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Achtung, Energie-Sauger

Manche Mitmenschen haben's ganz schön drauf: Sie saugen sich an uns fest und zapfen frisch-fröhlich unsere Kraft ab. Und wir bleiben erschöpft und genervt zurück. Woran man diese Vampire erkennt und wie man ihnen die Zähne zieht, fragten wir den Coach und Buchautor Thomas Schäfer.

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Achtung, Energie-Sauger
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Es gibt Leute, die machen einen einfach fertig. Egal, ob sie einen stundenlang anquatschen, anjammern, vielleicht sogar anbrüllen oder auch nur anschweigen, ihre Anwesenheit erzeugt von Beklemmungsgefühlen bis hin zu Bauchweh so ziemlich alles. Und nach der Begegnung fühlt man sich dann richtig erschöpft. Meistens ärgert man sich auch über die Typen. Ja, und Ärgern ist ein sicheres Zeichen dafür, dass man erfolgreich seiner Kraft bestohlen wurde. "Sich anderen Menschen überzuordnen, ihnen zu drohen, sie zu mobben, sie zu ängstigen oder lächerlich zu machen, das ist das Tagesgeschäft der meisten Energievampire", schreibt Thomas Schäfer (familienaufstellungenthoschaefer.de) in seinem neuen Buch: "Keine Chance für Krafträuber. Wie Sie Ihre Lebensenergie schützen und aufladen". Die "netten Zeitgenossen" haben selbst zu wenig Benzin. Sei's weil ihr Selbstwert nicht stimmt, sie eingefleischte Pessimisten sind oder weil sie von alten Mustern getrieben werden. Das Gefühl von Macht und Überlegenheit nach erfolgreicher Saug-Attacke beflügelt sie – wenn oft auch unbewusst –, während das Opfer leidet.

"Es gibt ja auch Vampire, die sich scheinbar unterordnen", so der Autor, Coach und Trainer, "die sich an Ihren Schoß heften, Ihre Unterstützung erbetteln und Sie dauernd um Entscheidungshilfe bitten." Doch diese "Bettelvampire" erreichen genau dasselbe: mehr Kraft auf Kosten eines anderen. Die Fantasie der Energie-Räuber, die in der Partnerschaft, im Büro, im Freundeskreis und in der Familie zu finden sind, kennt dabei keine Grenzen. Jemanden warten zu lassen ist eine genauso beliebte Methode wie ungerechtfertigte Vorwürfe in den Raum zu schleudern oder vorzugeben, sich im Hirn des anderen besser auszukennen als dieser selbst. "Ich weiß genau, was Sie vorhaben", meint etwa der Hellsehvampir in Gestalt des Chefs. Das Opfer, so Schäfer, ist oft wie gelähmt, weil es gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Doch zu erkennen, dass man es mit einem Energie-Sauger zu tun hat, ist die erste Fähigkeit, die man sich zum Schutz aneignen sollte. Weitere Faustregeln: So wenig wie möglich ärgern und dem Angreifer lieber selbst überraschend kommen: "Sie sehen so blass aus, Herr Meier. Ist Ihnen nicht gut?", würde einem "Brüllaffen-Vampir" im Büro die Erfolgs-Suppe ganz schön versalzen. Wie man weiters seine Kraft behält? Wir fragten den Autor.

WOMAN: Kann man sich das wirklich so vorstellen, dass die Energie vom "Opfer" zum Energieräuber wandert?

Schäfer: Stellen Sie sich vor, ein Mitarbeiter stürmt in Ihr Büro und schreit Sie wegen einer Lappalie an. Was passiert: Sie bekommen körperliche Symptome, fühlen sich schlecht , während der Brüller sich weidet an Ihrem Leiden. Egal ob ich das als direktes Fließen der Energie bezeichne oder nicht: Die Wirkung ist jedenfalls so!

WOMAN: Hat so ein immer wieder "Ausgesaugter" dann wirklich weniger Kraft für andere, schönere Dinge im
Leben?

Schäfer: Leider ja! Ihm fehlt tatsächlich Lebensenergie. Deswegen ist es so wichtig, Kraftraub im Alltag möglichst rasch zu erkennen und sich zu schützen. Leider sind wir im entsprechenden Moment oft wie im Schock. Genau hier will mein Buch Abhilfe schaffen. Mein Ziel: Der Leser soll in Zukunft möglichst schnell "riechen", wenn jemand ihm Kraft stiehlt, und Gegenmaßnahmen ergreifen.

