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13 Dinge, die mental starke Menschen nicht tun

Nicht immer läuft im Leben alles rund. Doch warum kommen manche mit Jobverlust, Trennungen und Schicksalsschlägen leichter zurecht als andere? Die Antwort ist: Sie haben bestimmte Fähigkeiten, durch die sie Lebenskrisen besser meistern.

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13 Dinge, die mental starke Menschen nicht tun
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Gedanken strukturieren, mit Gefühlen umgehen lernen, sich konstruktiv verhalten, egal wie die Umstände sind - das sind Grundvoraussetzungen für mentale Stärke. Wie sehr diese Fähigkeiten helfen können, lernte die amerikanische Therapeutin Amy Morin, als es in ihrem Leben plötzlich ganz dick kam:

Ihre Mutter starb völlig unerwartet an einer Gehirnblutung. Fast auf den Tag genau drei Jahre später wurde sie mit 26 über Nacht zur Witwe: Ihr Mann hatte einen Herzinfarkt. Als sie sich endlich wieder von den Verlusten erholt hatte, erlag auch noch ihr geliebter Schwiegervater einem Krebsleiden.

Doch Morin wollte sich nicht unterkriegen lassen. Therapeutisch geschult, wie sie war, verfasste sie eine Liste mit 13 Grundsätzen, die zuerst einmal ihr selbst helfen sollten. Begeistert davon, wie gut diese wirkten, schrieb sie dann auch ein Buch darüber, das zum Bestseller wurde.

Die Autorin ist überzeugt: Mentale Stärke kann jeder und jede lernen, genauso wie man körperliche Kraft trainieren kann. Manche Menschen bringen natürlich dort wie da bessere Voraussetzungen mit. Die Gene etwa sind dafür mitverantwortlich, ob man zu Stimmungsschwankungen neigt. Eine optimistische Grundhaltung hat auch mit dem Charakter zu tun und hilft, besser über Krisen hinwegzukommen. Schließlich haben die individuellen Lebenserfahrungen einen großen Einfluss. Hat man schon einmal Schweres bewältigt, ist beim nächsten Mal die Zuversicht in bessere Zeiten größer.

Natürlich behauptet niemand, dass man eine schwierige Kindheit mit ein paar Gedankenveränderungen auslöschen kann. Auch nach einem schweren Schicksalsschlag wird man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Aber es ist möglich, nach einer gewissen Schockphase, in der unser System einen Vorfall verdaut, Dinge zu akzeptieren, die man nicht ändern kann.

Mental stark sein heißt nicht, dass man keine Gefühle zeigen darf und immer alles positiv sehen muss, wie das gerade in den USA lange gepredigt wurde. Im Gegenteil: Man soll sich Empfindungen wie Trauer, Schmerz, Wut und Verzweiflung stellen. Manches ist einfach nicht positiv. Nur wenn man sich mit diesen Emotionen konfrontiert, hat man auch die Chance, dass sich das Leben irgendwann wieder normalisiert.

Die besten Entscheidungen treffen wir dann, wenn Gefühlswelt und Vernunft in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Wenn wir unter anderen lernen, uns nicht selbst leid zu tun, es nicht allen recht machen zu wollen, und mutig genug sind, ab und zu ein Risiko einzugehen - dann können wir auch Stress besser bewältigen. Langfristig führt das zu mehr Vertrauen in uns selber, was die allgemeine Lebenszufriedenheit steigert. Eigentlich eine klassische Win-win-Situation.

Sie haben keine Zeit für Selbstmitleid

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Wir alle kennen Schmerz und Trauer. Doch wenn wir uns in diesen Gefühlen häuslich einrichten, arten sie in Selbstmitleid aus. Der Vorteil: Wir müssen uns unseren Ängsten nicht stellen, keine Verantwortung für unsere Taten übernehmen, bekommen Aufmerksamkeit. Doch das führt langfristig nur zu noch größeren Problemen. Wenn man sich selber "so arm" findet, geht jede Aktivität verloren, man sucht gar nicht mehr nach einer Lösung. Und den Freundeskreis nervt das Jammern irgendwann auch.

