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Experteninterview: So macht frau heute Karriere

Social Skills und selbstsicheres Auftreten sind Faktoren, auf die Arbeitgeber bei Frauen Wert legen. Hier wertvolle Expertentipps für Frauen, die Karriere machen wollen!

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Karriere-Frau Tipps vom Experten

Was muss frau mitbringen, um Karriere zu machen?

© Thinkstock Images. Pic by Peshkova.
»Auch wenn die Diskriminierungen gegen Frauen am Arbeitsplatz heute subtiler und weniger offensichtlich als solche erkennbar sind, ist das Thema noch lange nicht vom Tisch.«

Wir haben mit dem Geschäftsführer von USG Professionals Dependance Österreich (eine der größten börsennotierten Headhunting Firmen Europas) über die heutige Jobsituation von Frauen gesprochen. Gibt es noch immer Diskriminierung? Worauf legt der Arbeitgeber heutzutage Wert? Wie können Frauen Job und Familie vereinbaren? Günther Strenn weiß durch seine mehrjährige Erfahrung im HR Bereich worauf es ankommt, wenn Frauen Karriere machen wollen. Er gibt wertvolle Tipps für ein gewinnbringenden Auftreten beim Vorstellungsgespräch, wie auch im Arbeitsalltag.

Günther Strenn, CEO USG Professionals Dependance Österreich

WOMAN: Werden Frauen heutzutage im Job noch benachteiligt? Ja oder nein?
Günther Strenn: Von gleichen Chancen im Job für Männer und Frauen ist man auch im Jahr 2014 weit entfernt. Die „Gender Pay Gap“ liegt in Österreich bei 25%, woraus erkennbar ist, dass Männer bei gleicher Qualifikation für die gleichen Tätigkeiten 25% mehr (!) Gehalt verdienen als Frauen. Aber auch in anderen Bereichen, etwa, wenn es um die Auswahl für Positionen geht, ziehen Frauen oft den Kürzeren: Einen Mann einzustellen, der nicht schwanger werden kann, stellt für viele Arbeitgeber die „sichere“ Alternative dar. Auch wenn die Diskriminierungen gegen Frauen am Arbeitsplatz heute subtiler und weniger offensichtlich als solche erkennbar sind, ist das Thema noch lange nicht vom Tisch.

WOMAN: Hat frau Kinder zuhause, heißt es beim Bewerbungsgespräch oft: "Und wenn die Kinder krank sind..." Welches Gegenargument würden sie Frauen in so einer Situation empfehlen?
Günther Strenn: Gut organisierte Mütter können auf ein Support-Netzwerk zurückgreifen, falls das Kind Betreuung benötigt: Großeltern, Tagesmütter oder FreundInnen, die kurzfristig einspringen können. Außerdem können Frauen ihre zahlreichen Fähigkeiten, die sie sich durch die Mutterschaft aneignen konnten, auch am Arbeitsplatz mit einbringen: Multi-Tasking-Fähigkeiten, Organisationstalent sowie die Fähigkeit, unter Druck zu arbeiten, werden in so gut wie allen Unternehmen gerne gesehen.

WOMAN: Wie sollten Frauen mit dem Dilemma „Familie-Karriere“ umgehen?
Günther Strenn: Durch die häufigen Kompromisslösungen sind Frauen oft besonderen Belastungen ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb wagen es viele Mütter nicht - oder haben auch gar nicht die nötigen Kapazitäten - ihre Karriere durchzustarten. Durch das familiäre Engagement sind sie oft im Unternehmen weniger stabil integriert. Dabei könnte der Arbeitgeber auch von den Fähigkeiten der Arbeitnehmerin profitieren. Wir bieten spezielle Karriere-Coachings an, die Arbeitnehmerinnen helfen, sich attraktiv am Arbeitsmarkt zu positionieren, die eigenen Potentiale und Qualifikationen zu reflektieren und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie anzuregen und individuell zugeschnittene Lösungen zu finden.

