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Abnehmen? Hör' auf deinen Bauch!

Diäten bedeuten meistens Frust: Zuerst der Verzicht, dann der Jojo-Effekt. Eine neue Bewegung postuliert das Gegenteil: Abnehmen kann nur, wer auf seinen Bauch hört.

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Abnehmen? Hör' auf deinen Bauch!

Du hast Gusto? Wenn du abnehmen willst - dann geh' ihm nach!

© Thinkstock/Monkey Business

Eine Diät ist immer auch ein Kampf gegen dich selbst. Du isst jeden zweiten Tag nichts. Oder du verzichtest auf Kohlenhydrate. Streichst Zucker von deinem Speiseplan. Kurzum: Du kasteist und quälst dich, versagst dir jeden Genuss – zu nur einem Zweck: ein paar Kilo weniger.

Lässt deine Selbstdisziplin nach, folgt der Jojo-Effekt. Die mühevoll verlorenen Kilos: Doppelt und dreifach wieder da. Bedeutet erneuten Ärger, erneute Qual, erneuten Stress. Und gerade letzterer hat neuesten Forschungen direkten Einfluss auf unser Gewicht. Denn vor allem das Stresshormon Cortisol soll das Abnehmen erschweren. Laienpsychologisch liegt die Erklärung fast auf der Hand: Unser Körper panzert sich gegen den Stress – leider eben in Form einer Fettschicht.

Abnehmen? Bedeutet loslassen!

Unter Ernährungswissenschaftlern und Psychologen wird nun immer vehementer diskutiert: Können wir vielleicht schon dadurch Abnehmen, indem wir uns vom zwanghaften Wunsch danach verabschieden? Indem wir statt Verzicht zu üben einfach einmal loslassen? Und stattdessen lieber bewusster und achtsamer mit unserem Körper und seinen Signalen umgehen?

Diäten bedeuten Stress. Steht das dafür?

Meditation gegen Stress und Kilos

Hoffnung, dass an dieser Idee mehr dran sein könnte, gibt eine kalifornische Studie. 47 übergewichtige Frauen ernährten sich neun Wochen lang ausreichend, aber gesund. Jene Probandinnen, die begleitend zur Ernährungsumstellung auch noch meditierten, konnten ihr Gewicht wesentlich stärker reduzieren und hatten eklatant geringere Werte des Stresshormons Cortisol im Blut als jene Teilnehmerinnen ohne Meditations-Übungen. Das Fazit der Studie: Wer Ruhe findet, Geist und Körper in Einklang bringt, achtet auch besser auf seine Bedürfnisse.

Und Achtsamkeit gegenüber den Bedürfnissen unseres Körpers sei etwas, was wir in der heutigen Zeit extrem verloren haben, so die Forscher. Essen erfüllt primär den Zweck der Nahrungsaufnahme oder der Frustbewältigung. Die Folge: Wir haben verlernt, auf unseren Bauch zu hören.

Doch der verrate uns eigentlich sehr genau, was unser Körper tatsächlich braucht. Gusto auf Käse? Gönn' ihn dir. Vermutlich braucht dein Körper gerade mehr Eiweiß als Gemüse. Es gilt, die Intuition wieder zu stärken, so die Anhänger der neuen Abnehm-Lehre. Durch Diäten hätten wir diese verloren.

Bewusstes Essen: Auf den Bauch hören

Aber wie lernen wir, wieder bewusster zu essen? Auf unseren Bauch zu hören und damit die lästigen Kilos so ganz nebenbei zu verlieren? Die Tipps der Experten:

1

Bewusste Auswahl. Statt dich durch Werbung zu Käufen verleiten zu lassen, solltest du im Supermarkt wieder auf deinen Gusto hören. Dir ist nach Zucchini, Salami, Mozarella? Entscheide dich bewusst, was du isst und was dein Körper verlangt. Kauf' hochwertige Produkte. Denn einen 4,- Euro-Büffelmozarella isst du bewusster als das 1,59 Euro-Kugerl.

2

Nimm' dir Zeit. Leg' nach jedem Bissen Messer und Gabel beiseite und kau' langsam und genüsslich. Versuch' wieder, den Geschmack der Nahrungsmittel zu schmecken. Die Würze, die Süße, die leichte Schärfe.

3

Gib' dem Essen Noten. Ja, tatsächlich. Hat es gut geschmeckt? Supergut? War es nur mittelmäßig? Wenn es dir gemundet hat, dann war es sehr wahrscheinlich auch biologisch gut für dich.

4

Keine Ablenkung. Fernseher, Handy, Zeitung: Beim Essen ist jedwede Ablenkung verboten. Es geht wirklich darum, sich bewusst zu ernähren. Und das hört nicht beim Apfel, der gegen die Schokolade getauscht wird, auf.

Alles nur Eso-Kram?

Der neue Ernährungsansatz hat nicht nur Anhänger. Manche Ernährungswissenschaftler kritisieren, dass das Konzept zu frei sei. Diäten funktionieren, so die Experten, über die längerfristige Reduktion von Kalorien, Fetten und Kohlenhydraten und sind wissenschaftlich oft nachvollziehbar. Um ein Kilo Körperfettgewebe zu verlieren, muss der Körper etwa 7000 Kilokalorien sparen.

Ob man nun tatsächlich abnimmt oder nicht: Die Idee, wieder bewusster zu genießen und mehr auf die Bedürfnisse des Körpers zu achten ... DIE finden wir schon mal gar nicht schlecht.

Thema: Diät