Sie haben keine Angst vor Veränderungen

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Veränderungen sind nicht nur positiv. Sie bedeuten Arbeit, wir müssen uns mit neuen Situationen arrangieren. Deshalb scheuen viele einen Jobwechsel, beenden eine unglückliche Beziehung nicht. Doch wenn du die Entscheidung nicht triffst, wird sie dir abgenommen, zum Beispiel durch eine Kündigung. Übernimm selbst die Verantwortung!

Sie beharren nicht auf Dingen, die sie nicht verändern können

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Natürlich möchten wir immer alles unter Kontrolle haben, aber ganz ehrlich: Oft genug haben wir die Zügel einfach nicht in der Hand, viele Ereignisse lassen sich nicht steuern oder unseren Vorstellungen gemäß ausrichten. Wir vergeuden dann unnötige Energie damit, etwas ändern zu wollen, das wir nicht beeinflussen können. Der innere Zwang, immer den Überblick zu bewahren, ist im Grunde der Wunsch, mit unseren Ängsten fertigzuwerden. Hat man alles im Griff, muss man sich keine Sorgen mehr machen. Das bremst uns aber, kreative Lösungen zu finden, wenn wir uns unerwarteten Ereignissen oder neuen Situationen stellen müssen. Die Lösung: Leg dir mehr Gelassenheit zu, dann kannst du vieles leichter akzeptieren. Eine gute Übung dafür: Wenn du das nächste Mal im Stau stehst, ärgere dich nicht über die Zeitverzögerung. Plane stattdessen das nächste Familienevent.

Sie wollen es nicht allen recht machen

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Lob und Bestätigung anderer tun uns allen gut, keine Frage. Doch wenn wir dafür unsere eigenen Bedürfnisse hintanstellen, kommen wir irgendwann selber zu kurz. Hinter dem Wunsch, es allen recht zu machen, steckt das Bedürfnis, die Gefühle anderer zu kontrollieren. Akzeptiere, dass du nicht jedem gefallen kannst. Dann ist es leichter, auch einmal Nein zu sagen.

Sie scheuen keine kalkulierbaren Risiken

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Wir gehen ständig finanzielle, körperliche, emotionale und soziale Risiken ein. Das birgt eine gewisse Gefahr in sich, aber es spornt uns auch zu Höchstleistungen an. Das heißt jetzt nicht, dass du dich in jedes Abenteuer stürzen sollst. Aber wenn eine realistische Chance besteht, zum Beispiel eine berufliche Veränderung zu meistern, erhöht es eher unser individuelles Glück, das auszuprobieren. Denn wenn man ein Problem meistert, sorgt das für Selbstbestätigung und Zufriedenheit.

Sie sind nicht neidisch auf den Erfolg anderer

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Ja, es gibt sicher eine Million Menschen, die genau das haben, was wir gerne wollen, und die das nicht einmal verdient haben. Aber dieses Gefühl bringt uns nicht weiter. Vor allem wissen wir nicht, wie diese Menschen dazu gekommen sind und ob wir selbst bereit wären, das auch zu tun. Gönne anderen ihren Erfolg, ehrliche Freude gibt auch dir viel Kraft.

Sie machen nicht immer wieder denselben Fehler

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Fehler zu machen, ist menschlich. Sie sind ein Hinweis darauf, dass wir ein Problem nicht auf die bestmögliche Art gelöst haben. Beim nächsten Mal haben wir eine neue Chance. Wichtige Fragen dabei: Was ist schiefgelaufen? Was kann ich beim nächsten Mal anders machen? Wenn du deine Kinder wieder einmal wegen einer Nichtigkeit angeschrien haben, bist du womöglich einfach überfordert. Das bedeutet nicht nur Stress für dich, du bringst deinen Kindern auch keinen konstruktiven Umgang mit Problemen bei. Atme das nächste Mal erst tief durch, bevor du reagierst.