WOMAN: In welchen Berufsfeldern haben Frauen derzeit gute Karrierechancen?
Günther Strenn: Dies lässt sich kaum dermaßen pauschal beantworten und hängt in großem Maße von den jeweiligen Unternehmen und angestrebten Positionen ab. Ein klassisch weiblich dominiertes Feld ist der Human-Resources-Bereich, auch im Bereich Vorstandsassistenz findet man vornehmlich Frauen. Im Finance- oder Sales-Bereich sind Frauen stark am Vormarsch, lediglich im IT-Bereich zeigt sich eine starke Asymmetrie, wobei hier Frauen - entsprechende Qualifikationen vorausgesetzt - bei den Unternehmen sehr gerne gesehen und angestellt werden.

»Berufstätige Mütter sind oft stressresistenter und belastbarer, jedoch sind sie oft mit Vorurteilen konfrontiert.«

WOMAN: Auf welche 3 Eigenschaften legt der Arbeitgeber besonderen Wert?
Günther Strenn: Kompetenz, ein gewinnendes Auftreten und Flexibilität. Frauen können oft bei gleichen Qualifikationen mit höher ausgeprägten Social Skills punkten - neben einer reinen Aufgabenorientierung bringen sie auch Teamgeist und Einfühlungsvermögen für Ihre Kollegen mit. Berufstätige Mütter sind oft stressresistenter und belastbarer, jedoch sind sie oft mit dem Vorurteil konfrontiert, sie könnten aufgrund der Doppelbelastung von Job und Familie ihren Aufgaben am Arbeitsplatz nicht in dem Maße und jener Flexibilität nachkommen, wie das bei männlichen Kollegen bzw. Frauen ohne Kindern der Fall ist.

WOMAN: Wie bereitet man sich am besten auf ein Bewerbungsgespräch vor?
Günther Strenn: Gewisse Grundregeln gelten für Männer wie für Frauen gleichermaßen: Gut aufbereitete, aussagekräftige Bewerbungsunterlagen sind nicht nur die Voraussetzung, überhaupt erst eingeladen zu werden, sondern bilden auch die Grundlage für ein solides Gespräch. Der bisherige berufliche Hintergrund soll ebenso wie aktuelle Ambitionen und Erwartungen begründet und nachvollziehbar sein. Auch ein natürliches, sympathisches Auftreten schafft eine angenehme Atmosphäre für das Gespräch. Eine Recherche über das Unternehmen, bei dem man sich bewirbt, zeigt Interesse und Motivation.

WOMAN: Was können Frauen tun, um ihre Karriere voranzutreiben?
Günther Strenn: Aus meiner Sicht kann ich Frauen dazu raten, nicht zögerlich zu sein, ihre Ambitionen etwa in Mitarbeitergesprächen zu deponieren, oder Zusatzaufgaben übernehmen, die jenseits ihrer regulären Funktion sind. Dies dient nicht nur als Bewährungsprobe, sondern überzeugt auch die unmittelbar Vorgesetzten. Darüber hinaus ist es natürlich auch wichtig, die Karriere langfristig zu planen und sich mit den richtigen Personen zu vernetzen. Frauen sollten auch die flexiblen Angebote nutzen, die von Arbeitgebern gemacht werden, sodass auch während einer „Elternzeit“ der Kontakt zum Unternehmen nicht gänzlich abreißt.

»Viele Frauen sind häufig zu bescheiden, zu nett, zu leise.«

WOMAN: Was gehört zu den typischen „Fallen“, in die Frauen am Arbeitsplatz tappen können?
Günther Strenn: Viele Frauen sind häufig zu bescheiden, zu nett, zu leise. Sie meiden darüber hinaus Konfrontationen, auch wenn sie im Recht wären und lassen zu, dass andere die Lorbeeren für ihren Fleiß ernten. Perfektionismus und Genauigkeit sind oft ein Nachteil, wenn man Aufgaben auch an andere delegieren könnte. Auch die Tatsache, dass Frauen sich weniger zutrauen, als sie könnten, und die Scheu vor Verantwortung kann sich als Bremse für eine weitere Karriere auswirken.

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