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Rechtsberatung: Wer bezahlt bei einer Affäre die Detektivkosten?

Für alle, bei denen reden nichts mehr hilft: Bei Beauftragung eines Detektivs können die Kosten, die für die Betrogene entstehen, auf den Betrüger und auch den "Ehestörer" übergehen.

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Rechtsberatung: Wer bezahlt bei einer Affäre die Detektivkosten?
© iStock/oneinchpunch

Anzeichen für eine Affäre gibt es in den meisten Fällen schon lange bevor sie tatsächlich auffliegt. Und in der Regel hat der betrogene Partner auch schon ein ungutes Gefühl. Wenn es in der Ehe gerade nicht so läuft, der Ehemann plötzlich mit fadenscheinigen Ausreden später aus der Arbeit heimkommt und spätnachts das Handy verdächtigt piept, sollten jedenfalls alle Alarmglocken schrillen. Aber wenn man nicht gerade durch einen Zufall eine eindeutige Nachricht sieht oder gezielt das Handy des Partners durchsucht, bleiben meistens doch gewisse Zweifel. Und oft ist die ständig bohrende Frage "Hat er nun eine andere?" noch unerträglicher als die traurige Gewissheit, dass man tatsächlich betrogen wird. Daher entschließen sich viele Frauen dazu, einen Privatdetektiv zu beauftragen.


In vielen Fällen bestätigt sich der Verdacht leider auch und dann stellt sich natürlich auch die Frage, wer die Kosten des Privatdetektivs tragen muss. Wenn sich mithilfe eines Detektiven ein Ehebruch nachweisen lässt, kann grundsätzlich der ehebrechende Partner zur Kasse gebeten werden. Die Rechtsprechung begründet dies damit, dass der betrogene Ehegatte ein besonderes berechtigtes Interesse daran hat, sich Klarheit über den Sachverhalt zu verschaffen. Der betrogene Ehepartner bleibt also nicht auf den Kosten für den Privatdetektiv sitzen, sondern kann diese entweder im Rahmen der Scheidung vom untreuen Partner verlangen oder (unabhängig von einem Scheidungsverfahren) als Schadenersatz geltend machen.

Anspruch gegenüber "Ehestörer"

Was viele nicht wissen: Dieser Anspruch kann nicht nur gegen den betrügenden Ehepartner, sondern unter Umständen sogar gegen die Affäre (den sogenannten "Ehestörer") geltend gemacht werden. Wenn die Affäre wusste, dass sie sich mit einem verheirateten Mann einlässt, kann sie nach der Rechtsprechung ebenfalls zur Haftung herangezogen werden. Das gilt selbst dann, wenn dieser behauptet, dass die Ehe ohnehin nur mehr auf dem Papier besteht und er sich scheiden lassen möchte. Wenn die Affäre nichts vom Bestehen der Ehe weiß und darauf vertraut, dass der andere nicht (mehr) verheiratet ist, haftet sie hingegen nicht.

Carmen Thornton ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Scheidung und Obsorge.


So hat sich folgender Fall zugetragen: Ein verheirateter Arzt und seine Kollegin gingen ein sexuelles Verhältnis ein. Der Arzt hatte während seiner Ehe gegenüber der Kollegin betont, dass seine Ehe zerrüttet sei und auch eine Scheidung im Raum stünde. In der Folge kam es zu einer Scheidung und der Familienvater von 4 Kindern verließ die Ehefrau. Die Ehefrau klagte daraufhin die Detektivkosten von der Affäre ihres Ex-Mannes ein und bekam Recht. Der Oberste Gerichtshof hat sie zum Ersatz der Detektivkosten samt den Prozesskosten - überschlagsmäßig Euro 25.000,- verdonnert.

Wenn die Affäre für die Detektivkosten aufkommen muss, ist das für die betrogene Ehefrau vielleicht eine gewisse Genugtuung. Trotzdem ist diese Rechtsprechung eher fragwürdig. Die Ehe und damit das Treueversprechen ist eine vertragliche Verpflichtung, die ausschließlich zwischen den Eheleuten besteht. Wenn einer der beiden sein Eheversprechen bricht, muss er die nachteiligen Folgen tragen. Eine Verletzung der Treuepflicht sollte nur Konsequenzen zwischen den Ehepartnern haben. Der Affäre die Detektivkosten aufzubrummen hilft der Beständigkeit von Ehen vermutlich nicht.

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Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien und schreibt regelmäßig juristische Artikel für WOMAN.at - zuletzt etwa über Zahnspangenkosten. Ihre Kanzlei ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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