Sie fürchten das Alleinsein nicht

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Alleinsein bedeutet, niemanden zu haben, der uns ablenkt, von uns selbst, unseren Gedanken und Gefühlen. Und weil das ganz schön fordernd sein kann, verbringen manche jede freie Minute mit Freundinnen, in Social-Media-Kanälen, vor dem Fernseher. Dabei sind es Alleinsein und Nichtstun, die Raum schaffen für Kreativität, neue Gedanken und Weiterentwicklung. Nutze die Zeit, um über dein Leben zu reflektieren. Bist du zufrieden? Was möchtest du ändern? Wo willst du dich weiterentwickeln?

Sie geben nach einer Niederlage nicht auf

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Scheitern ist unangenehm. Es vermittelt uns das Gefühl, dass wir nicht gut oder klug genug sind. Die Menschen um uns sehen, dass wir versagt haben. Doch anstatt es gar nicht mehr zu probieren, sollten wir es das nächste Mal umso härter versuchen. Mache dir bewusst, dass die meisten erfolgreichen Menschen oft sogar mehrere Niederlagen einstecken mussten. Lass dich davon stärken.

Sie geben ihre Macht nicht ab

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Kritik und negatives Feedback macht dich betroffen? Dein Selbstwertgefühl hängt davon ab, dass andere dich mögen, und dafür tust du alles? Du hast ständig das Gefühl, du musst etwas tun und hast keine Wahl? Diese Gefühle sorgen dafür, dass du die Macht über dein Leben nicht mehr hast. Das führt zu Abhängigkeit, Wut und macht dich zum Opfer fremder Befindlichkeiten. Du musst aber gar nicht immer das tun, was andere von dir wollen. Du kannst jederzeit Nein sagen. Mach nicht die Chefin, den Partner oder dein Kind dafür verantwortlich, wenn du dich schlecht fühlst. Wenn dir ein Nein nur schwer über die Lippen kommt, ändere deine Sprache: Sag nicht "Ich muss", sondern "Ich entscheide, ob". Indem du das so formulierst, setzt du anderen ganz unbewusst leichter Grenzen.

Sie erwarten keine unmittelbaren Ergebnisse

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Egal, ob du deine Beziehung verbessern, dich selbstständig machen oder beispielsweise Boxen lernen willst: Gut Ding braucht Weile. Eine schnelle Lösung ist meistens nicht die beste. Wenn du dein volles Potenzial ausschöpfen willst, musst du realistische Erwartungen haben und geduldig auf ein Ergebnis hinarbeiten. Und damit du nicht so schnell aufgibst, lerne, Zwischenschritte als Erfolge zu feiern.

Sie leben nicht in der Vergangenheit

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Zwei Gründe lassen uns in der Vergangenheit stecken bleiben: der Glaube, dass das Leben damals besonders schön war, oder schlechtes Gewissen wegen bestimmter Handlungen. Beides ist kontraproduktiv und hält uns davon ab, in der Gegenwart aktiv zu sein. Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ändern. Freue dich lieber auf das, was noch kommt!

Sie denken nicht, dass das Leben ihnen etwas schuldig ist

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Das Leben ist nicht fair. Erfolg fällt den wenigsten Menschen in den Schoß, in den allermeisten Fällen arbeiten sie hart dafür. Natürlich braucht es auch eine gewisse Portion Glück, aber auch das haben im Normalfall diejenigen, die zum Beispiel im Job durch ihren Einsatz und ihre kreativen Ideen die Voraussetzungen für berufliches Weiterkommen schaffen. Hör auf zu glauben, alles dreht sich nur um dich, werde ein bisschen demütiger. Bitte deine Kolleginnen und Kollegen um Feedback, lerne mit Kritik umzugehen. Gib kleine Fehler und Schwächen zu. Und denk ab und zu darüber nach, wie andere sich fühlen.

Amy Morin, "13 Dinge, die mental starke Menschen nicht tun", Verlag Fischer, € 15,50.

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