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Alfred Dorfer: „Ohne Frauen klappt nichts!“ – Der Kabarettist im privaten WOMAN-Talk

Alfred Dorfer: So redselig der Kabarettist auf der Bühne, so schweigsam ist er privat. Mit WOMAN sprach er jetzt offen über Schuldgefühle, indoktriniertes SP-Gedankengut, Mama Margit und seine Erfahrungen als Gast-Indianer. Lesen Sie hier das gesamte Interview!


Alfred Dorfer: „Ohne Frauen klappt nichts!“ – Der Kabarettist im privaten WOMAN-Talk
© Ernst Kainerstorfer

WOMAN: Dass Sie durch Deutschland und die Schweiz touren, müsste Sie eigentlich stressen. Doch Sie wirken wie das blühende Leben!

Dorfer: Danke, das bin ich ja auch! (lacht) Die Tour macht Spaß! Und Ulla und ich sind gerade aus unserem Urlaub aus Buenos Aires zurück, über den ich einen Reisebericht schreiben werde. Fotos gibt’s keine, dafür spannende Notizen. Das ist mir ein Anliegen, weil es fast nur deutsche Reiseführer gibt. Der gemeine Deutsche scheint auf andere Dinge Wert zu legen, als ich. Er versucht woanders das zu finden, was er daheim auch hat. Er will auch in Japan in die Pizzeria gehen, um dann festzustellen, dass die Pizzen nicht ganz so gut schmecken wie die in Kassel (lacht) .

WOMAN: Aalen Sie sich im Urlaub gern in der Sonne?

Dorfer: Ich bin nie am Strand! Möchte etwas erleben. In Panama habe ich mich unter einen autarken Indianerstamm, die Kuna, gemischt. Nicht verwechseln mit der Mayonnaise! Das war sehr interessant: Denn der Hohe Rat der Männer beschließt zwar etwas, aber fragt davor die Frauen um Rat. So funktioniert Machismo auch bei uns! Außerhalb der eigenen vier Wände geben Männer etwas vor, was so nicht stimmt. Eines ist hier wie dort fix: Ohne Frauen geht nichts! Die Indianerfrauen kennen sich super mit dem Internet aus. Die Männer haben keinen Tau. Fischen ja nur den ganzen Tag, leben bequem in den Tag hinein.

WOMAN: Passiv wie die Männer hier! Da wundert’s mich nicht, dass die Frauen im Internet hängen. Die gehen wahrscheinlich auf virtuellen Männerfang!

Dorfer (lacht) : Hut ab, das stimmt! Meist verkehren die Indianerinnen mit Kolumbianern! Lernen deshalb sogar Spanisch. Und Sie haben Recht: Männer haben den Hang zur Bequemlichkeit, wenn Sie einmal etwas haben... Ich bemühe mich, nicht so zu sein.

WOMAN: Ihr Vater hat sich verabschiedet, als Sie fünf waren. Ihre Mutter zog Sie und Ihre Schwester allein groß und war berufstätig. Wer hat Ihnen das Mittagessen gekocht, wenn Sie von der Schule kamen?

Dorfer: Das ist richtig, unsere Eltern ließen sich scheiden. Ich war 5, meine Schwester Margit 15. Aber wir waren keine Schlüsselkinder, denn das Glück war, dass mich meine Mutter, sie heißt auch Margit und arbeitete als Pädagogin, mich nach dem Unterricht immer mit in den Kinderfreunde-Hort nahm. Mich prägte diese Zeit sehr: Denn dieser sozialistische Hort war extrem ideologisiert. Wir haben „rote“ Lieder gesungen, das Gedankengut der SPÖ mit allen Mitteln in die Kinderköpfe indoktriniert bekommen! Ich finde, man sollte Kinder so aufwachsen lassen, wie es ihnen entspricht.

WOMAN: Konkrete Vorschläge dafür?

Dorfer: Traurig aber wahr ist, dass Erwachsene oft keine Vorbilder sind. Stellen Sie sich vor ein junger Mensch dreht – Gott bewahre – „Hohes Haus“ auf: Da sieht er dann, wie sozial verkümmerte Menschen aufeinander los schreien! Deshalb muss in der Schule gezeigt werden, wie man mit Menschen umgeht. Ich bin für kleine Klassen, weil Kinder nur im überschaubaren Rahmen soziale Kompetenz lernen können. Und ich plädiere für einen freien Bildungszugang. Dafür bezahlen zu müssen halte ich für so grotesk wie etwa, dass in Brüssel darüber entschieden wird, wie hoch die Quote der Österreicher ist, die Medizin studieren dürfen – in einem System, das wir selbst bezahlen!

WOMAN: Was halten Sie von Eliteschulen?

Dorfer: Fragwürdige Einrichtungen! Schauen Sie sich die Lycee-Absolventen mal an! Dort herrscht der Ansatz: was in der Schule passiert geht die Eltern nix an. Diese stringente Trennung ist nicht gut. Lycee-Schüler bekommen - wenngleich nicht aggressiv - eingeimpft, einen besonderen Bildungsweg genossen zu haben, etwas Besseres zu sein! Ich finde es sinnvoller, dass ein zehnjähriges Kind soziale Verantwortung übernehmen kann statt alle Primzahlen auswendig zu wissen. Das ist für die Gesellschaft relevant! Nicht irgendwelche kleinen Intelligenzbestien, die eine Sache ganz besonders gut können, aber im menschlichen Umgang miteinander versagen. Da sind die Eislaufeltern stolz, aber sonst schon niemand!

