichtig. Du willst deshalb auch mit deinem Geld nichts unterstützen, was du sonst ablehnst, zum Beispiel Waffenproduktion, Atomkraftwerke, Umweltverschmutzung, Gentechnik, Tierversuche, Kinderarbeit oder soziale Ungerechtigkeit. "Der Begriff Finanzkapitalismus weckt aber bei manchen genau diese Assoziationen. Der ist jedoch nicht unbedingt böse. Fakt ist, wenn man sein Geld in Fonds und Aktien anlegt, ist man automatisch Teil des globalen Finanzmarkts. Man kann sich aber bewusst für eine Variante entscheiden, die einen sozialen und ökologischen Mehrwert hat", zeigt Finanzexpertin Eveline Janek-Zenker entsprechende Möglichkeiten auf. Auch zahlreiche internationale Studien bestätigen, dass Verantwortung und Rendite keinen Widerspruch darstellen. Die entsprechenden Fonds unterliegen strengen Kriterien, darin vertretene Unternehmen werden auf Herz und Nieren geprüft. Auch im Erste Asset Management befasst sich ein mehrköpfiges Expertenteam ausschließlich mit dem Thema "Nachhaltige Veranlagungen". "Es braucht übrigens keine großen Summen, um sich an so einem Investment zu beteiligen. Schon 50 bis 100 Euro pro Monat machen Sinn. Es handelt sich dabei allerdings um langfristige Veranlagungen. Wenn Sie das Geld spontan brauchen, ist das schwierig." Nachhaltige Investments sind:

  • Mikrofinanzfonds. Über einen Dachfonds wird gezielt in Mikro-Kredite an Privatpersonen in Entwicklungsländern investiert. Dadurch wird in diesen Regionen das Unternehmertum gefördert, eine wirksame Hilfe zur Selbsthilfe.
  • WWF Stock Environment. Dieser Spezialfonds setzt auf Schlüsseltechnologien im Umweltbereich wie erneuerbare Energien (Wind, Solar), Energiespeicherung, Optimierung des Energietransports und neue Antriebsarten wie Elektroautos. Wirtschaftliche, soziale und ökologische Kriterien werden gleichermaßen berücksichtigt. Eine Besonderheit ist die Zusammenarbeit mit dem WWF. Ein Teil der Rendite wird in Fluss- und Klimaschutzprojekte investiert. Seit dem Beginn im Jahr 2006 kamen so schon rund zwei Millionen Euro dem Naturschutz zugute.
  • Nachhaltige Immobilienfonds. Hier wird neben der Wirtschaftlichkeit auch auf soziale Komponenten und Umweltkriterien beim Bau Wert gelegt. Sonderwohnformen wie Studentenheime, Seniorenresidenzen oder betreutes Wohnen werden gezielt unterstützt.
  • Öko-Aktienfonds. Die Aktienauswahl ist hier begrenzt, bedenkliche Investments mit Atomenergie, Kinderarbeit, Rüstungsindustrie und mehr sind ausgeschlossen. Dagegen kommen spezielle Green Bonds, Climate Awareness Bonds und zertifizierte Social Bonds zum Zug. Ein gezielter Auswahlprozess garantiert die Nachhaltigkeit.

Eveline Janek-Zenker beschäftigt sich mit nachhaltigen Veranlagungen. Sie ist Senior Sales Managerin beim Erste Asset Management. erste-am.at

Gibt es einen Weg, um meine Kreativität besser anzuzapfen?

Reden wir von Kreativität, so denken viele von uns an große Maler oder Komponisten und ihre Werke. Doch man muss kein Wunderkind oder Universalgenie sein, um kreative Höchstleistungen zu vollbringen. Jeder von uns trägt diese Fähigkeit in sich und verwendet sie permanent. Kreatives Denken und Handeln zeigt sich etwa in der Fähigkeit zum Improvisieren, bei ungewöhnlichen Lösungsstrategien, im Querdenken, in der persönlichen Bewältigung von Lebenskrisen und mehr. Oft ist aber der Zugang zu dieser Ressource durch innere und äußere Kritiker verschüttet, wir trauen unserem eigenen Urteil nicht mehr. Wenn du nicht weißt, wie du ein Problem lösen sollst, überlege einfach einmal, wo generell deine Talente sind und was dir Spaß macht. Du kannst singen, nähen, kochen, heimwerken, organisieren? Welche dieser Fähigkeiten könnte beim aktuellen Problem helfen? Um die Ecke denken ist erwünscht. Schicke eine Nachricht an zehn Freunde und bitte sie um ihren ersten Gedanken zu einer Frage. Das ist erweitertes Brainstorming. Schreibe zu einem Begriff schnell und ohne Zensur oder Bewertung alles auf, was Ihnen einfällt. So entstehen neue Denkmuster. Gehe nicht immer erprobte Wege und entscheide dich ganz bewusst ab und zu für die ungewöhnliche Lösung. Dann ist neuer Schwung garantiert!

