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30 Jahre künstliche Befruchtung - Bechermethode

Seit 30 Jahren gibt es nun schon die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung. WOMAN hat die wichtigsten Informationen zur Bechermethode für Sie.


30 Jahre künstliche Befruchtung - Bechermethode
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Die künstliche Unterstützung der Fortpflanzung feiert dieses Jahr ihr dreißigjähriges Bestehen. Die „Bechermethode“ ist eine Möglichkeit der künstlichen Befruchtung für Paare, deren Kinderwunsch auf natürlichem Wege nicht erfüllbar ist.

Doch wie funktioniert die Bechermethode ? Wie sieht die rechtliche Lage in Österreich aus – und mit welchen Kosten muss man rechnen? Monika Stroh-Weigert , Gynäkologin und ärztliche Leiterin des Wunschbaby-Institut Feichtinger, Institut für Kinderwunsch, klärt auf.

Zuerst einmal muss der Begriff „Bechermethode“ etwas genauer definiert werden: „Grundsätzlich bezeichnet man mit der Bechermethode den Vorgang, bei dem es zur Abgabe des männlichen Ejakulats in einen Behälter kommt und diese Samen dann der Frau (z.B. mit Hilfe einer Spritze) in die Scheide eingeführt werden“, beschreibt Stroh-Weigert. Das kann unmittelbar nach der Ejakulation passieren.

Vergeht etwas Zeit bis zur Injektion, muss das Ejakulat verflüssigt werden – dies geschieht in einem Behältnis, das bei Körperwärme (z.B. im Hosenbund oder im BH) getragen wird.

Ist die Befruchtung erfolgreich, verläuft die Schwangerschaft gleich wie eine, die auf natürlichem Weg zustande gekommen ist.

Stroh-Weigert: „Der Begriff der Bechermethode ist allerdings ein wenig tückisch, weil er sehr weitführend ist. Die Bechermethode wird nämlich bei verschiedensten Methoden der künstlichen Befruchtung angewendet.“

So gibt es beispielsweise die Möglichkeit der Bechermethode im ursprünglichen Sinn . Unter dieser sehr häufig verwendeten Methode versteht man die Samenübertragung in den Genitaltrakt der Frau.

Die Methode kann eingesetzt werden, wenn es nur geringe Fruchtbarkeitsprobleme beim Mann gibt – etwa, wenn dieser keinen Sex haben kann oder die Weitergabe von Erbkrankheiten unterbunden (nur im Rahmen einer Fremdsamenspende in einem Institut mit Samenbank) werden soll. Sie kann aber auch bei Fruchtbarkeitsproblemen der Frau zum Einsatz kommen.

Die Insemination kann beispielsweise selbst zuhause , z.B. in Form einer Kappeninsemination, erfolgen. „Bei dieser Methode erfolgt die Spermaübertragung mit einer speziellen Kappe, welche vor den Muttermund der Frau gestülpt wird,“ erklärt Stroh-Weigert. Diese Methode wird vor allem angewandt, wenn das Spermium des Mannes nicht die nötigen Eigenschaften aufweist.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit der professionellen Durchführung durch einen vertrauenswürdigen Gynäkologen oder einem zuständigen Institut. Die Übertragung des Samens erfolgt hier mit einem Katheder, in welchen der männliche Samen aufgezogen wird. „Je nach Methode wird dieser entweder direkt in die Gebärmutter (intrautrin) oder den Gebärmutterhals (intrazervikal) eingeführt.“, sagt Stroh-Weigert.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Bechermethode?

Eine Selbstanwendung ist dann sinnvoll, wenn…

• der Geschlechtsverkehr nicht möglich bzw. gestört ist.
• die männliche Ejakulation jedoch erfolgen kann.
• die Spermienqualität geringgradig verschlechtert ist.
• die Frau sich über den Zeitpunkt ihres Eisprungs im Klaren ist.

Je nach Problem des Paares gibt es natürlich noch andere Methoden (z.B. In Vitro Fertilisation IVF), mit denen die Befruchtung durchgeführt werden kann.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine künstliche Befruchtung vor dem 35. Lebensjahr der Frau durchzuführen. „Je älter die Frau, desto geringer ist die Chance schwanger zu werden. Auch die Samenqualität des Mannes ändert sich im mit steigenden Alter – aber das Alter der Frau ist bei der künstlichen Befruchtung entscheidend“, so Expertin Stroh-Weigert.

Außerdem müssen beide Partner vor einer künstlichen Befruchtung unbedingt von einem Arzt untersucht werden. So können beispielsweise der Übertragung von Infektionskrankheiten oder gefährlicher Keime im Ejakulat des Mannes vorgebeugt werden.

Gerade bei der Heiminsemination kann es durchaus sein, dass die Frau nicht schwanger wird, weil ihr beispielsweise nicht bekannt ist, dass ihre Eileiter verschlossen sind. Wenn eine Frau, deren Eisprung regelmäßig ist, mehrmals ungeschützten Geschlechtsverkehr hat und dennoch nicht schwanger wird, kann dies ganz verschiedene Gründe haben. Deswegen bringt die Bechermethode allein unter Umständen keine Veränderung in die gewünschte Richtung, da die Ursache irgendwo anders versteckt liegen kann.

„Um einer derartigen oder ähnlichen Situation vorzubeugen und sich selbst mehrere missglückte Befruchtungsversuche zu ersparen, sollten Sie sich und Ihren Partner in jedem Fall einigen ärztlichen Untersuchungen unterziehen, bevor sie sich an die Selbstinsemination mit der Bechermethode wagen," erklärt Stroh-Weigert.

Welche rechtlichen Regelungen gibt es für die künstliche Befruchtung?

In Österreich ist die Insemination nur Personen möglich, die in einer festen Partnerschaft oder Ehe leben. Alleinstehende Frauen sind von ihr ausgeschlossen. „Des Weiteren ist homosexuellen Frauen derzeit noch jegliche Art der künstlichen Befruchtung in Österreich untersagt “, so Stroh-Weigert.

Auch verbietet das österreichische Recht derzeit noch die Eizellspende – auch wenn dies bereits öfters von Paaren angefochten wurde.

In einigen anderen Ländern wie z.B. Belgien oder Spanien ist die gesetzliche Lage hier liberaler. Weshalb sich dort ein regelrechter „Fruchtbarkeitstourismus“ entwickelt hat.

Viele Paare sind bereit für ihr Wunschbaby weite Hürden und Reisen auf sich zunehmen. Auch viele Österreicher entscheiden sich für diesen Schritt. Eine künstliche Befruchtung, die in Österreich verboten wäre, kann auch im Ausland vorgenommen werden – zumindest verbietet dies die heimische Rechtslage nicht.

Wie hoch sind die Kosten für eine künstliche Befruchtung?

Bei einer Heiminsemination sind die Kosten relativ gering.
Wird die Insemination vom Arzt oder einer Institution durchgeführt, belaufen sich die Kosten meist auf einige hundert Euro, je nach Art und Umfang der Befruchtung.

Bei einer anderen Methode, der künstlichen Befruchtung außerhalb des weiblichen Körpers (In Vitro Fertilisation (IVF)), ist mit weitaus höheren Beträgen zu rechnen. Im Durchschnitt kostet diese Art der Befruchtung mit Medikamenten 3000-3500 €. Unter Umständen können aber bis zu 70% von staatlicher Seite getragen werden.

Frau Stroh-Weigert: „In jedem Fall sollte man sich vor der Entscheidung für eine Methode der künstlichen Befruchtung von ärztlicher Seite gut beraten und untersuchen lassen.“

Redaktion: Anja Bitschnau

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