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Aktuelle Studie: Frauen sind die Zukunft und werden zur wichtigsten Business-Klientell!

Eine aktuelle Studie besagt: Ladys werden zur wichtigsten Business-Klientel! Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler weiß, warum...


Aktuelle Studie: Frauen sind die Zukunft und werden zur wichtigsten Business-Klientell!
© Paul Kolp

Sie entscheiden, wie die Wohnung eingerichtet wird. Sie bestimmen, wohin es im nächsten Urlaub geht. Sie sagen, wann die Anschaffung eines neuen Wagens ansteht: Frauen sind in Österreich für 70 Prozent der jährlich rund 145 Milliarden Euro Konsumausgaben verantwortlich. International steigt die Zahl sogar auf unglaubliche 9.587 Milliarden Euro an. Das hat eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group herausgefunden ( "Zielgruppe: Frau Wie Sie die anspruchsvollsten Konsumenten der Welt erreichen" , mi-Wirtschaftsbuch Verlag , € 49,90). Frauen sind der Megatrend! Sie fassen zunehmend aktiv am Arbeitsmarkt Fuß und werden immer öfter in der Führungsetage eingesetzt. Das macht sich auch am Markt bemerkbar! Die Unternehmen müssen auf weibliche Bedürfnisse sensibilisiert werden. Zeit ist hier ein wichtiger Faktor! Gefragt sind Produkte, die den Aufwand minimieren, egal ob im Lebensmittelbereich, Finanzsektor oder der Automobilbranche, erklärt Antonella Mei-Pochtler, 51, Senior Partnerin der Boston Consulting Group, im Interview mit WOMAN. Die Business-Märkte sind also gefordert! Firmen müssen spätestens jetzt auf die Bedürfnisse ihrer größten Klientel, der Frauen, eingehen...

WOMAN: Welche Branchen müssen sich ganz speziell anstrengen?

Mei-Pochtler: Ganz klar: die Finanzdienstleister! Die müssen hier aufholen und Frauen mehr unter die Arme greifen. Im alltäglichen Leben! Ich wünsche mir zum Beispiel, dass ich all meine Bank- und Versicherungsgeschäfte jederzeit und ohne Komplikationen abwickeln kann. Wenn ich heute zwei Konten und eine Kreditkarte habe, wird es schon kompliziert das muss vereinfacht werden. Auch was alltägliche Dinge betrifft, könnte vieles leichter werden: Ein adäquates Online-Angebot an Drogerieartikeln oder Lebensmitteln würde arbeitenden Müttern helfen, Zeit zu sparen.

WOMAN: Warum sind gerade Frauen so bedeutend für die Wirtschaft geworden?

Mei-Pochtler: Zum einen, weil die Zahl der Frauen am Arbeitsmarkt stetig zunimmt. Zum anderen, weil sie auch in immer einflussreicheren Positionen eingesetzt werden. Durch die Wirtschaftskrise sind die männlichen Berufe weniger geworden, und damit ist auch das Einkommen des starken Geschlechts gesunken. Die Gehaltskurve der Frauen hingegen zeigt weiterhin nach oben. Außerdem sind wir die häuslichen Finanzministerinnen! Das spielt in Krisenzeiten eine große Rolle.

WOMAN: Wie muss die Wirtschaft darauf reagieren?

Mei-Pochtler: Indem sie endlich versteht, dass Frauen nicht nur in den traditionellen Sparten wie Lebensmittel und Haushalt die Entscheidungsträgerinnen sind, sondern auch in vielen anderen! Zum Beispiel im Handwerksbereich. Es gibt viele, die nicht nur die Blumendekoration kaufen, sondern beim Renovieren des Eigenheims auch wirklich mit anpacken wollen. Dafür sind die meisten Produkte und Werkzeuge jedoch nicht geeignet. Wir brauchen andere Geräte und Möglichkeiten, um zu handwerken!

WOMAN: Aber bitte keine pinkfarbenen Werkzeugkisten!

Mei-Pochtler: Das ist genau der Punkt! Das Allerdümmste, was jemand machen kann, ist, ein Produkt in Rosa einzufärben und dann zu glauben, es sei automatisch für Frauen geeignet. Damit kann niemand die weiblichen Konsumenten erobern! Besser wäre es, Dinge praktisch zu gestalten, damit sie sich auch optimal in der Tasche verstauen lassen. Hersteller könnten sich generell sehr viel von unseren Handtaschen abschauen. Bei Autos etwa: Die sollten klein sein und ein perfektes Innenleben haben gemütlich, schön, geordnet, aber dennoch individuell.

WOMAN: Laut Studie wünschen sich Frauen vor allem eines: mehr Zeit!

Mei-Pochtler: Die beruflichen Anforderungen an beide Geschlechter werden immer höher. Die Frau muss sich nebenbei aber auch noch um den Haushalt und die Kinder kümmern. In Deutschland gibt es dazu Untersuchungen: Selbst wenn der Mann seine Karenzzeit in Anspruch nimmt, findet dadurch keine langfristige Umverteilung der Lasten statt. Denn: Ist die Auszeit vorbei, kehren die Männer in ihren Job zurück, die Hausarbeit wird zum Großteil aber wieder an die Frauen abgegeben.

WOMAN: Mit ein Grund, warum viele erfolgreiche Frauen sich nach der Karenz mit Teilzeitjobs begnügen?

Mei-Pochtler: Ja! Das ist für viele einfach die einzige Möglichkeit, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.

WOMAN: Die Studie hat 12.000 Frauenleben genauer betrachtet. Mit welchem Ergebnis können Sie sich gar nicht identifizieren?

Mei-Pochtler: Eine Sache, die mich sehr erschüttert hat: Frauen wollen ihre Umwelt nicht wirklich mitgestalten. Sie fühlen sich unglaublich belastet und eingespannt, der Wunsch nach selbständiger Mitgestaltung bleibt auf der Strecke. Ich hingegen will die Welt verändern! Vielleicht auch, weil ich diesbezüglich eine männliche Psyche habe: Mir ist beruflicher Erfolg sehr wichtig!

WOMAN: Greift der Megatrend Frau nun auch auf andere Lebensbereiche über?

Mei-Pochtler: Davon bin ich überzeugt. Ihr gesamter gesellschaftlicher Einfluss wird sich langsam verstärken.

WOMAN: Und die Männer? Werden sie auf der Strecke bleiben?

Mei-Pochtler: Das tun sie ja bereits! Der klassische traditionell-konservativ erzogene Mann fühlt sich in seiner Position von seinen weiblichen Kollegen bedroht.

WOMAN: Aktuell fühlen sich zwei Drittel der Frauen aber nicht gleichberechtigt!

Mei-Pochtler: Davon sind wir auch noch weit entfernt! Bei uns im Unternehmen versuchen wir immer wieder bestimmte Stellen mit weiblichen Kräften zu besetzen. Das Problem dabei ist jedoch, dass wir keine finden. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Frauen agieren nach dem Gesamtlebenskonzept sie wollen glücklich sein! Erfolg spielt hierfür aber nur eine kleine Rolle. Viel wichtiger sind Dinge wie Familie, Beziehung und Kinder. Viele Mütter sind nicht bereit, zugunsten einer Top-Karriere Kompromisse einzugehen. Das verstehe ich nur zu gut, schließlich geht es darum, mit dem, was man tut, glücklich zu sein.

WOMAN: Sie haben drei Töchter und eine lückenlose Vita. Welche Kompromisse mussten Sie eingehen?

Mei-Pochtler: Ich habe für meine Karriere viel geopfert, de facto habe ich auch heute noch keine Zeit für mich. Wenn ich mal zuhause sein kann unter der Woche bin ich meistens im Ausland unterwegs , bin ich aber zu hundert Prozent für meine Familie da.

WOMAN: Haben Sie persönlich die Karenzzeit als Karriere-Knick erlebt?

Mei-Pochtler: Ich war eigentlich gar nie in Karenz, habe immer weitergearbeitet. Von unseren Kunden haben die meisten überhaupt nicht gemerkt, dass ich Kinder bekommen habe. Außerdem habe ich einen Riesenvorteil: meine Mutter! Sie ist da, wenn die Kinder von der Schule kommen, und kümmert sich um die Mädchen. Ohne sie könnte ich meine Arbeit so nicht verfolgen.

WOMAN: Sie jetten zwischen Terminen in Amerika, Korea, Deutschland und Wien. Wie bleibt da der Kontakt zur Familie stets aufrecht?

Mei-Pochtler: Auch wenn ich nicht in Österreich arbeite, bin ich für meine Familie da! Wenn die Kinder anrufen, weil sie eine gute Note bekommen haben oder meine Hilfe benötigen, höre ich ihnen zu. Meetings müssen dann eben warten! Mein Mann ist auch viel für die Kinder da.

WOMAN: Sehen Ihre Töchter Sie als Vorbild?

Mei-Pochtler: Im positiven sowie im negativen Sinne (schmunzelt) . Meine Kinder würden sicher sagen, dass sie mal nicht so viel arbeiten wollen wie ich. Für mich aber war immer ganz klar, dass ich beides will: Kind und Karriere! Mir hat der Job auch immer viel Spaß gemacht.

WOMAN: Rückblickend: Würden Sie heute doch einiges anders machen in Ihrem Leben?

Mei-Pochtler: Darüber mache ich mir eigentlich keinen Kopf, schließlich kann ich die Dinge nicht mehr ändern. Sicherlich hätte ich im Nachhinein vielleicht manches anders angehen sollen, aber was im Endeffekt zählt, ist, dass ich mit meiner Familie und meinem Beruf glücklich bin! In dem Moment, in dem ich es als Belastung empfinden würde, würde ich auch nicht mehr weitermachen!

Interview: Melanie Zingl