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Alfredo hat 40.000 Tattoos und jedes steht für ein totes Tier

Wie passen 40.000 Tattoos auf einen menschlichen Körper? Warum Alfredo Meschi mit vollem Körpereinsatz gegen Tierschlachtungen protestiert.

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Alfredo Meschi
© instagram.com/alfredomeschix

Alfredo Meschi war Informationstechnologe und arbeitete mit großen Laserdruckern. Heute könnte ihm sein damals durchschnittliches Leben nicht ferner liegen. Denn nun ist er als jener Mann bekannt, der mit 40.000 tätowierten Kreuzen für das Recht aller Tiere kämpft. Aus dem Technologen wurde ein "Artivist", wie er sich selbst nennt, also eine Mischung aus Aktivist und Artist.

Vegetarier war der Italiener schon immer, doch als er 2016 beschloss, nunmehr vegan zu leben, veränderte sich sein Alltag vollständig. Seine Liebe zu den Tieren wurde zum Lebensmittelpunkt und der Kampf um ihr Leben zu seiner Berufung. 40.000 Tattoos zieren seinen Körper. Kleine, schwarze Kreuze, die mit einer veganen Tinte gestochen wurden.

Sie stehen für die Zahl der Tiere, die pro Sekunde getötet werden. Und dabei geht es nicht nur um die Schlachtung für den Konsum, sondern auch Vorfälle in Zoos, Tierparks oder bei der Jagd. Letzterem ist auch "KJ2" gewidmet, eine Aktion im Rahmen des großen Projektes, "X". In einem italienischen Nationalpark war die Bären KJ2 getötet worden, da sie Menschen angefallen hatte.

Auf seinem Instagram Account schrieb Meschi dazu: "Vor wenigen Wochen wurde KJ", eine Bärin, in einem italienischen Nationalpark ermordet, weil sie sich von ihren Mutterinstinkten leiten ließ. Keiner der lokalen Bevölkerung war von dieser Tat erschüttert. Ich machte also die Crime-Scene-Fotoinstallation an jenem Ort, um die Heuchlerei aufzuzeigen. Solange wir den Mord an Tieren nicht mit dem Mord an Menschen gleichsetzen, werden weder Bären, Rehe, Füchse sicher sein - nicht einmal in Naturschutzgebieten. STOP KILLING MY PEOPLE!"

Und "My People" meint er genauso wie er schreibt. Denn Alfredo Meschi ist Anhänger des Antispeziesismus. Keine Spezies sei einer anderen übergeordnet. Weder der Mensch dem Tier, noch umgekehrt. Diesem Weltbild zufolge verübt die Menschheit also sekündlich abertausende, unberechtigte Morde an Tieren. Bevor er auf die Idee mit den Tattoos kam, suchte er also nach einer Möglichkeit, sich diesen Umstand jeden Augenblick vor Augen führen zu können.

Und auch wenn sein Projekt "X" oftmals polarisiert und ihn auch zu seinem Außenseiter macht, sind schon etliche Menschen seinem Beispiel gefolgt. Wie man auf seiner Webseite sehen kann, ließen sie sich auch kleine Kreuze stechen und sind so Teil seiner Bewegung geworden. Auf einem Foto, das er für die sozialen Medien zensurieren musste, hängt er kopfüber und nackt an einem Fleischerhacken. Darunter hat Meschi ein Zitat des Soziologen Alì Shariat geschrieben, das seinen Artivismus perfekt zusammenpasst: "Wenn du die Ungerechtigkeit schon nicht zerstören kannst, dann erzähle zumindest allen davon."