Ressort
Du befindest dich hier:

Die Gedanken sind frei

Heute stellte der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei die Ausstellung "translocation – transformation" im Wiener 21er Haus vor. Die Schau läuft ab morgen bis zum 20. November.

von

Ai Weiwei
© Belvedere, Wien

Erstmals findet in Österreich eine Einzelausstellung des bekanntesten zeitgenössischen Künstlers statt. Populär auch, weil Ai Weiwei, 58, wegen seiner Installationen mit politischem Background in China mit Hausarrest bestraft wurde und auch Wochen im Gefängnis saß. Vor einem dreiviertel Jahr bekam er seinen Pass zurück und lebt nun in Berlin. In "translocation – transformation" werden Veränderungsprozesse, ausgelöst durch den Ortswechsel, gezeigt.

Ai Weiwei

Die Werke des charismatischen Künstlers sind einfach nicht einzuordnen, alle Assoziationen dazu sind völlig frei. Und so will es auch der Künstler: "Ich bereite meine Installationen jahrelang vor, recherchiere akribisch, plane detailreich, aber was sich der Zuseher dabei denkt, das will ich ihm nicht vorschreiben", meinte der chinesische Dissident, der durch die neue Ausstellung führt. Die originaltreu wieder aufgebaute Ahnenhalle aus der späten Ming-Dynastie "Wang Family Ancestral Hall", eine 14 Meter hohe Konstruktion, befindet sich im 21er Haus. Die Familie reicher Teehändler wurde während der Kulturrevolution vertrieben. Gleich dahinter ein Teppich voller Scherben. Es sind die Schnäbel von zerbrochenen Teekannen aus Porzellan.

Ai Weiwei

Umwerfend beeindruckend, was Veränderung durch Migration bedeutet, zeigt die Installation "F Lotus" im Park des benachbarten Oberen Belvedere. Die einzelnen Lotusblüten entpuppen sich als fünf Schwimmwesten, die auf einem Rad aus Plastik liegen. Insgesamt 1005 liegen in einem riesigen Teich. Sie stammen von überlebenden Bootsflüchtlingen, die in Griechenland gestrandet sind. "F", meint Ai Weiwei, "kann alles Mögliche heißen. Fake oder Freedom oder das F-Wort. Oder auch für eine instabile Zukunft (Future) stehen. Schwimmwesten sagen doch viel aus über Leute aus, die gerade ihre Sprache oder ihre Religion zurücklassen mussten." Rund um den Teich mit "F Lotus" stehen Statuen, die die zwölf Tiere des chinesischen Horoskops darstellen. Im Oberen Belvedere selbst, ist "Lu" ein Drache aus Seide und Bambus zu sehen.

Ai Weiwei

Wie seine Werke, lässt sich der Künstler selbst schwer einordnen. Vorbilder? Welche Kunst habe ihn beeinflusst, die japanische, die chinesische, die westliche? "Kunst ist global", lautet die simple Antwort. Und völlig ohne Selbstmitleid, der Künstler wurde vom chinesischen Regime jahrelang weggesperrt, setzt er dann fort: "Kunst ist ein ewiger Kampf, ein harter Job. Es dauert ewig, bis man weiß, was man wirklich will. Man braucht Jahre, um an sich zu glauben."

Ein charismatischer, selbstironischer Mann und eine sensationelle Schau!

Ai Weiwei
"translocation – transformation"
14. Juli bis 20. November 2016
21er Haus, Museum für zeitgenössische Kunst, Quartier Belvedere, Arsenalstraße 1, 1030 Wien
Ticket ab 7 Euro
21erhaus.at

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .