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Aigner on Reset!

Kaum ein Blogger, den man momentan nicht mit einer Aigner-Bag sichtet, wartende Fashion-People vor der Catwalk-Show und frenetischer Applaus danach: Kreativdirektor Christian Alexander Beck hat der Traditionsmarke ein Coolness-Upgrade verpasst. Wir trafen ihn in Mailand zum Talk.

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Aigner on Reset!
© Aigner

„Unsere Designs sind nicht nur für den Runway entworfen, sie sollen von Frauen getragen werden“, verrät Kreativdirektor Christian Alexander Beck backstage nach der Show im opulenten Palazzo Reale seine Designphilosophie. Und die setzt er höchst erfolgreich um. Die gefeierten Herbst/Winter-Looks 2017/18 spielen kontrastreich mit der DNA von Aigner: Klassische Silhouetten, Hightech-Stoffe, Bondage-Details und – natürlich – begehrenswerte Taschen. WOMAN LOOKBOOK sprach mit dem Deutschen über Image, Tradition und It-Bags.

WOMAN: Wie haben Sie es geschafft, Aigner innerhalb kürzester Zeit ein neues, cooles Image zu verleihen?

Beck: Uns war immer wichtig, den Kern der Marke zu erhalten. Wir hatten aber auch den Mut, Aigner ein neues Gesicht zu geben. Ich bin sehr jung zu einem Traditionsunternehmen gekommen und habe unvoreingenommen versucht, mit Spaß an Mode und einem Gespür für unsere Wurzeln ein positives Image zu kreieren.

WOMAN: Das Thema der Kollektion ist „Reset“. Was hat es damit auf sich?

Beck: Die Kollektion verbindet Vergangenheit und Zukunft. „Reset“ bedeutet aber auch, den „Stopp-Knopf “ zu drücken und zurückzuspulen. Das Fashionbusiness ist schnelllebig – da ist es wichtig, zu entschleunigen, nicht jeden Trend zu verfolgen und die eigenen Werte darzustellen.

WOMAN: Am Catwalk gab es breite Gürtel, Choker und detailverliebte Bags. Welche Accessoires braucht man jetzt?

Beck: Accessoires ermöglichen eine Flexibilität im Look. Durch unterschiedliche Taschen-Straps bzw. -Anhänger bieten sich mehr Kombinationsmöglichkeiten. Dadurch kann eine schlichte Bag aufgepeppt oder ein extravagantes Modell dezenter wirken.

WOMAN: Und wie kreiert man Klassiker?

Beck: Aigner hat einen gewissen Grundstil, den wir immer beibehalten möchten, er ist unser Wiedererkennungsmerkmal. Der Zeitgeist, also aktuelle Trends, kommt on top. Ich denke, ein Klassiker wird nicht kreiert – er entsteht mit der Zeit.

WOMAN: Dass Aigner neben den Taschen auch richtig coole Fashion im Sortiment hat, ist für viele ein Novum. Wann haben Sie sich entschieden, die Mode auch im Rahmen der Mailänder Fashionweek zu zeigen?

Beck: Wir haben schon länger in kleinerem Rahmen unsere Kollektion in Mailand gezeigt. Jedoch haben wir uns im Herbst 2012 mit der Frühjahr/Sommer Kollektion 2013 entschieden diesen Punkt auszubauen und zeigen seitdem konstant jede Saison im Umfeld namhafter Labels unsere neue Kollektion auf der Mailänder Fashionweek.

WOMAN: Sie haben einmal gesagt, Aigner ist eine deutsche Marke mit italienischer Seele. Ist das der Grund, warum Sie in Mailand zeigen?

Beck: Wir haben schon immer einen kleinen Firmensitz in der Nähe von Florenz, wo auch ein Teil unserer Lederproduktion stattfindet. Italien steht für ein großes Know-How und Handwerkskunst und mit München als Hauptsitz und als nördlichste Stadt Italiens fühlen wir uns diesem sehr verbunden. Hinzu kommt, dass als internationales Unternehmen die nationale und internationale Presse enorm wichtig für uns ist und auch viele unserer internationalen Kunden während der Mailänder Modewoche vor Ort sind – darum bleibt Mailand für uns erste Wahl.