WOMAN: War neue Partner Ihrer Mutter Ihr Vaterersatz?

Dorfer: Nein, ich habe meinen Vater nach wie vor gesehen. Trotzdem: Eine Trennung der Eltern ist für Kinder immer traumatisch, egal wie gut das Patchwork danach klappt. Ich stellte mir oft die Frage: Was habe ich beigetragen, dass es zu diesem Drifting kam? Mittlerweile weiß ich, dass es nichts mit mir zu tun hatte.

WOMAN: Durch dieses subtile Schuldprogramm und den Verlustschmerz entwickeln viele später eine Bindungsangst. Spürt das Ihre Partnerin?

Dorfer: Männer haben immer Bindungsangst (lacht) ! Aber was ich bemerke, ist, dass ich mich immer für Dinge verantwortlich fühle, für die ich gar nichts kann. Die Berührtheit und Betroffenheit für andere Menschen hört nie auf. Ich versuche oft Dinge gut zu machen, zu kitten. Das merken Frauen sicher.

WOMAN: Haben Sie eigentlich schon Ihre Dissertation fertig?

Dorfer (lacht) : Sie wird gerade gelesen! Also demnächst bin ich Herr Doktor der Theaterwissenschaft. Ich hoffe, dass ich vor dem Max promoviere (lacht) .

WOMAN: Führen Sie mit Max Männergespräche?

Dorfer: Wir reden über alles, über das er reden will. Ich horche ihn nicht aus! Wir reden über alles, das uns bewegt.

WOMAN: Mit wem haben Sie als Teenie über Gefühle gesprochen?

Dorfer: Mit meiner Schwester. Sie ist zehn Jahre älter und ein großes Geschenk für mich! Sie ist verheiratet, hat drei Kinder. Von einem bin ich der Taufpate.

WOMAN: Demnächst ist Muttertag – im gleichnamigen Satire-Film spielten Sie mit und alle haben sich zerkugelt. Feiern Sie Muttertag traditionell?

Dorfer: Wir feiern ihn gar nicht! Ich erinnere mich, als ich in der Schule ein Gewürzbord mit der Laubsäge bastelte. Meine Mutter fragte: „Was ist das?“ Seither mache ich Geschenke ohne Anlass...

WOMAN: Sie scheinen Frauen ziemlich zu verehren!

Dorfer: Auch wenn das jetzt schleimerisch klingt, aber ja, das tue ich! Ob bei TV-Diskussionsrunden, wo Frauen „obviously absent“ sind oder in Spitzenpositionen der Wirtschaft, Technik, an Universitäten: Frauen fehlen! Männer schieben sich die Jobs zu, Frauen tun das leider zu wenig. Dabei finde ich, dass eine Frau, wenn Sie intelligent ist, einem gleich qualifizierten Mann immer überlegen ist! Weil sie einfach mehr emotionale Kompetenz haben.

WOMAN: Haben Männer Angst vor starken Frauen?

Dorfer: Ich glaube ja. Ich bin überzeugt, dass wir eine andere, eine bessere Gesellschaft, eine andere Politik und Wirtschaft hätten, wenn mehr Frauen am Ruder wären. Ich fürchte mich nicht davor, wenn eine Frau was kann, das ich nicht kann. Ich lerne gern von den Besseren!

WOMAN: Was hat Sie Ihre Mutter gelehrt? Hat Sie Ihnen jemals gesagt „Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Du darfst nicht weinen...“?

Dorfer: Das sagen hauptsächlich Väter. Ein weinender Bub ist für einen Vater, der im Trösten nicht sehr geschult ist, ein Problem... Aber auf meine Mutter zurückzukommen: Sie hat mir nie – trotz finanzieller Engpässe – das Gefühl gegeben, ich lebe im Mangel. Eine Konsequenz aus dieser Jugend ist, dass ich nie an materiellen Statussymbolen hänge. Ich gebe mein Geld für Reisen, Bücher und gutes Essen aus!

WOMAN: Sie werden nächstes Jahr 50. Was schenken Sie sich selbst?

Dorfer: Ein Leben in Italien. Ich möchte mir eine Wohnung in der Basilicata nehmen. Das liegt bei Kalabrien. Dort will ich meine Zeit genießen...

WOMAN: Vielleicht ein Baby machen! Niki Lauda hat ja auch noch spät zugeschlagen...

Dorfer (lacht) : Wenn ich mir den Lauda anschaue, hab ich noch einige Zeit, um mir das Thema zu überlegen... Ich hab heute zu dieser Frage echt keinen Gefühlszustand.

WOMAN: Wer oder was hat sie zuletzt zutiefst berührt?

Dorfer (denkt sehr lange nach) Das war eine Tour mit einem Indioführer im Urwald. Wie stiegen einen Hochstand empor, wo man von Etage zu Etage sieht, wie sich die Vegetation verändert. Zu sehen, wie dort dank des Licht-Wasser-Systems 17 Meter hohe Bäume neben Farnen perfekt nebeneinander wachsen können, war ich echt beseelt. Das hatte was Göttliches!

Interview: Petra Klikovits