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Die sieben größten Yoga-Mythen

Ich bin zu unbeweglich. Das ist nicht anstrengend. Das sind alles VeganerInnen. Vorurteile über die Yoga-Welt gibt es unzählige. Wir haben die häufigsten hinterfragt.

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Die sieben größten Yoga-Mythen
© Photo by Yayan Sopian on Unsplash

Yoga boomt seit Jahren. Besonders jetzt zu Corona-Zeiten. Immerhin braucht es dafür nicht mehr als eine Matte und zwei Quadratmeter Platz. Übungen wie der Herabschauende Hund sorgen schon lange für keine verstörten Blicke mehr, eine Yoga-Lehrerin im Bekanntenkreis ist fast selbstverständlich. Und trotzdem kursieren bis heute unglaublich viele (und teils absurde) Vorurteile über die Praxis. Wir räumen hier mit den häufigsten Klischees, Ausreden und Behauptungen auf.

1. Das ist doch nicht anstrengend, das kann jeder.

Nein. Egal ob Ashtanga , Vinyasa Flow , Relax , Yin oder sonst ein Yogastil, die Beschreibung "nicht anstrengend" ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Hast du schon einmal probiert, fünf Minuten lang im Meditationssitz zu verharren und "nichts" zu tun? Viel Spaß dabei. Die meisten von uns stoßen da schnell an ihre Grenzen. Da reden wir noch gar nicht von Übungen wie Plank , Chaturanga , Krähe oder Handstand . Rein körperlich betrachtet ist Yoga ein richtig gutes Krafttraining, das durch seine vielen Drehungen, Balancehaltungen und dreidimensionalen Übungen allen aktuellen Anforderungen der Sportwissenschaft entspricht.

2. Ich bin viel zu ungelenkig für Yoga.

Eine Ausrede, die meist von den Männern der Schöpfung genutzt wird. Gut – ein Körnchen Wahrheit steckt sogar drin. Männer sind generell weniger gelenkig als Frauen. Aber hey, Burschen haben dafür tendenziell mehr Kraft. Überhaupt: Prinzipiell sollten vor allem ungelenkigere Menschen zum Yoga gehen. Denn das ändert sich dabei unglaublich schnell. Klar, nicht jeder Stil ist für jeden geeignet. Aber es gibt die passende Richtung für jede Voraussetzung – egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, gesund oder mit Handicap. Wer schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, sollte also einfach eine andere Praxis ausprobieren. Bei Yin Yoga etwa geht es in erster Linie um sanfte Dehnung.

3. Das sind doch alles VeganerInnen.

Definitiv nicht! Ja, einige Menschen, die Yoga praktizieren, setzen sich bewusster mit Ernährung auseinander, achten auf ihre Gesundheit, schwören vielleicht auch schlechten Gewohnheiten ab. Da man sich dabei mit dem eigenen Körper beschäftigt, lernt man viel besser, in ihn hinein zu hören und nimmt seine Bedürfnisse deutlicher wahr. Trotzdem: Viele Yogis lieben Genuss, essen Fleisch und Süßes, trinken abends ein Glaserl Wein oder machen ordentlich Party. Spaßbremsen? Ganz im Gegenteil!



4. Das ist auch nichts anderes als Gymnastik.

Rein körperlich betrachtet: Ja. Aber wer Yoga einmal ausprobiert, erkennt schnell: Da steckt viel mehr drin. Man stellt sich nämlich nicht einfach hin und turnt los, der ganzheitliche Aspekt ist wesentlicher Teil des Konzepts. Das bedeutet, dass man sich mit einer Atemübung einstimmt. Die Asanasas beziehungsweise Körperhaltungen sind ein permanenter Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Und ganz wichtig sind ruhigere Übungen zum Runterkommen gegen Ende und Savasana , als die Endentspannung. Durch diesen Aufbau wird auch Raum geschaffen für Gedanken, Emotionen, Ideen, aus denen sich neue Blickwinkel entwickeln können. Das geht viel tiefer als "bloße" Gymnastik.

5. Für Yoga muss man tiefenentspannt sein.

Ganz im Gegenteil. Gerade wenn es stressig ist, schlechte Laune oder PMS zuschlagen, ist eine Stunde auf der Matte das Beste, was man für sich tun kann. Denn der Flow der Übungen, die Konzentration auf sich selbst plus die ruhigen Atemzüge wirken sich positiv auf das vegetative Nervensystem aus – wir kommen runter. Es kann natürlich vorkommen, dass währenddessen der Zorn so richtig in einem hochkocht oder tiefe Emotionen an die Oberfläche kommen. Und das ist gut so. Die Kunst ist, diese loszulassen. Am Ende der Einheit ist man dann nämlich garantiert tiefenentspannt.

6. Beim Yoga kann man sich nicht verletzen.

Irrtum. Wie überall beim Sport drohen auch beim Yoga Verletzungen. Nämlich dann, wenn das Prinzip der Achtsamkeit ignoriert wird. Es geht darum, die eigenen Grenzen zu erkennen. Natürlich soll die eigene Komfortzone bei der Praxis ein bisserl ausgedehnt werden – aber eben nicht auf Teufel komm raus.

7. Yogis sind immer friedlich.

Nein, Yogis sind auch nur Menschen. Sie kennen ebenso negative Gefühle wie übertriebenen Ehrgeiz, Neid oder Feindseligkeit, die sie nicht einfach abschalten können. Allerdings ist die Grundhaltung im Yoga eine friedliche. Das Prinzip ist, nichts von sich selbst oder anderen zu erwarten, aber auch nichts auszuklammern. Egal ob positiv oder negativ.