WOMAN: Und wie schärft man da den eigenen "Geruchssinn"?

Schäfer: Der "Bodyscan", bewusstes Hineinfühlen in den Körper, ist hier das Entscheidende: Man fühlt sich körperlich durch den Kontakt mit dem Krafträuber ausgelaugt, leer, und nicht selten spürt man in sich Wut hochkommen. Ärger und Beklemmungen sind oft ebenfalls ein Hinweis auf unfreiwilligen Energietransfer.

WOMAN: Warum hat jemand überhaupt so wenig Energie, dass er Kraft rauben muss?

Schäfer: Weil er zum Beispiel dauernd in negativen Emotionen badet. Nicht selten handelt es sich auch um ein "armes Würstchen", z. B. einen Pantoffelhelden, der dann im Büro rumbrüllt. Weil der Räuber zu faul ist, sich selber die Kraft im Alltag zu holen, geht er auf Raubzug ...

WOMAN: Wenn man es ständig mit solchen "freundlichen Zeitgenossen" zu tun hat, kann einen das auch echt krank machen?

Schäfer: Sicherlich ist das nicht der Regelfall. Wenn jedoch der Energievampir der Ehepartner ist und man keine Schutzmöglichkeiten im Alltag hat, dann kann dies leider passieren! Ich hatte eine Klientin, die täglich (!) in der Zange zwischen zwei Energievampiren war, dem Mann und der Schwiegermutter, die ständig zur Kontrolle erschien. Fast jeder Mensch produziert in so einer Situation psychosomatische Symptome.

WOMAN: Aber manche dieser Opfer kommen dann so weit, dass sie schon gar nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist und wer jetzt eigentlich spinnt.

Schäfer: Eines ist klar: Wenn ich mich nach jedem intensiveren Zusammenkommen mit meinem Partner erschöpft und ausgelaugt fühle, dann stimmt etwas nicht! Das Gegenteil sollte doch der Fall sein, oder? Es gibt in diesem Fall viele Möglichkeiten. Hier einige ausgewählte: Wenn der Mann der Frau seit über zehn Jahren die Ehe und auch Kinder verspricht, aber nicht Wort hält, hat er ihr zehn Jahre die Kraft gestohlen! Wenn ein Mann in der Öffentlichkeit ständig seine Frau als dumm hinstellt, sich selber aber als intellektuellen Überflieger, dann bedient er sich ihrer Energie. Wenn sich jemand in der Beziehung immer wieder sexuell entzieht mit der Ausrede "Ach, ich hab heute solche Kopfschmerzen, die Woche war so anstrengend" usw., macht er das Gleiche. Ein "Pascha-Vampir" der sich seit Jahren gleichzeitig eine feste Freundin hält und eine Ehefrau, saugt beiden Energie ab, denn beide warten darauf, dass er endlich eine Entscheidung trifft Wer immer auf die Entscheidung eines anderen warten muss, der verliert Kraft. Sehr viel sogar! Schweigen ist übrigens eine von Männern bevorzugte Art, Frauen Kraft zu rauben. Beispiel: Sie sagt: "Liebling, findest du nicht auch, dass die Zärtlichkeit zwischen uns abgenommen hat?" Er schweigt nur. Sie kann noch so viel bohren, er schweigt weiter, weil er sich dem Problem nicht stellen möchte. Das geht auf ihre energetischen Kosten.

WOMAN: Sie sollte also ...?

Schäfer: ... dem Partner in ruhigem Ton darlegen, warum sie durch sein Verhalten leidet. Wenn er sich nicht ändern kann, sollte sie ihn bitten, mit ihr gemeinsam zu einem Coach oder Berater zu gehen, um das Problem zu lösen.

WOMAN: Manche Menschen ziehen diese Vampire ja geradezu an. Warum?

Schäfer: Wer schon als Kind Moderator und Retter der elterlichen Ehe war, ist besonders gefährdet. Des weiteren werden alle jene Menschen eher zum Opfer, die schon früh ein Helfersyndrom entwickelt haben. Krafträuber spüren das genau und appellieren an den Helferinstinkt.

WOMAN: Gibt es Männertypen, vor denen man sich schon von vornherein in Acht nehmen soll?

Schäfer: Gefährlich ist insbesondere jener Typ Mann, der am Anfang mit viel Geld um sich wirft. Solche Menschen glauben, sie könnten alles kaufen. Und klarerweise der bereits erwähnte Pascha-Vampir. Er ist Spezialist darin, mehreren Frauen gleichzeitig die Energie zu stehlen. Und auch Männer, die schnell brüllen, oder solche, die dauernd den Besserwisser markieren, sind mit Vorsicht zu genießen.

WOMAN: Für Eltern ist es wahrscheinlich besonders schwer, zu erkennen, wo es von der Unterstützung fürs Kind in den Energieraub geht, oder?

Schäfer: Ja, so ist es. Eltern geben ja ständig aus Liebe dem Kind ihre Energie, aber dennoch sollen sie sich nicht ausnutzen lassen. Wenn der Sohn jeden Morgen verschläft und es genießt, mit dem "Mama-Taxi" zur Schule gefahren zu werden, kann man auf alle Fälle das Konsequenzprinzip anwenden! Wie das funktioniert, zeige ich an vielen Beispielen.

WOMAN: Unter anderem an Finn, dem Wäsche-Vampir. Er warf seine schmutzigen Klamotten nie in den Wäschekorb, so sehr ihn die Mutter auch darum bat. Sie musste seine Kleidungsstücke also immer erst selbst einsammeln, bis es ihr reichte.

Schäfer: Und sie ihn mit dem Konsequenzprinzip konfrontierte: Finn hatte eines Tages einfach keine sauberen Klamotten mehr anzuziehen, und seine Mutter erklärte ihm: "Ich hatte dir klar angekündigt, unter welchen Bedingungen ich Wäsche mache." Da konnte Finn noch so wütend sein. Genau so funktioniert Lernen aus der logischen Konsequenz.

WOMAN: Man kann sich aber auch schön selbst Kraft stehlen, wie Sie schreiben.

Schäfer: Ja. Ganz oben in den Charts stehen Hass, Selbsthass, jemandem den Tod wünschen, Ängste aller Art, Selbstzweifel, Selbstmitleid, Suchtprobleme und negatives Denken wie: "Ich bin ein Versager","Ich kann das nicht.", "Ist ohnehin alles egal!"

WOMAN: Und für Singles, die einen Partner suchen, tut sich ein neuer, großer Krafträuber auf. Das Online Dating.

Schäfer: Auch hierzu findet sich im Buch ein krasses Beispiel, in dem ein Mann, Jörg, neun Monate mit einer Frau chattete. Völlig vergeudete Energie, denn sie hatte sich ganz anders dargestellt, als sie wirklich war. Er war sich aber hundertprozentig sicher, die Richtige gefunden zu haben – bis er ihr gegenüberstand. Wie kann man ein solches Desaster verhindern? Mein Tipp: Sich niemals auf lange E-Mail-Bekanntschaften einlassen! Langes Mailing fördert nur die Projektionen: Man steigert sich in seine Träume hinein und verliert die Realität völlig aus den Augen. Falls man den Eindruck hat, dass ein persönliches Kennenlernen mit fadenscheinigen Gründen stets verweigert wird, sollte man sich verabschieden, denn: Zeit ist identisch mit investierter Energie.

WOMAN: Und wo kann man die Batterien eigentlich wieder aufladen?

Schäfer: Orte können positive Energie an uns abgeben. Ein Wasserfall etwa ist wie eine Energiedusche. Aber auch das Meer hält ein extrem hohes Energiereservoir bereit. Ähnliches gilt für eine Beglandschaft – und ein schön dekoriertes Wohnzimmer gibt mehr Energie ab als ein kahles. Die Natur insgesamt lädt unser Depot mit ihrer feinstofflichen Kraft wieder auf. Bewusst unterstützen kann man das, indem man alles, was von der Natur kommt, imaginär einatmet: Sonnenlicht, Bäume, Wiesen, Blumen, ein Eichhörnchen ... Einfach mal ausprobieren!

Thema: Psychologie