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Englischer Top-Club engagiert österreichische Kickerin Viktoria Schnaderbeck

Sie ist die Kapitänin des Frauenfußball-Nationalteams und kickt beim FC Bayern München. Viktoria Schnaderbeck ist Österreichs Top-Export am weiblichen Spielermarkt. Trotzdem will sie nicht so bekannt werden wie ihre männlichen Kollegen.

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Viktoria Schnaderbeck

Viki & die starken Frauen

© Getty Images

Update: Nach 11 Jahren bei Bayern München verlässt nun die Ausnahmespielerin ihren Verein, um zu Arsenal London zu wechseln! Wir wünschen Viki bei dieser neuen Herausforderung alles Gute!

Der große Durchbruch von Viktoria Schnaderbeck hat mit einem Rückschlag begonnen. 2007 wechselte die damals 16-Jährige von ihrer Heimat Kirchberg nach München, wo sie vom FC Bayern München verpflichtet wurde: "Ich habe meine ganze Familie und alles, was mir Sicherheit gegeben hat, hinter mir gelassen. Weil Fußball mein großer Traum war. Ein Dreivierteljahr später habe ich mir das Kreuzband gerissen. Ich wurde von 100 auf 0 runterkatapultiert. Im ersten Moment wollte ich alles hinschmeißen, doch während der Reha habe ich mir schnell wieder neue Ziele gesteckt und wollte wieder voll angreifen." Und das hat sie!

»Ich habe meine ganze Familie hinter mir gelassen!«

SEIT 20 JAHREN DABEI. Zehn Jahre (und fünf Operationen) später ist sie eine der besten Fußballerinnen im deutschsprachigen Raum. Mit dem FC Bayern München wurde die Abwehrspielerin im Juni deutsche Vizemeisterin, und ab dem 16. Juli will sie mit der österreichischen Damen-Nationalmannschaft bei der EM in den Niederlanden angreifen. Nervös? "Es gibt natürlich einen gewissen Leistungsdruck und Erwartungen von außen. Das ist im Profisport einfach so. Und schließlich haben wir es uns auch hart erarbeitet, dass wir dort hinkommen."

Angefangen mit 6 Jahren

Angefangen hat die gebürtige Steirerin mit sechs Jahren. Damals kickte sie als einziges Mädchen in einer Burschenmannschaft: "Und bei Familienfeiern haben wir nach dem Essen immer im Garten gespielt. Irgendwo haben wir immer einen Fußballplatz gefunden." Irgendwie logisch, dass Schnaderbecks Familie in der Sportszene mittlerweile eine fixe Größe ist. Cousin Sebastian Prödl spielt beim englischen Topclub FC Watford, Bruder David Schnaderbeck kickte bis 2016 für den SK Sturm Graz, Cousine Paula Kicker ebenso. Und Cousin Jakob Kicker ist beim Kapfenberger SV als Tormann im Einsatz.

Mit Fußballstar David Alaba, der genauso wie sie beim FC Bayern München unter Vertrag ist, ist Schnaderbeck nicht verwandt. Aber gut bekannt. Alaba kam ein Jahr nach ihr nach München. "Wir kennen uns schon lange. Früher haben wir mehr miteinander zu tun gehabt, mittlerweile hat jeder sein eigenes Leben und seine Termine. Wenn wir uns sehen, freuen wir uns und quatschen."

»Das Geld ist wohl der größte Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball.«

MEHR GELD? JA, BITTE! Alabas Marktwert beläuft sich aktuell auf rund 40 Millionen Euro. Sein Gehalt wird auf elf Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Sponsoring- und Werbeverträge noch nicht inkludiert. Sind die Verträge im Frauenfußball ähnlich lukrativ? "Leider nicht, das Geld ist wohl der größte Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball. Ich kann gut davon leben, ausgesorgt habe ich aber noch lange nicht", lacht die 26-Jährige. "Klar, mehr Honorar wäre schön, aber da hat sich auch schon viel getan. Vor zehn Jahren konnte man als Frau noch nicht vom Fußballspielen leben. Wenn es in diese Richtung weitergeht, ist für die nächste Generation noch einmal mehr drinnen. Aber die immens hohen Ablösesummen bei den Männern finde ich teilweise auch übertrieben. Es ist immer noch Fußball."

MEHR PUBLICITY? NEIN, DANKE! Nicht nur auf finanzieller Ebene, auch in der öffentlichen Wahrnehmung wird dem Männerfußball immer noch mehr Prestige zuteil. Nervt das nicht? "In unserer Gesellschaft ist er eben noch immer sehr als Männersport verankert. Da tut sich aber viel. Auch die Frauen werden immer mehr von Medien und Fans wahrgenommen. Eine gewisse Aufmerksamkeit zeigt Wertschätzung, das finde ich schön. Immer und überall erkannt werden, wie einige männliche Kollegen, möchte ich aber nicht. Da würde ich nicht tauschen wollen."

»Ich finde es für den Kopf wichtig, dass ich auch andere Aufgaben habe, die mich herausfordern.«

Schnaderbeck verlässt sich auch nicht auf die Karriere am grünen Rasen. Neben dem Fußball hat sie in Deutschland das Abitur gemacht, danach eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation absolviert und im Vertrieb gearbeitet. Im Sommer will sie ihr Sportmanagement-Studium abschließen: "Mir war immer bewusst, dass es schnell vorbei sein kann. Und ich finde es für den Kopf wichtig, dass ich auch andere Aufgaben habe, die mich herausfordern."

Viktoria Schnaderbeck

KICK IT LIKE VIKI. Deshalb hat die 26-Jährige auch bereits einen Plan B für die Karriere nach dem Fußball parat: "Am liebsten würde ich im Sport bleiben. Vielleicht als Beraterin oder in einer anderen Funktion im Verein oder Verband." Aktuell schreibt sie aber gerade noch an ihrer Bachelorarbeit. Ihr Thema: Karriereende im Fußball. Ihres soll jedoch noch in weiter Ferne liegen: "Mal schauen, wie lange es meine Knie und mein Körper mitmachen, aber die nächsten vier Jahre möchte ich schon noch gern als aktive Fußballerin am Platz stehen."

Make-up, Mode, Männer

Neben dem Sport und dem Studium hat sich Schnaderbeck auch in der Modeszene versucht. Sie designte für die Marke "COWstyle" iPhone-Hüllen, Lederarmbänder, Halsketten: "Das hat sich aus einer Kooperation entwickelt. Zuerst war ich ihr Testimonial, jetzt durfte ich meine Kollektion entwerfen." Apropos Fashion: Wie eitel darf man sein, wenn man verschwitzt über den Rasen sprintet? "Ich bin eher der natürliche Typ, aber Wimperntusche und Eyeliner trage ich auch während des Matchs. Trotzdem geht es um den Sport und nicht darum, wer wie geschminkt ist. Auch manche männlichen Fußballer polarisieren da mit Frisuren und Tattoos ziemlich stark, das ist schon mehr Marketingstrategie."

Eine Frage hätten wir da noch an unseren sportlichen Austro-Export: Wie ist das eigentlich mit der Liebe? Wenn bei den Männern im Publikum die Spielerfrauen mitfiebern - gibt es dann bei ihr einen Mann, der die Daumen drückt? "Kein Kommentar. Mein Privatleben gehört mir, das will ich nicht in der Öffentlichkeit präsentieren."

Zwei Österreicher als Deutsche Meister: 2016 feierte Schnaderbeck mit David Alaba den Deutschen Meistertitel.

Thema: Fußball

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