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Alice Tumler: "Ich hatte keine Kraft mehr!"

Am Life Ball stach neben all den bunten Gästen eine ganz besonders ins Auge: Alice Tumler moderierte nach langer Zeit wieder einmal in Österreich. Wo war sie gewesen? Ein Gespräch über fehlende Freiheit, wahren Erfolg und eine komplette Lebensumstellung.

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Alice Tumler
© privat

Wir erreichen Alice Tumler in Lyon, wo die 39-Jährige seit fast zehn Jahren mit ihrem Lebensgefährten Francis, 39, und ihren beiden Töchtern Tia, 7, und Lilo, 2, lebt. "Die Mädchen machen gerade ihren Mittagsschlaf. "Die perfekte Zeit für einen Plausch", sagt die Moderatorin, die derzeit kaum am Bildschirm präsent ist: "Meine Prioritäten haben sich verändert. Heute nehme ich nur mehr Projekte an, die mich interessieren." Bis zu ihrer Selbstfindung war es jedoch ein langer, schmerzhafter Prozess.

Vermissen Sie das Rampenlicht?
TUMLER: Nein, gar nicht. (lacht) Meine kleine Tochter wird im Juni erst zwei. So habe ich nur sehr wenig moderiert. Ausschließlich Events, die mir wirklich am Herzen gelegen sind. Nebenbei habe ich eine Coaching-Firma gegründet. Also langweilig wird mir nicht. Das Wichtigste ist für mich ohnehin, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Haben Sie keine Existenzängste oder Angst vor dem Verlust des Promi-Faktors?
TUMLER: Das werde ich öfter auch von Bekannten und Freunden gefragt. Nein, ich bin da völlig entspannt. Irgendwie geht es doch immer weiter. Bis jetzt ist sich finanziell alles ausgegangen, und ich bin ohnehin nicht sehr materialistisch veranlagt. Und dieses Promi-Gehabe ist mir völlig egal. Hier in Frankreich erkennt mich ohnehin niemand. Das ist gut. Wenn ich nach Österreich komme und mich ab und zu jemand grüßt, frage ich mich: Wer ist das? Bis ich checke, dass er mich wohl aus dem Fernsehen kennt. Ab und zu in einem Prinzessinnen-Kleidchen auf einem roten Teppich aufzutauchen, ist ja ganz nett... (lacht)

Also müssen es nicht die große Villa und das tolle Auto vor der Tür sein?
TUMLER: Nein, ich habe gar kein Auto. Natürlich ist eine schöne Wohnung nett, aber ich bin ein Naturmensch und bin lieber draußen als drinnen. Mein Freund und ich ticken da sehr ähnlich.


Ihr Lebensgefährte ist Osteopath. Ihre Berufe sind also sehr unterschiedlich. Wie unterscheiden Sie sich charakterlich?
TUMLER: Wir sind beide Freiberufler, das ist die Voraussetzung, damit es so gut klappt. Das bringt nicht weniger Stress, aber man kann machen, wie es einem passt. Wenn wir verreisen wollen, dann tun wir das einfach. Aber natürlich kriegen wir uns ab und zu in die Haare. Das ist gut und wichtig. Er ist eher der Ruhige und ich die Impulsive.

Wie schaffen Sie längere Urlaube mit zwei Kindern, eines geht ja schon zur Schule?
TUMLER: Natürlich kann man zwei kleine Kinder nicht mit dem Rucksack durch Bolivien schleppen. In zwei Jahren, wenn die Kleine vier ist, geht das wieder besser. Der Vorteil ist, dass wir bei Tia in der Internationalen Schule auf sehr viel Verständnis stoßen, wenn sie einmal ein paar Tage fehlt.

Erleben Sie oder Ihr Freund Rassismus?
TUMLER: Ich nicht, eher mein Freund. Einmal hatten wir so eine Episode in einem Sportgeschäft in Innsbruck. Wir waren an der Kassa. Francis wollte Schuhe kaufen, die im Angebot waren. Die Verkäuferin hat ihm dann allerdings den ursprünglichen Preis genannt. Mein Freund hat sie in perfektem Englisch und sehr freundlich auf ihren Fehler hingewiesen. Die Verkäuferin hat auf Tirolerisch geantwortet: "Der Afrikaner behauptet, die Schuhe seien verbilligt." Ich war so schockiert, dass ich gar nichts sagen konnte. Ich war nur froh, dass Francis das nicht verstanden hat.

Was bedeutet heute für Sie Erfolg?
TUMLER: Diesen Begriff habe ich in den letzten Jahren völlig neu definiert. Das war ein schwerer Weg zur Selbstfindung. Ich hatte mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Dadurch bin komplett weg davon, etwas beweisen zu wollen.

Welche Gesundheitsprobleme hatten Sie?
TUMLER: Ich litt unter extrem vielen Lebensmittelintoleranzen und chronischer Müdigkeit. In der Früh habe ich es kaum aus dem Bett geschafft. Letztendlich habe ich durch viele alternative Wege sehr gut rausgefunden.

Wie ist das genau gelungen?
TUMLER: Durch komplette Nahrungsumstellung. Ich esse fast nur mehr Rohkost und trinke rohe Säfte. Zunächst ist es etappenweise besser geworden, dann war Stillstand, und ich wusste nicht, woran es noch hapert.

Was hat gefehlt?
TUMLER: Mein psychischer Ausgleich. Ich dachte, alles schaukeln zu können: quer durch Europa reisen, um zu arbeiten, Vollzeitmama sein, den Haushalt schupfen. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr. Und ich habe mich nicht frei genug gefühlt. Es hat mich gestört, in der Früh aufzustehen und genau zu wissen, wie der Tag verlaufen wird. Dadurch wird man unflexibel. Also versuche ich, möglichst offen zu sein, zu schauen, was der Tag Neues für mich bringt. Übrigens schreibe ich gerade ein Buch über meinen Weg. Aber fragen Sie mich bitte nicht, wann es fertig wird. Das gehört auch zu meinem neuen Lebensprinzip. Ich versuche, mir keinen Druck mehr zu machen oder zu überlegen, was mich weiterbringen könnte. Oder mich der Wertung der anderen zu stellen. Ein langer Prozess, an dem ich täglich arbeite.

Im November werden Sie 40. Krisenstimmung oder eher nicht?
TUMLER: Nein, gar nicht! Bis dahin möchte ich wieder pumperlgesund sein.

Thema: Society