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Und schon wieder einer!

Nach 14 Jahren nimmt die Zusammenarbeit von Alber Elbaz und Lanvin ein überraschendes Ende: Der 54-Jährige wurde als Chefdesigner gefeuert.

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Alber Elbaz
© MIGUEL MEDINA/AFP/Getty Images

Nach Raf hat es auch Alber getan! In nur einer Woche haben gleich zwei der ganz großen Design-Genies ihren Zeichenblock eingepackt. Nach Simons Dior-Abgang verlässt also Elbaz die Maison Lanvin. Was das für die Modewelt bedeutet? Einen echten Erdrutsch! Und in beiden Fällen gab es keinerlei Gerüchte und Getratsche vorab, was für die Branche mehr als ungewöhnlich ist.

Nun wird das Gemunkel aber umso lauter. Denn viele stellen sich mittlerweile die Frage: Was ist bloß los bei den ehrwürdigen Modehäusern? Denn Alber Elbaz war ganze 14 Jahre lang Kreativ-Direktor bei Lanvin.

Genauso überraschend trat auch Dior-Chefdesigner Raf Simons letzten Donnerstag nach nur dreieinhalb Jahren ab. Und das trotz riesiger Erfolge – angeblich haben sind die Dior-Verkäufe um 60 % gesteigert als er im Amt war. Das offizielle Statement: Der 47-jährige Belgier will sich in Zukunft lieber auf sein eigenes Label und sein Privatleben konzentrieren.

Jedenfalls haben beide Fälle eine neue Diskussion darüber entfacht, wie stark der Druck ist, der heute auf Designern lastet. Der Markt wird schließlich immer ungeduldiger, neue Kollektionen werden in immer schnellerer Taktung am Markt platziert und diverse Modenschauen – von Couture über Cruise bis Ready to Wear und weitere Spezialkollektionen – sowie öffentliche Auftritte und Interview-Termine auf der ganzen Welt verlangen von einem Kreativdirektor ständigen Einsatz. Und das bei verhältnismäßig geringem Mitspracherecht gegenüber den Konzernen.

Alber Elbaz

Wie Alber Elbaz heute Nacht in einem Statement verlautbaren ließ, haben Auffassungsunterschiede mit dem Vorstand zu seinem Rücktritt geführt. Da erscheint die Rede des Designers vor knapp zwei Wochen, als er den Superstar Award bei der Night of Stars der Fashion Group International verliehen bekam, in einem ganz neuen Licht. Denn bereits hier äußerte er sich kritisch über den kommerziellen Charakter der Modeindustrie:
"We designers started as couturiers with dreams, with intuitions and with feelings. We started with,'What do women want? What do women need? What can I do for women to make their lives better and easier? How can I make a woman more beautiful?' That is what we used to do. Then we became creative directors, so we have to create, but mostly direct. And now we have to become image-makers, making sure it looks good in the pictures. The screen has to scream baby – that's the rule. And loudness is the new thing. Loudness is the new cool, and not only in fashion. I prefer whispering. I think it goes deeper and lasts longer." (Quelle Harper's BAZAAR).

Andererseits könnte er natürlich auch schon in den Startlöchern für eine Übernahme bei Dior scharren. Denn ein Nachfolger für Raf Simons wurde bisher noch nicht bekannt gegeben. Der Pool an möglichen Kandidaten ist aber auch ziemlich überschaubar. Denn Marc Jacobs hat bereits vor Jahren, Céline-Kreativkopf Phoebe Philo lebt mit ihrer Familie in London, und hat dort ihr Studio, während die Zentrale in Paris liegt und Hedi Slimane ließ die Ateliers von Saint Laurent von Paris nach Los Angeles verlegen, wo er seinen Lebensmittelpunkt hat. Riccardo Tisci (Givenchy) gilt als Arbeitstier und könnte in die großen Fußstapfen durchaus füllen. Ansonsten kommen vor allem junge Designer wie Jonathan Anderson, Julien Dossena oder Bouchra Jarrar in Frage. Aber die geringe Auswahl an gestandenen Namen für einen der wohl wichtigsten und auch prestigeträchtigsten Fashion-Jobs weltweit sagt trotzdem etwas über dessen Attraktivität. Fast scheint es, als wären viele Designer nicht mehr bereit, ihr Leben komplett dem Beruf unterzuordnen.

Einzig beim dritten Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen dieser Saison ist die Nachfolge geklärt. Nach knapp drei Jahren und 15 gemeinsamen Kollektionen trennten sich ja bekanntlich die Wege von Alexander Wang und Balenciaga. Demna Gvasalia, Kopf des Designerkollektivs Vêtements, war bereits als möglicher Nachfolger im Gespräch und wurde nun offiziell bestätigt.

Tja, immerhin bleibt es spannend! Denn gerade in der Mode gilt schließlich, dass das einzig beständige die konstante Veränderung ist. So gesehen, bietet sich nun die Chance, wunderbar Neues, Kreatives, Innovatives, Verrücktes oder eben ganz Großes zu schaffen. Dass dies in jüngster Vergangenheit bereits gut geklappt hat, beweisen viele unkonventionelle Entscheidungen, gerade bei altehrwürdigen Brands wie Alessandro Michele bei Gucci, Nadège Vanhee-Cybulski bei Hermès oder Chiuri & Piccioli bei Valentino...

Thema: Society

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