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Du bist, was du isst (vielleicht)

Isst du zu viel und bewegst dich zu wenig, dann nimmst du zu. So die gängige Meinung. Neue Forschungen ergaben: Ganz so simpel ist die Sache doch nicht...

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Du bist, was du isst (vielleicht)

Kalorien sind gleich Kalorien? Naja...

© Corbis

Eine Kalorie ist eine Kalorie. Isst du zu viele und treibst zu wenig Sport, dann wirst du übergewichtig und krank. So die gängige Meinung. Aber wie immer: Diese Lösung ist zu einfach. Denn Kalorien sind nicht alle gleich beschaffen – und die Art und Weise, wie ein Körper sie verarbeitet, variiert von einer Person zur nächsten dramatisch.

Das zumindest ergeben neueste Forschungen über die Ursachen der Fettleibigkeit, die vor allem in den USA die Kosten im Gesundheitssektor in enorme Höhen treibt, wie der amerikanische Economist berichtet. Zwar liegt die Hauptursache für das Metabolische Syndrom nach wie vor in zu wenig Bewegung und falscher Ernährung - doch es sei wichtig zu verstehen, warum einige Lebensmittel besonders schädlich sind und manche Menschen mehr und schneller Gewicht zulegen als andere, so die Forscher.

Und so wird derzeit unter Ernährungswissenschaftlern heftig über die neuerdings als schurkisch geltende Glukose debattiert. Glukose (Dextrose, Glucose, Traubenzucker) ist der wichtigste Einfachzucker im Kohlenhydratstoffwechsel und von zentraler Bedeutung für den Energiehaushalt des Körpers. Glukose, die in Stärken, Früchten und Zucker enthalten ist, gilt als die Hauptenergiequelle für das Gehirn und die Muskeln. Doch Diäten mit einem hohen "glykämischen Index" werden nun in Zusammenhang mit Übergewicht gebracht.

Weniger Glucose = schneller Gewichtsverlust?

In einem Versuch konnte der Bostoner Wissenschaftler David Ludwig nachweisen, dass übergewichtige Patienten, die den glykämischen Anteil an ihrer Ernährung reduzierten, wesentlich schneller abnahmen als jene, die auf eine fettarme Diät gesetzt wurden. Ludwig: "Die Ergebnisse zeigen, dass Kalorien nicht einfach Kalorien sind."

Eine im Fachblatt Nature Communications veröffentlichte Studie der Universität Colorado versucht den Beleg, dass die Schädlichkeit der Glukose eng mit ihrer Umwandlung in Fructose zusammenhängt.

Zum Nachweise verabreichten Studienleiter Richard Johnson und seine Kollegen drei Mäusearten eine Diät aus Wasser und Glucose. Eine Gruppe diente zur Kontrolle, bei den beiden anderen fehlten Enzyme, die den Umwandlungsprozess der Glukose in Fructose unterstützt. Das Ergebnis: Die "normalen" Mäuse entwickelten eine Fettleber und wurden insulinresistent. Die beiden anderen Gruppen legten nicht an Gewicht zu und zeigten auch sonst keine körperliche Reaktion. Johnson: "Offenbar hat die Umwandlung des Einfachzuckers im Körper einen metabolischen Effekt. Ob dies beim Menschen ähnlich ist, müssen wir jetzt noch prüfen."

Du bist, was du isst (vielleicht)

Noch faszinierender allerdings ist die Vorstellung, dass dieselbe Diät bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Auswirkungen zeigen kann. Drei neue Arbeiten erforschen dieses Thema aktuell.

In einer im Magazin Science veröffentlichten Untersuchung löschte Joseph Majzoub, Mediziner am Bostoner Kinderkrankenhaus, bei seinen Labor-Mäusen ein Gen namens Mrap2. Dieses hilft offenbar dabei, den Appetit zu kontrollieren. Überraschenderweise aßen die genmutierten Tierchen trotzdem genau dieselbe Menge wie ihre normalen Artgenossen – legten jedoch deutlich mehr an Gewicht zu. Noch gibt es keine genaue Erklärung für diesen Effekt. Laut Majzoub könnte Mrap2 eine direkte Wirkung auf ein anderes Gen namens MC4R haben, welches an der Gewichtszunahme beteiligt ist.

Was Bakterien mit unserem Stoffwechsel zu tun haben

Zwei andere Studien des Nationalen Instituts für Agrarforschung in Frankreich untersuchten, warum unsere Körper trotz gleicher Ernährung einen komplett anderen Stoffwechsel aufweisen. Für eine Untersuchung wurden die Bakterien im Darm von fast 300 Teilnehmern analysiert. Jene Probanden, die eine besonders vielfältige Mikroflora aufwiesen, zeigten auch weniger Anzeichen für Adipositas oder Insulinresistenz.

Für die zweite Studie wurden 49 übergewichtige Teilnehmer auf eine besonders ballaststoffreiche Ernährung gesetzt. Diejenigen, die weniger Bakterienarten im Darm besaßen, verzeichneten binnen weniger Wochen einen Anstieg der bakteriellen Vielfalt und damit einen verbesserten Stoffwechsel. Bei denjenigen, die bereits eine vielfältige Mikroflora hatten, wurde weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung nachgewiesen.

Der Wissenschaftler Dusko Ehrlich: "Dies beweist, dass Ernährungsumstellungen nur dann wirklich erfolgreich sind, wenn der Körper ein Defizit aufweist, das gefüllt wird. Es muss also bei jedem Menschen individuell geprüft werden, welche Diät für ihn sinnvoll ist. One fits all – das gilt leider auch beim Abnehmen nicht."

Thema: Diät