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Kabul: Diese Frauen kämpfen für Gleichberechtigung!

Im "Shaolin Wushu Club" in Afghanistan kämpfen tapfere junge Frauen für Gleichberechtigung. Wie Martial Arts für Azimi und ihre Freundinnen zu einer Befreiung wurde.


Kabul: Diese Frauen kämpfen für Gleichberechtigung!
© Reuters/Mohammad Ismail

Es ist ein sonderbar anmutender Trupp, der auf die verschneiten Berge rund um die afghanische Hauptstadt Kabul stapft. Elf junge Frauen zwischen 15 und 20 Jahren, gewandet in rosafarbene Anzüge. Doch in der kalten und unwirtlichen Gegend können sie ungestört trainieren, sich in der traditionellen chinesischen Kampfkunst des "Shaolin Wushu" üben.

Der Kampfsport "Wushu" ist in Afghanistan weit verbreitet – unter Männern. Für Frauen sind die Möglichkeiten, Sport zu treiben, extrem beschränkt. Dass sie Martial Arts erlernen: Fast undenkbar. Denn Sport, so die Befürchtung der Familien, könne zu einem Reißen des Hymen (Jungfernhäutchens) bei ihren Töchtern führen. Sind sie keine Jungfrauen mehr, kann man die Mädchen in der ultrakonservativen Gesellschaft Afghanistans nicht mehr verheiraten.

Doch seit einem Jahr trotzt die 20jährige Sima Azimi diesen Restriktionen – und trainiert in Kabul eine Gruppe junger, wehrhafter Mädchen.

Azimi lehrt jungen Mädchen Kampfsport

Sima Azimi: "Ich mache mir große Sorgen um die Sicherheit meiner Schülerinnen – und umso mehr, je besser sie in der Kunst des Shaolin Wushu werden. Wir leben in einem Land, in dem nach wie vor die Dummheit regiert. Man sieht es hier nicht gerne, wenn Frauen in etwas besser werden. Die meisten hier in Kabul sind nach wie vor der Ansicht, dass Frauen nur zuhause bleiben und sich dort um die Kinder kümmern sollen. Aber mein Ziel ist es, die Dummheit zu bekämpfen."

Immer wieder werden die jungen Schülerinnen angepöbelt, auf dem Weg in den Trainingsraum aufgehalten und beschimpft. Raihana Amiri, eine der Schülerinnen: "An manchen Tagen traue ich mich nicht zum Training. Zum Glück hat meine Familie mittlerweile akzeptiert, dass ich diesen Sport erlerne."

Auf dem Weg vom Training nach Hause fühlen sich die Mädchen unsicher
Die Shaolin-Schwerter für ihre Schülerin musste Azimi im Ausland bestellen

Der Turnraum wird von einer bekannten Schauspielerin finanziert, der Unterricht kostet die zehn Mädchen 2 Dollar im Monat. Trainerin Sima Azimi selbst lebte lange Zeit im Iran, wo sie eine Gold- und eine Bronzemedaille im "Shaolin Wushu" gewann. "Als ich zurück in meine Heimat Afghanistan kehrte, wollte ich andere Frauen darin lehren, sich gegen die ultrakonservative Gesellschaft aufzulehnen und Zugang zu Sport zu erhalten."

Frauen, die in einer Disziplin besser werden, sind nach wie vor nicht gern gesehen
Eine der Schülerinnen trägt einen Reifen in den Raum. Trainiert wird mit dem, was vorhanden ist

Irgendwann, so hofft Azimi, dürfen ihre Schülerinnen vielleicht bei internationalen Bewerben antreten. Doch bis dahin scheint es noch ein langer Weg...

Thema: Feminismus