WOMAN: Wie verbinden Sie die Wurzeln der Marke mit dem aktuellen Zeitgeist?

Beck: Unser Design hat einen gewissen Grundstil, den wir immer beibehalten möchten – es ist unser Wiedererkennungsmerkmal. Der Zeitgeist, also aktuelle Trends kommen on top. Für mich ist der Markenkern vorrangig und aktuelle Strömungen kommen hinzu. Wenn die Basis der Entwürfe gut ist, kann man mit Details der Designs spielen.

WOMAN: Diese Saison war das Make-up der Show sehr schlicht, die Haare sleek nach hinten gekämmt und mit einem Lederstück fixiert. Wie entscheiden Sie sich für die Beauty- Looks und Frisuren?

Beck: Hier ist es ähnlich wie bei der Musik zur Show: es muss ein stimmiges Gesamtbild entstehen. Die Kollektion ist sehr strong und tough aber gleichzeitig auch feminin. Das Make-up soll den Look komplettieren und diese Aussage unterstreichen. Darum habe ich mich für eine strenge Frisur aber ein cleanes Make-up in nude und rosé mit goldenen Akzenten entschieden. Ich wollte mit den Reizen spielen: einerseits sehr stark aber gleichzeitig auch sehr sinnlich.

WOMAN: Bei der Show spielte auch eine Live-Electro-Band. Wie kamen Sie auf die Idee?

Beck: Ich habe bei jeder Kollektion eine bestimmte Musik im Kopf, die die Show unterstützt. Jede Kollektion ist Gesamtbild aus Taschen, Fashion und Accessoires und auch das Setting und der Sound sollen dies wiederspiegeln. Deshalb bin ich immer selbst auf der Suche nach neuen Quellen und Liedern – durch Zufall bin ich bei einem Independent-Sender auf das Video zum Song „Space Woman“ von der Band „Nalan381“ gestoßen. Nach ein paar Klängen wusste ich sofort, dass die Musik passt. Die Stimme von Nalan und der Sound von Nikolaus runden das Gesamtbild der Kollektion ab. Als ich Kontakt zur Band aufgenommen habe, hat sich herausgestellt, dass die Newcomer auch aus München kommen. So hatten wir einen zusätzlichen Anknüpfungspunkt.

WOMAN: Plötzlich sieht man überall Stars und Influencer mit den coolsten neuen Aigner-Bags. Wie schaffen Sie dieses Habenwollen-Gefühl?

Beck: Wir sind überzeugt von unseren Produkten und freuen uns immer, wenn auch Stars und Influencer das so annehmen. Dadurch erkennt man, dass wir wieder stark sind und wir sehen das als Bestätigung.

WOMAN: Welche Kriterien müssen Ihre Entwürfe unbedingt erfüllen?

Beck: Meine Entwürfe sollen immer tragbar sein. Entscheidend dabei ist, dass die Looks auch in der Realität funktionieren. Sie sind keine Kunstform, nur für den Runway entworfen, sondern sie sollen von Frauen getragen werden.

WOMAN: Und wie soll eine Frau denn in Ihrer neuen Kollektion wirken?

Beck: Die Frau soll in meinen Entwürfen stark aber gleichzeitig feminin wirken. Das zeigen auch die Looks der Kollektion wie z.B. ein strenger Lederrock kombiniert mit einer verspielten Bluse mit Volants. Für mich ist dieser Kontrast besonders wichtig: eine toughe Frau soll trotzdem sexy wirken.

WOMAN: Gibt es eigentlich noch modische No-Gos?

Beck: Ich denke, es gibt keine modischen No-Gos. Man kann im Styling nichts falsch machen solange man sich treu bleibt. Mode soll Spaß machen – sie ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und muss nicht von jedem gemocht werden.

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