Renate Waas leitet das Institut für Kunsttherapie in Zirl. Sie ist diplomierte Lebensberaterin, Mal- und Gestalttherapeutin. kunsttherapie-tirol.at

Meine Eltern sind alt und brauchen Betreuung. Ist es o.k., wenn ich das nicht selbst übernehme?

Die Betreuung von Eltern und älteren Verwandten ist eine Mammutaufgabe, die viele unterschätzen. Hier herrscht großes emotionales Konfliktpotenzial. Am Anfang sind die Pflegebedürftigen meist sehr dankbar. Doch beinahe immer tauchen irgendwann Aggressionen auf, weil den Betroffenen die persönliche Ohnmacht und der körperliche Verfall bewusst werden. Umgekehrt ist die Pflege eine körperliche und psychische Belastung, für die man meist wenig Anerkennung bekommt.

Deshalb sind Institutionen wie die Hauskrankenpflege, Einkaufshilfe und Ähnliches so wertvoll. Angehörige sind oft voll berufstätig oder wohnen zu weit weg, um täglich vorbeizukommen. Familienfremde Personen können sich besser abgrenzen, was viele potenzielle Konflikte erst gar nicht entstehen lässt. Das ist auch eine wichtige emotionale Entlastung. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern kann dadurch wieder viel respektvoller sein und bekommt eine neue Qualität. Die gemeinsam verbrachte Zeit wird sinnvoll und unterhaltsam gestaltet. Und es gibt vielen älteren Menschen die Möglichkeit, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben – ein hoher Gewinn an Lebensqualität.

Barabra Gross ist Vorsitzende der Volkshilfe Österreich. Die gemeinnützige Organisation stellt neben anderen Projekten Pflege und Betreuung für ältere Menschen bereit. volkshilfe.at

Wie bekomme ich den Druck, die Bedürfnisse aller befriedigen zu müssen, aus Weihnachten raus?

Weihnachten ist das Fest der Familie und der Nächstenliebe – ein wunderschönes Ereignis für alle, die harmonische Tage mit ihren Liebsten verbringen können. "Doch das baut auch ziemlichen Druck auf. Durch Stress im Vorfeld, unterschiedliche Erwartungshaltungen, die nur schwer unter einen Hut zu bringen sind, oder zu viel Verwandtenbesuch ist das Konfliktpotenzial besonders hoch. Auch fühlen sich gerade rund um die Feiertage Menschen, die keinen familiären Anschluss haben, einsam", kennt Krisen-Psychologin Barbara Juen die Probleme. Bedenke folgende Punkte:

  • Hauptverantwortlich für Konflikte sind unausgesprochene Erwartungen. Tausche dich deshalb vorher aus, was jeder Einzelne möchte, und suche Kompromisse, mit denen alle Beteiligten so weit zufrieden sind. Verzichte auf zu viel Perfektionismus, weniger ist in dem Fall mehr. Jährlich wiederkehrende Rituale nehmen Stress raus und sorgen für einen besonderen Wohlfühlfaktor.
  • Minimiere den Stress. Überlege rechtzeitig, wem du was schenken möchtest, schmücke den Christbaum zeitig genug, teile die zu erledigenden Aufgaben unter allen Familienmitgliedern auf.
  • Zu viel Nähe fördert Konflikte. Schaffe Freiräume, indem du Verwandtschaftsbesuche zeitlich begrenzt. Du kannst z. B. einen Feiertag nur für dich reservieren.
  • Auch wenn Weihnachten als Familienfest gilt, lass dich nicht dazu zwingen, wenn du anders feiern möchtest. Verbringe den Tag mit Freunden, fahre auf Urlaub oder ins Wellnesshotel.
  • Menschen ohne Familie leiden besonders an den Feiertagen unter Einsamkeit und dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Wie wäre es mit Freiwilligenarbeit? Studien zeigen, dass anderen zu helfen auch das eigene Wohlbefinden fördert.

Barbara Juen ist Psychologin und Leiterin des Kriseninterventionsteams beim Roten Kreuz. Um die Weihnachtszeit ist die Kummernummer (in Kooperation mit Ö3) stark frequentiert. roteskreuz.at, Tel.: 116 123

Thema: Psychologie

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